Hütet Euch vor den Sozialdemokraten!

Für Zwangssterilisation von Schwachsinnigen treten die heutigen Sozialdemokraten in Deutschland zwar nicht ein, aber sie sitzen in einer großen Koalition, die ohne mit der Wimper zu zucken in Zeiten der Nullzinspolitik der EZB, der Aussaugung der Sparer und der Mietpreisexplosion es Hausbesitzern ermöglicht, das Kapital für Haussanierung zu 8 Prozent (sic!) von den Mietern verzinsen zu lassen, Luxuszins für Immobilienbesitzer und gleichzeitig Befeuerung der Mietpreisexplosion. Allein dafür sollten die deutschen Sozialdemokraten vor Scham im Boden versinken.

Ihre Kollegen in Skandinavien haben noch bis in die frühen 60er Jahre eine Zwangssterilisierungspolitik verfolgt nach dem Motto, man sei nicht gegen Schwachsinnige, aber fortpflanzen sollen sie sich bittschön nicht.

Dieses beschämende Kapitel aus der skandinavischen Sozialdemokratie hat Jussi Adler-Olsen zum Thema gemacht –
nach Erlösung, Schändung und Erbarmen – seines neuen Falles für das inzwischen eingespielt und routiniert agierende Ermittlerduo Carl Morck (Nikolaj Lie Kaas) und Assad (Fares Fares), dass Drehbuchautor Nikolaij Arcel selbst eine Trennung ins Buch schreibt (und schnell 5 Minuten vor Trennung noch den brisanten Fall reinkommen lässt).

Sie arbeiten in der Abteilung Q, die sich älterer, ungelöster Fälle annimmt. Christoffer Boe inszeniert das fernsehroutiniert flüssig. Allerdings scheint mir, die Autoren wollen zuviel von dem Themenkomplex Zwangssterilisation reinpacken.

Sie fangen bei einem Mädchenheim auf der Insel Sprogo (hier gedeiht auch das Bilsenkraut) in den 60ern an und lassen den Hauptübeltäter Curd Wad bis heute weiterpraktizieren. Jetzt geht es darum, unerwünschte Volksteile, nämlich Migrantinnen zu sterilisieren, wenn sie den Wunsch nach in ihren Kreisen nicht geschätzter Abtreibung äußern. Hat den Vorteil, dass niemand was an die große Glocke hängt, selbst wenn es auffliegt, weil die Themen in den muslimischen Kreisen tabuisiert sind.

Es scheint mir so, dass der Drehbuchautor, da ihm ja inzwischen die Personenkonstellation geläufig ist, es kommt hinzu noch die früher etwas ungschickte Rose (Johanne Louise Schmidt) und dann der Polizeichef, der krimikonventionell den Bremser gibt, dass also der Drehbuchautor versucht, das enorme Material seines Stoffes in dieses Personen- und Storykonzept hineinzuzwängen; da fällt mir der Prokrustes ein. Denn auch Rose muss einen Heldenauftritt bekommen. Und so geschieht es auch.

Das Konstrukt kommt durch die Regie und die doch viele Information, die per Text und nicht per Handlung geliefert wird, als solches deutlich zur Geltung, was zumindest im Kino an der Spannung zehrt. Fürs Fernsehen mag es genügen. Auch der schier unfassbar grausliche Leichenfund gehört dazu (Mumien!) und eine vorerst unauffindbare Täterin. Aufgepumpt wird die vom Drehbuch her fehlende Dramatik mit massiver Schwellmusik. Befund: Fürs Kino ist die ehrenwerte Absicht, einen so enormen Themenkomplex in toto in das Konstrukt einer Krimiserie hineinzupacken, wenig hilfreich.

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