Dr. Freud für Fortgeschrittene.

Den Penisneid überwunden. Innert 24 Stunden vollbringt Dr. Venningen (Hans-Heinrich Hardt) in seiner Klinik Genantro („Smooth Gender Transition“) in der Schweiz die gewünschten Geschlechtsänderungen seiner Patienten.

Kim (Martina Schöne-Radunski), eine junge Pilotin, entscheidet sich spontan dafür, sich einen Penis anbringen zu lassen. Womit ein Ur-Differenzierungs- als auch Dikskriminierungsproblem des Menschen leicht gelöst wäre. So werden tiefe Seelen- oder Psychodramen überflüssig. Niemand muss mehr unter einem Organmangel oder unter Oganminderwertigkeit leiden.

So satirisch leicht wie im Film von Philipp Eichholtz, der mit Christian Ehrich, Maxi Rosenheinrich und Martina Schöne-Radunski auch das Drehbuch geschrieben hat, geht es mit der Rückkehr nach Deutschland von Kim weiter. Es entwickeln sich keine abgrundtiefen Dramen. Es darf gegrinst werden. Ist ja ein Uridentitätsproblem wenn der Freund von Kim, Andreas (Christian Ehrich) damit konfrontiert wird, dass Kim plötzlich einen Penis hat.

Auch ein paar Traum-Schock-Sequenzen schmuggeln sich in den Film. Es gibt sogar Bücher über „Shemale Pleasures“ und die Prostatastimulation. Damit muss Andreas sich erst mal abfinden und beschäftigen, denn mit sexuellen Fantasien scheint er nicht gesegnet.

Das Thema weitet sich auf den Freundeskreis aus. Anna (Stella Hilb) ist in der Krise, weil ihr Freund Marlon (Sebastina Fräsdorf) einer anderen ein Kind gemacht hat. So will sie, dass Andreas ihr eines macht.

Wenn Freud überwunden ist, scheint es nur noch um das Haben oder Nicht-Haben von Beziehung zu gehen, eher in der Art, wie Kinder sich um ein Spielzeug streiten. Selbstverständlich setzt es Tränen, Rangeleien, Knüffe. Zu diesem Leben in gelöster Oberflächlichkeit im Sinne einer fröhlichen Wissenschaft mit Flachsereien zum Penis-Thema und leckerer Lasagne passt die Präferenz für monochrome Wandfarben. Davor kommen die Darsteller noch besser zur Geltung, mit denen man alleweil im Film auftrumpfen kann. Es sind muntere Wunderblüten aus dem Berliner Filmdunstkreis, der rege ist in Produktionen wie dieser ohne jeden Subventionsverdacht.

Der Film kann gesehen werden als eine deutsche Antwort auf Mein bestes Stück – Si j’étais un Homme.

„Liebe ist was für Idioten“ wird an einer Stelle gesungen. Das passt zu einer Generation, für die die Liebe nicht mehr ganz neu und nicht mehr ganz groß, aber immer noch ein Thema ist, was sie umtreibt.

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