Herzverkauf am Telefon
oder das Porträt eines schlechten Menschen
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Dieser Mensch ist Micha Faber (Christoph Bach). Er ist verheiratet mit Nathalie (Alwara Höfels). Sie haben das Mädchen Jana (Maggie Valentina Salomon). Jana hat eine unheilbare Herzmuskelentzündung. Heilung ist nur möglich durch eine Herztransplantation. Bis dahin muss das Mädchen an eine Herzmaschine angeschlossen sein. Diese ist so groß wie ein Kühlschrank und auf Rädern. Das Mädchen hat etwas Bewegungsraum dank Schläuchen.

Das Thema dieses Filmes von Steffen Weinert ist die Beschaffung eines Spenderherzens. Im Normalfall ist mit einer Wartezeit von 8 Monaten zu rechnen. Nach einem Jahr ist nichts passiert, außer dass ein Geschwisterchen zur Welt gekommen ist.

Der Film schildert die Aktivitäten des Vaters, mit allen Mitteln an ein Spenderherz zu gelangen. Übers Internet bekommt er Kontakt zu einem Arzt in Bukarest, der eines für eine Viertelmillion inklusive Transplantation organisieren könnte.

Der Film warnt ausdrücklich vor dem Herzspendenhandel, den dubiosen Quellen und den möglicherweise unzureichenden hygienischen Verhältnissen in Drittländern, da diese Art von Handel in Deutschland nicht erlaubt ist.

Dem Vater sind Gesetze egal. Für das Wohl seiner Tochter pfeift er auf alle zwischenmenschlichen Regeln, gelten ihm humane Interessen und Rücksichten nichts. Er organisiert den Deal, beschafft mit krimineller Energie das Geld und was der bösen Taten mehr inklusive nächtlichen Abhauens mit dem Töchterchen und dem heimlichen Flug nach Bukarest sind. Er hintergeht damit auch seine Frau, die nicht damit einverstanden ist. Ihm gilt weder das Wort etwas noch die Liebe zu seiner Frau.

Der Film fängt verheißungsvoll an. Die Eltern sind im Gespräch mit dem noch gesunden Mädchen. Das Mädchen fragt, wie sie sich den kennengelernt haben, übers Internet? Nein, nein, erzählen sie, noch ganz normal in der Mensa hätte er sie angesprochen und zum Kaffee eingeladen. Was die Mutter geantwortet habe? Nein. Warum? Weil er nur bumsen wollte (passt zu seinem schlechten Charakter). Klein Jana korrigiert die Eltern, das sage man heute nicht mehr, heute spreche man von „Ablaichen“, „Durchflöten“, „Einparken“. Der Film verspricht mit diesem kleinen Vorspann, mehr als er denn hält, er verspricht Einblicke in die Liebe von Vater und Mutter, deren Prüfungen, deren Haltbarkeit.

Doch der Film reduziert sich auf die Transplantationsthematik. Es geht nur noch um das verbissene Ziel des Vaters, Töchterchen ein neues Herz zu beschaffen, egal, wer dafür ums Leben kommt. Der Film wirkt so mehr wie ein Beratungs- oder Aufklärungsfilm zum Thema Herzkauf und Herztransplanation und damit einhergehend zum Thema der Organspende. Insofern empfiehlt sich der Regisseur mit seinem pointiert ausgeleuchteten Film für Schulungsfilme, Beratungsfilme mit illustrierender Spielhandlung.

Da der Film bestimmt auch fürs Fernsehen gedacht ist, wird der Protagonist, der schlechte Mensch, durch eine Entdeckung in Krankenhaus in Bukarest eine Läuterung durchmachen und seine eigene Schlechtigkeit erkennen.

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