Irrwege eines Einsamen.

Urfin wohnt allein außerhalb von Munchkin. Er ist ein Eigenbrödler. Er glaubt, er sei niemandem wichtig. Deshalb sprießen sein Herrschaftsallüren ins Kraut. Das ist doch schon mal eine klare Beschreibung eines Potentaten (der Film stammt aus Russland).

Urfin sieht die Menschen in der Stadt feiern; kräftig russische Folklore. Dann entdeckt er, dass die Asche von einem Unkraut, das vor seinem Haus wächst, tote Materie zum Leben erwecken kann: einen Holzsoldaten zum lebendigen Soldaten, einen Holzkasperl zu einem lebendigen Kasperl, sogar seinen Bärenteppich zu einem echten Bären.

Urfin entdeckt Machtmittel. Die will er in seinem Frust gegen die Stadt einsetzen. Er bringt eine selbst geschnitzte Holzarmee zum Leben, lässt die Soldaten in militantem Stechschritt gegen Munckin marschieren, erobert die Stadt.

Das kann so nicht stehen bleiben in der Geschichte von Fyodor Dmitirev und Darin Shmidt nach Vladimir Toropchin. Die Autoren kapern jetzt einen Hollywoodstoff, Der Zauberer von Oz. Sie holen dessen Hauptfigur Dorothy aus Kansas. Mittels silberner Schuhe kann sie sich nach Munchkin beamen. Ihre Begleiter aus dem amerikanischen Stoff, den Blechmann (der jetzt Zinnmann heißt), den Strohmann und den Löwen, die im amerikanischen Vorbild ihre Fantasiefiguren aus dem Hof in Kansas sind, bringt sie auch gleich ein zur Rettung des russischen Lebens vor russisch einsamen Potentaten auf abenteuerlichen Wegen von Gefangenschaft, Verfolgung, Täuschung, Burgstürmung und als Merkur dient eine Krähe, die wichtige Mitteilungen zur Förderung von Frieden oder Konflikten herumtragen kann.

Ein Oger macht die Befreiung von Munchkin zusätzlich schwierig, wegen seinem Menschen- und Hundehunger, denn er fängt Dorothy und ihren Hund Toto.

Das Schöne an der Sache: am Schluss ist der Potentat geläutert, auch wenn er vorher noch eine furchtbare Vernichtunsmaschine geschaffen hat, er kapiert, dass es mindestens eine Menschin gibt, die ihn wahrnimmt.

Gegenüber amerikanischen Märchenanimationen kommt mir diese russische deftiger, praller, physisch konkreter vor, aber nichtsdestoweniger fantasievoll, Fantasie, die sich öfter aus Konsequenzen der Mechanik von Vorgängen ergibt. Insofern typisch, dass die Hauptfigur ein erdgebundener Schreiner ist (Urfin) und nicht ein verträumtes Mädchen auf einem Hof in Kansas.

Die deutsche Synchro passt dazu und ist zumindest nicht routiniert. Der Film scheint für den Weltmarkt produziert, denn Schriftzüge im Film sind Englisch und die Original-Sprecher ebenfalls.

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