Rote Räte – Vom Anfang der Demokratie in Deutschland (am 13. und 14. Juni jeweils 20.30 Uhr im Werkstattkino in München)

Geschichtskonzentrat (giftig?).

Der Grundauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes ist es, den demokratischen Geist im Lande aufrechtzuerhalten, damit nie wieder Dinge passieren wie die Naziungeheuerlichkeiten. Aber was machen die heute? Sie jammern auf jämmerlichstem Niveau, dass sie nicht genügend Geld hätten und deswegen Abstriche am Programm machen müssten (den demokratischen Grundauftrag scheinen sie ganz vergessen zu haben – das spielt dem Populismus in die Hände). Obendrein lehnen sie es ab, extrem gutes und einmaliges Material gerade in demokratischer Hinsicht und bezüglich der Voraussetzungen zur braunen Geschichte Deutschlands, zu restaurieren oder restaurieren zu lassen, um es über Sendungen und Mediatheken den Bürgern zugänglich zu machen.

Den Zugriff zu so extrem seltenem und aufregenden Material hat Klaus Stanjek (Klänge des Verschweigen). Er selbst hatte als Student mit anderen Geschichtsneugierigen vor 40 Jahren mit einfachsten Videotechniken (der Hammer dabei, dass auf der Tonspur offenbar über die Apparatur, die wie eine Antenne wirkte, andere Stimmen aus dem Äther eingefangen wurden; deshalb heute die hilfreichen Untertitel) Zeitzeugen befragt, die diese wilde, archaisch-sozialistische Umbruchszeit nach dem ersten Weltkrieg in München aktiv erlebt hatten (da konnte es passieren, dass eine bayerische Tageszeitung das kommunistische Manifest auf die erste Seite setzte!).

Dieses Material hat Stanjek jetzt aufbereitet und mit Archivmaterial aus jener Zeit ergänzt. In knappen Kapiteln schildert er die wichtigsten Phasen dieser kurzen und schwer zu durchdringenden Chaos- und Umbruchzeit. Mit seiner klaren Gliederung trägt er mehr zur Erhellung bei, als zehnteilige Zeitungsserien oder die Dauerausstellung im NS-Dokumentationszentrum es vermögen.

Die Ausgangslage ist das Ende des ersten Weltkrieges. Tausende von Soldaten kehren zurück, haben nichts zu tun, sind ihren Lebenssinn los, es herrscht Nahrungsmangel (spiegelt sich in vielen Todesanzeigen: „an Unterernährung gestorben“). Das treibt die Leute in Massen auf die Straße und die Redner auf die Tribünen. Der geistige Input kommt aus Russland, von Lenin. Die erste herausragende Figur ist Kurt Eisner. Nach seiner Ermordung – auch die wird von Augenzeugen geschildert – kommt eine Intellektuellenregierung, die in den wenigen Tagen ihres Existierens revolutionäre Gesellschaftsveränderungen durchsetzt: 8-Stunden-Tag (bisher 12) für Arbeiter, mehr Rechte für die Frauen, Forderung zur Mitbestimmung der Studenten; was die 68-er wieder aufnehmen. Es folgt eine kommunistisch-sozialistische Regierung, die die Rechten auf den Plan ruft, die Weißen Garden, die die Roten Garden – ab hier wird’s blutig – mit Einkesselung und Angriff auf München überwältigen. Hierzu gibt es Augenzeugen(Mittäter)Schilderungen, die manchem Fernsehredakteur den Angstschweiß auf die Stirn getrieben haben dürften.

So ist diese kostbare, geschichtserhellende Rarität von Film vorerst nur am 13. und am 14. Juni jeweils um 20.30 Uhr in München im Werkstattkino (Fraunhoferstr. 9), zu sehen. Hier geht’s zur Website des Films.

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