Sanft verpackte Grausamkeit.

Eine Grausamkeit, die stellvertretend steht für die Gräuel, die die Japaner beim Angriff auf Singapur 1942 angerichtet haben, ist der rabenschwarze Kern, um den herum Eric Khoo sensibel und fast verträumt schön die Geschichte des jungen Japaners Masato (Takumi Sahito) erzählt.

Masato begibt sich nach Singapur auf Spurensuche nach seiner Familie. Kochen scheint ein Faible in dieser Familie zu sein. Und Erico Khoo widmet sich der Suppenzubereitung und deren Genuss so ausführlich (wobei die Asiaten immer gerne essen in ihren Filmen), dass der scheidende Berlinale-Chef sich bemüßigt sah, den Film in der Reihe kulinarisches Kino zu zeigen. Das Logo dieser Reihe prangt nun im Vorspann, was mir wie eine Beleidigung des Filmes vorkommt, denn nicht nur die Liebe geht durch den Magen, auch die Versöhnung.

Khoo lässt sich Zeit, Masato in Singapur sich umsehen zu lassen. Er schildert erst das Verhältnis zuhause, der Vater lebt noch und betreibt ein Restaurant. Der Sohn fühlt sich unglücklich. Vater stirbt. Jetzt ist der Sohn frei, sich auf die Suche zu machen.

Über einen Kochblog lernt er Miki (Seiko Matsuda) kennen. Er selbst ist die ersten Jahre seines Lebens in Singapur aufgewachsen, dann aber nach Japan zurückgekehrt.

Der Film gibt einen Einblick in die Nationalitätenverhältnisse in Ostasien, Vorurteile einerseits und Singapur als Schmelztiegel der Kulturen andererseits. So wird im Film Mandarin gesprochen, Kantonesisch, Japanisch und auch Englisch. Die Untertitel sind je nach Sprache in einer anderen Farbe, vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber auch sinnig.

Mit feiner Nase und der Erinnerung an Gerüche, mit Herumfragen und mit Hilfe von Miki findet Masato, der seit seiner Kindheit nicht mehr in Singapur war, die Spuren seiner Familie, macht einen Onkel ausfindig, der ein Restaurant betreibt, eine bekannte Rippchen-Suppenküche.

Masato stößt auf die Spur seiner Oma, von der er nichts wusste und die seine Mutter offenbar verstoßen hat. Hier wird sich weisen, welche enorme Kraft Kulinarik auf dem Weg zur Versöhnung erstarrter Vorurteile schaffen kann.

Khoo lässt sich genügend Zeit für Impressionen vom Land, von dörflicher Idylle, von Reisfeldern aber auch von der Großstadt Singapur mit ihrer imposanten Skyline. So stellt er einen höchst genießbaren Film her. Sowohl Erzählungen aus der Familie als auch Fotoalben, Tagebücher und Kochrezepte sind wichtige Bausteine auf der Suche von Masato nach seiner Familie.

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