Mutterschlund.

Die Abgründe einer Mutter-Sohn-Beziehung oder eine mögliche Paranoia in der Folge von Mutterschaft schildert Lee Cronin, der mit Stephen Shields auch das Drehbuch geschrieben hat, in einem gediegenen Mix aus Realismus, sanften Horrorbildern und -effekten mit einer Musik, die mehr abstrakt die ständig dräuende Gefahr von Bodenlosigkeit und Identitätsverlust wie Gefährdung des Besitzverhältnisses („Du bist nicht mein Sohn“) ausmalt.

Dabei spielt das Narrative eine Nebenrolle, wird allenfalls genutzt zur Begründung von Sarahs (Seána Kerslake) abgelegener Wohnlage in einem Wald mit ihrem Sohn Chris (James Quinn Markey), damit der Film die beiden wie bei einem wissenschaftlichen Experiment isolieren und beobachten kann oder als Hinweis auf den Bildungsgrad von Sarah (sie wollte studieren, hat das aber für ihr Kind aufgegeben; das erfährt man in einer Freundesrunde).

Sarah selbst möchte, dass Chris in der Schule Freunde findet; sie selbst erkundigt sich bei einer Freundin, die in der Stadt einen Laden hat, dort zu arbeiten, um der Waldeinsamkeit zu entfliehen. Aber diese hält sie wie gefangen; lässt ihre Mutterängste und Angstträume förmlich ins Bodenlose wachsen.

Dem Wahn verleiht die alte Nachbarin Noreen (Kati Outinen) Schub, die bis ins hohe Alter den Verlust ihres Sohnes im Schulalter nicht verdaut hat. Ihr furchtbarer Tod bringt ein paar Menschen zur Beerdigung zusammen; kann aber die Auswüchse der Mutterängste von Sarah nicht bändigen, gegen die sie schon Tabletten nimmt, ganz im Gegenteil.

Der Film ist voll schöner Symboliken vom Ablaufstrudel einer Dusche bis zum sich bildenden Krater in einem Waldstück, von der Spinne, vor der Chris Angst hat (bis er sie isst), von der Tapete, die weggekratzt und erneuert wird, von der singenden Rasselbande oder auch einer Kamera, die sich einmal verblüffend auf den Kopf stellt und so die Waldlandschaft mit der Straße dreht. Oder gar: von der Schizophrenie von Mutterschaft?

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