Viel habe ich bei meinen bisherigen Reviews nicht gefunden über Filme aus oder über Nordkorea: Hana – Dul – Sed, ein Film über die nordkoreanische Fußballmannschaft, und ein Film über nordkoreanische Gefangenenlager, Camp 14 – Total Control Zone, von denen wohlweislich in diesem Film von Tommy Gulliksen nicht die Rede ist.

Gulliksens Film hat eine andere Absicht. Er will nicht Nordkorea kritisieren. Er dokumentiert, und ist insofern hochpolitisch, den Versuch eines Austausches mit Künstlern aus Europa und China in und mit Nordkorea. Es sind dies ein Grafiker und Installationskünstler aus Frankreich, ein Maler und Sprayer aus Norwegen, ein Fotokünstler und Filmemacher aus China, ein Sounddesigner aus Deutschland, eine Musiktheater-Regisseurin aus England. Sie machen sich unter der Organisation durch Morten Traavik, der lange schon Kontakte zu Nordkorea pflegt, auf nach Pjöngjan.

Sie sollen Werke von sich präsentieren. Sie leben in einer Blase, betreut, beobachtet und kontrolliert von sorgfältig ausgewählten und hochgebildeten Nordkoreanern. Wäre vor 20 Jahren so ein Unternehmen noch so etwas wie ein Haarriss in der Abschottung der Diktatur gewesen, so scheint es heute immerhin eine kleine Pforte in der Mauer zu sein, durch die doch mehr Westler in das Land gelangen und dort sehr gut beobachtet selber ein klein wenig beobachten dürfen.

Der Film öffnet einen klitzekleinen Spalt zu dem Land, vermutlich nicht mal vergleichbar dem Begriff von der Spitze des Eisberges. Die Gäste leben in der exklusiven Abgeschottetheit um das Hotel Pjöngjan, einem Internationalen Hotel. Sie beobachten aus ferner Distanz nordkoreanisches Lebens, vermutlich des feinen Lebens ausgesuchter Bürger. Das ist meine Interpretation.

Der Film von Tommy Gulliksen schildert spannend, wie schwierig eine kulturelle Annäherung an ein Land läuft, das künstlerisch vor über 100 Jahren stehen geblieben scheint, lange vor DADA, Impressionismus, Futurismus, Expressionismus.

Die nordkoreanische Kunst dient einzig und allein der Vergötterung des großen Führers Kim Jong-Un und der Beschwörung der Juche, des nordkoreanischen Menschenideals, das der Einheit und Stärke des Landes dient.

Nordkorea ist schon über 70 Jahre abgeschottet, man denke, wie weit sich eine DDR in 40 Jahren von unserem demokratischen Denken entfernt hat und wie heute die Trennung noch nicht überwunden ist, wie tief die Prägung für Menschen war, die dort noch ihre Jugend verbracht haben. Insofern steht es uns nicht zu, uns Nordkorea gegenüber irgendwie als Besserwisser aufzuspielen. Das zeigt der Film deutlich.

Das erfordert von der Künstlergruppe große Demut, nicht mit der Tür ins Haus zu fallen, sondern für die abschließende Präsentation, die vorgesehen war, zwar nicht sich zu verstellen, aber Kunstprodukte zu zeigen und vorzuführen, die nicht Lichtjahre vom Weltbild der Nordkoreaner entfernt sind. Das kostet manche Künster Nerven und führt zu mehreren Ultimaten.

Die Erfahrungen der Gruppe bis dahin waren schon frustrierend. Immer wieder Termine, immer wieder Ablehnung von Begegnungen und Austausch. Der gemeinsame Nenner, der universelle, scheint im Moment erst minimal zu sein.

Trotzdem sollte es für uns Westler Pflicht sein, uns mit dem Bericht über solch kleinen Schritte zu beschäftigen und zwar nicht aus einer Warte der Überlegenheit heraus, sondern bei aller ideologischer Diskrepanz, mit Respekt den Menschen und Künstlern gegenüber, die in einem für uns absurden System leben.

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