Greta

Vorbemerkung: der Filmtitel hat nichts mit der in die Weltprominenz hochgeschwemmten nordischen Klimagöttin zu tun: verführt aber dazu, diese unterm Huppert-Aspekt dieses Filmes zu betrachten – ein zusätzlicher Reiz.

Den Leinwandgöttinnen ins Stammbuch.

Das dürfte das größte Vergnügen von Isabelle Huppert gewesen sein, in diesem Film von Neil Jordan (Drehbuch zusammen mit Ray Wright) den protoypischen amerikanischen Leinwandvamp, den klassischen Hollywood-Leinwandgöttinen eins auszwischen mit dem Untertext: so viel Vamp kann ich noch lange, so tief kriege ich meine Stimme auch und mein Gesicht kann ich dank moderner Schminktechniken richtig geliftet aussehen lassen. Und zeigen, welch garstig Weib, welche Verbrecherin hinter so einer Visage stecken kann.

Jordan kommt ohne Umwege zur Sache. Die Huppert als Greta lässt eine elegante Damenhandtasche in der U-Bahn stehen und marschiert von dannen. Eine junge Frau, Frances (Chloé Grace Moretz) ahnt nicht, dass die Tasche mit Absicht stehen gelassen worden ist.

Frances wohnt mit ihrer Freundin Erica (Maika Monroe) zusammen. Es ist auch ein Film mit und über schöne Frauen.

Gegen den Rat von Erika will Frances die Tasche zurückbringen. Damit ist sie in den Fängen von Greta gelandet. Es ist ein Film darüber, unter Beibeziehung des am Ende schalkhaften Genres von Horror oder Moritat, wie ein Mensch in eine Abhängigkeit hineinrutschen kann und wie andererseits ein anderer Mensch sucht, das Vakuum der Einsamkeit mit einem anderen Menschen verfügender- oder besitzenderweise zu füllen, sowie über Menschen, die einem abhanden kommen.

Selbst wie Frances dahinter kommt, dass das mit der Tasche Methode hat, kann sie sich nicht mehr befreien und sinkt immer tiefer in die Abhängigkeit hinein.

Chopin ist das kulturelle Deckmäntelchen. Und die Ängste, aus einer Sache nicht mehr rauszukommen, werden konkret bildlich dargestellt.

Ein Horrorfilm der leichteren Sorte, der mit Unterstreichungen und Ausrufezeichen arbeitet, der das Genre nicht neu erfindet, nur lustvoll es zum einmaligen Gebrauch fachmännisch einsetzt. Anfangs täuscht der Film über seine wahre Absicht hinweg, er kommt erst wie eine ganz ordentlich-ordinäre Literaturverfilmung daher.

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