Das Monster.

Leilani Farha macht sich weltweit auf die Suche nach dem Monster, das das Wohnen für so viele Menschen in so vielen Städten der Welt unbezahlbar, gar unmöglich macht. Sie ist „Special Rapporteur“ für die UN. Sie will bei der Politik eine Wende (Shift) bewirken, dass das Monster, das sind Finanzinvestoren, nicht mehr ungehindert das Wohnen wie eine Goldmine ausbeuten kann ohne Rücksichtnahme auf das grundlegende Recht des Menschen auf Wohnen.

Farha holt wissenschaftlichen Rat bei Saskia Sassen (Wohnungen als Assets, die in irrer Geschwindigkeit gehandelt werden können) und beim Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stieglitz, resp. der Dokumentarist Fredrik Gertten, der sich an die Fersen von Leilani Farha heftet, holt diesen Rat ein. Stiglitz schiebt die Schuld am heutigen Problem auf Milton Friedman, der der Deregulierung ohne Rücksicht auf die Menschen das Wort geredet hat.

Farha ist unterwegs in Valparaiso, in Ottawa, in Stockholm, in Seoul, Berlin, London, New York. Sie findet in London ganze Straßenzüge mit Wohnhäusern und keinen Menschen unterwegs, lauter leeren Parkplätzen: Wohnungen, die nur noch Assets und keine benutzten Wohnräume mehr sind. Auswüchse des Finanzkapitalismus, der sich auf den Immobilienmarkt stürzt.

Farha findet Politiker und Idealisten, die versuchen etwas gegen diese Art der Gentrifizierung zu unternehmen. Gemeinden, die Häuser und Boden kaufen mit Vorkaufsrecht, um diese dem Zugriff der Finanzinvestoren zu entziehen.

Farha stößt auf das Paradox der Pensionsfonds: in Seoul wurde massenhaft Wohnraum von Arbeitern vernichtet, damit Pensionäre ihre Pensionen bekommen können. Ein Termin bei Blackrock, einem der größten Finanzinvestoren der Welt, wird kurzfristig ersatzlos gestrichen. Sie wollte mit den Investoren über den Zusammenhang zwischen Finanzmarkt, dessen Agieren im Wohnungsmarkt und dem menschlichen Recht auf Wohnen diskutieren (wie Frau Sassen meint: sie verhalten sich nicht wie Hersteller von Produkten, die Mehrwert schaffen, sondern wie Prospektoren, die Minen ausbeuten, bis sie leer sind und der Rest interessiert sie nicht).

Der Film von Fredrik Gertten ist kein Unterhaltungsfilm, er ist einer von der Sorte illustrierter Ökonomielektionen, die alleweil anregend anzschauen sind. Wobei mir aus deutscher Sicht das Wiener Modell fehlt genau so wie Hans-Jochen-Vogels Forderung nach einer Bodenreform.

Hinterlassen Sie einen Kommentar