Am Faszinierendsten
an dieser dritten Auflage der John Wick-Filme scheint mir die raffinierte Chronometer-Werbung für Carl. F. Bucherer, obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, ob es für diese Firma ist, man bekommt bei den flashhaft im Hintergrund eingeblendeten und sich in Bewegung befindlichen Ziffernblattbildern immer nur Bruchstücke der Inschriften zu lesen, auch weil man ja trotzdem die Handlung im Vordergrund nicht ganz aus dem Auge lassen möchte. Obwohl es, dies zu tun, gute Gründe gibt.

Im ersten Film war für mich die John Wick -Figur (Keanu Reeves) von Interesse, weil er einen Widerstand gegen die Action, die er glaubte hinter sich gelassen zu haben, zeigte, ja er hatte sein Gewehr sogar einbetoniert. Kunstbücher fanden sich in seiner Wohnung, was ich als einen Hinweis auf die möglicherweise empfindsame Seele eines Killers deutete.

Nichts mehr davon in diesem Kapitel 3. Wick hat den Widerstand gegen die Action aufgegeben, das Privatleben, den Ruhestand vergessen. Er liefert jetzt die von den Drehbuchautoren Derek Kolstadt, Shay Hatten + 4 geschriebene und von Chad Stahelski inszenierte Action wie am Fließband ab, nur noch mit dem Ausdruck des Gehetzten. Denn auf ihn ist ein Kopfgeld von 14 Millionen und später sogar mehr ausgesetzt, da er ein Excummunicado ist, ein zum Abschuss Freigegebener.

Sicher haben sich die Macher bemüht, die Feuerwaffen- und Mann-gegen-Mann-Action mit Nuancen zu versehen, sie in glitzernden Glas-Stahl-Spiegelpalästen, Bibliotheken oder anderen Opernaussattungslocations, wie großes, klassisches Theater-Ballett stattfinden zu lassen. Aber das kommt nur noch wie eine Andeinanderdreihung daher, wie ein Almanach, interessant für Kampffans und Spezialisten.

Ein simpler Menschenjagdfilm und alle paar Minuten wird geschlägert, immer hat Wick mehrere Gegner gleichzeitig zu erledigen nach ähnlichem Schema. Und immer wieder muss Wick selber sich derrappeln, Wick, der Derrappler.

Die Texte sind von bescheidener Natur: I should shoot you right in the head, das sagt Sophia (Halle Berry), deren Gesichtsmuskeln sich dabei in unerwarteten Richtungen mitbewegen. Du hast die Regeln gebrochen und dich gegen die Tafel gestellt. Ich habe gedient. Ich will zu Diensten stehen. Solche Texte können nicht so richtig zünden, wirken steril. Das Sippenhaftelement kommt ins Spiel, alle, die den Excommunicado vorher unterstützt haben, müssen sich nun vorsehen.

Es scheint vergessen worden zu sein, vor lauter Fokus auf Variierung der immer gleichen Action, ein geistiges Gerüst zu erstellen. The best of your life will be the death of others. Brauchen wir zu Trump-Zeiten noch solchene Moral? You, Jonathan, do, what you do best. What? Hunt! – Dabei wollte er doch Pensionär sein. Das hat er scheint‘ s vergessen, seine andere, vielleicht spannendere, undurchdringlichere Seite vergessen.

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