All I Never Wanted

Einen erfrischend offenen bis ernüchternden Blick auf Traumberufe werfen die beiden Filmemacherinnen Annika Blendl und Leonie Stade, die mit Oliver Kahl zusammen das Drehbuch geschrieben haben.

Es geht um die Traumberufe Model, Schauspieler und ihren eigenen, das Filmemachen. Sie schauen mit kühler Distanz und Unvoreingenommenheit auf das Spiel mit den Träumen und die oft prosaische bis bittere Realität dahinter.

Die Auswahl des Castes verstärkt diesen Eindruck der Offenheit und des klaren Blickes, sie versuchen, sich nichts vorzumachen, der Realität der Traumberufe ins Auge zu schauen, eine eher seltene Position in Bereichen, in denen das Schwärmen, Vernebelung und der Bluff zum Alltag gehören.

Das fängt schon mit den affigen Kapriolen an, die deutsche Subventionsstars auf dem Roten Teppich des Filmfestes München aufführen. Die beiden Filmemacherinnen nehmen sich nicht aus. Sie passen sich dem provinziellen Glamour-Diktat des Münchner Filmfestes nahtlos an.

Sie sind auf der Suche nach Produzenten, also Geldgebern für ein neues Projekt, denn ihr Traumprojekt „Man on Mars“ hat nicht funktioniert. So bescheiden sie sich denn auf die Idee einer Dokumentation über Inhaber von Traumberufen. Sie inszenieren fakedokumentarisch ihre eigenen Gespräche mit dem Produzenten und wie er das Projekt begleitet und 100′ 000 Euro locker macht. Sie werden mit dem Boden der Tatsachen konfrontiert – und lassen das auch zu, nutzen es als Chance.

Dafür begleiten sie die 40-jährige TV-Krimi-Seriendarstellerin Mareille (Mareille Blendl) und das blutjunge, minderjährige Nachwuchsmodel Lida (Lida Freudenreich).

Mareille war erfolgreiche TV-Kommissarin. Aber die Produzenten ersetzen sie durch eine Jüngere, lassen sie den Serientod sterben. Sie hat keine Angebote. Ein Theater in Lindau inszeniert gerade „Die Jungfrau von Orleans“ von Schiller. Theaterleiter Jochen (Jochen Strodthoff) will mit der prominenten Darstellerin einen Coup landen. Das ist der eine Strang der Dokufiction oder Fakedoku oder Halbfiction/Halbdoku.

Der andere kümmert sich um Lida. Sie bekommt eine Chance in Mailand bei einer Agentur, rennt dort von Casting zu Casting und gewährt so den Dokumentaristinnen einen schonungslosen Einblick in die Brutalität des Gewerbes mit der Schönheit und dem Traum von der Berühmtheit.

Der Schwachpunkt dieses erfrischenen Filmes ist – mal wieder, aber es fehlt hier einfach an Kapazitäten in Deutschland, die das lehren könnten – das Konstrukt der Geschichte, die Entwicklung der Vorgänge in Lindau und Mailand, die wirkt, bei aller Qualität glaubwürdiger Einzelmomenthaftigkeiten, doch arg betulich, bieder, naiv, süßlich und erfunden bis zwangskonstruiert.

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