Am Rande der Gesellschaft.

Meditative Betrachtungen aus einem Männerwohnheim des katholischen Männerfürsorgevereins München. Hier wohnen gscheiterte Existenzen, solche, die „nie so richtig funktioniert“ haben.

Die Männer haben kleine Kammern mit Duschzelle, Kochecke, Toilette, Kühlschrank, Waschmaschine, Bett, Schrank, ein Tisch, Stuhl, Fernseher. Einige der Zimmer sind unterm Dach mit der entsprechenden Schräge. Am Hauseingang gibt es einen Pförtner.

Till Cöster hat sich hier ein Bild gemacht. Die Kamera ist statisch zurückhaltend in langen Einstellungen. Sie achtet darauf, dass es Rahmungen gibt, Türrahmen, Fensterrahmen, Kanten, Flure, als ob sie versuche, den seelisch Beschädigten einen Halt zu geben, sie nicht zusätzlich zu belasten.

Cöster verzichtet auf jeglichen informativen oder belehrenden Kommentar, es gibt kein Organigramm, keine Zahlen, keine Story, keine Statements von Außenstehenden. Er beobachtet die Männer beim Kochen, Waschen, Rauchen, Trinken, Fernsehschauen, beim Aus-dem-Fenster-Gucken.

Die Männer kommen selbst zu Wort kommen. Sie erzählen von ihren Schicksalen, ihrer Situation: kaputte Kindheit, Pech in der Liebe, Alkohol, Drogen, Job- und Wohnungsverlust, Suizidversuche, Depression, Polizeierfahrungen. Im Heim haben sie immerhin ein paar Quadratmeter Individualität. Darin kommen künstlerische, wissenschaftlich-erfinderische, musikalische, poetische Talente zum Vorschein.

Cöster hat, was für diese intime Dokumentation unerlässliche Voraussetzung ist, das Vertrauen seiner Protagonisten gewonnen. Er muss sie überzeugt haben, dass sie durch das Mitwirken in dieser Dokumentation auf ihre randständigen Leben aufmerksam machen können. So dürfte denn diese Dokumentation durchaus auf Interesse von Außen stoßen.

Es gibt Ausflüge aus dem Heim, zu einem landwirtschaftlichen Hof, nach Rom zum Papst oder zu einer großen Weihnachtsfeier in einem Traditionswirtshaus. Diese Ereignisse werden nebensächlich behandelt.

Zum Schluss dreht der Dokumentarist mit dem Poetenprotagonisten, dessen Texten auch der Titel des Filmes entnommen wurde (mit solchen Texten ist seine ganze Kammer bekritzelt, unter Tags murmelt er sie ununterbrochen), eine kleine Runde durch die Kyreinstrasse, dabei begrüsst er die Nachbarn und murmelt seine Texte weiter, „Friede, Liebe, Love …“.

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