Brennen – für die Literatur, so könnte vielleicht der Titel dieses Filmes von Chang-dong Lee, der mit Jungmi Oh auch das Drehbuch geschrieben hat, interpretiert werden.

Der literarische Bezugspunkt ist William Faulkner. Der ist das Vorbild für den Protagonisten Lee Jong su (Ah-in Yoo), er hat literarische Ambitionen, möchte so schreiben wie Faulkner, aber so recht weiß er nicht, was er schreiben möchte. Ein früher Zustand an literarischer Ambition, insofern auch etwas unterentwickelt oder positiv gesprochen, eindeutig ausbaufähig. Das schlägt sich im Film nieder.

Die Story, soweit sie haptisch zu fassen ist, ist im Endeffekt doch arg simpel – einerseits. Andererseits lässt der Film den Zuschauer rätseln, was ist real, was ist Fiktion. Und gibt am Schluss – meiner Ansicht nach – doch eine ziemlich klare Antwort. Insofern sollte bei einer Inhaltsangabe Zurückhaltung geübt werden.

Lee Jong-su ist ein Bursche vom Lande in Südkorea, aus der Gegend Paja in Sichtweite zur Grenze nach Nordkorea. Hier wird Gemüsebau in Gewächshäusern betrieben. Der Vater von Lee muss ein interessanter Typ gewesen sein, aber wegen einer Unbeherrschtheit steht er vor Gericht. Charakter passt nicht in jede Gesellschaftsordnung.

Zuhause hat er noch ein Kalb im Stall stehen. Sein Sohn verdingt sich mit Trägerjobs in Seoul. Damit fängt der Film an, wie er an einem LKW eine Zigarette raucht. Ihn sieht man nicht. Irgendwann kommt die Hand mit der Zigarette. Dann biegt er ums Eck, um einen Sack mit schwerer Ware zu schultern und in eine Fußgängerzone hineinzutragen.

Die Kamera lässt sich dabei von jungen Frauen in kurzen Röcken und überhaupt auf sexy gekleidet ablenken, die als Rekommandeusen für ein Gewinnspiel arbeiten. Auf dem Rückweg spricht Shin Hae-mi (Jong-seo Jun) Lee an, ob er sie nicht wiedererkenne. Er erhält ein Los und gewinnt eine pinke Frauenarmbanduhr. Die schenkt er Haemi. Die beiden sind im selben Dorf aufgewachsen.

Das ist der Anfang einer Liebesgeschichte, die einen Slalomweg durch verschiedene literarische, filmische Genres nehmen wird. Haemi will sich daran erinnern, dass Lee sie einmal als kleines Mädchen aus einem tiefen Brunnen gerettet habe, in den sie gefallen sei. Dort sei sie stundenlang traurig gewesen, bis er sie gerettet habe. Er kann sich nicht daran erinnern.

Mit solchen Behauptungen gibt der Film zu verstehen, dass er keinesfalls daran denkt, ein realistisches Narrativ aufzustellen, dass ihm anderes im Hinterkopf rumgeht.

Die Liebesgeschichte zwischen Lee und Haemi wird infrage gestellt durch Ben (Steven Yeun) mit einem schwarzen Porsche Carrera, der für nicht selbst erworbenen Reichtum steht – Lee fährt einen ruckligen, rostigen, landwirtschaftlichen Pickup. Ben taucht plötzlich auf beim Rückflug von einer Afrikareise, die Haemi sich gegönnt hat.

Ein Thema werden später verschuldete Frauen in Korea sein, nachdem vorher schon das Problem der Jobsuche via Lee eingeführt worden ist. Es gebe viele Frauen, die ihre Kreditkarten überzögen und in einen Schuldenstrudel geraten würden. Es gibt recht abschätzige Meinungen über solche Frauen. Auch die Mutter von Lee ist so eine. Deshalb hat sie sich vor 16 Jahren aus dem Staub gemacht.

Von der Machart her, auch dem wohldosierten Einsatz von Musik, Kamera, Schnitt und Darstellung gehört der Film in die Erstklassigkeit koreanischer Filmkultur, kann einen reinziehen. Von der Qualität der behandelten Literatur her bin ich mir da nicht so sicher, der Roman, der dem Möchtegernautoren vorschwebt, ist doch recht simpel.

Das Thema Bürgerrechte wird gestreift, mittels einer Petition, die Lee in Paja für seinen Vater startet, und in Südkorea bekommt selbstverständlich auch die Kirche ihren Auftritt.

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