Archiv für 9. Mai 2019

Alles aus Europa. Wenig romantisches Familienbild aus Britannien. Buntes Familienbouquet aus Frankreich. Hollywoodkomiker in Britannien. Bildungsthema aus Deutschland. Schwedische Zwangssterilisation ins Krimiformat gepresst. Dreimal politisch Engagiertes aus Deutschland: Geheimdienstprobleme, Ehrenmord und Neonazis. Nicht aus Europa: ein Kung-Fu-Film aus China, ein Ethikversuch aus den USA und ebenfalls von dort haben sich Stoff- und ähnliche Tiere ins Kino verirrt wie auch das Remake eines Remakes. Im TV gabs eine Hupfdoku zum Alpenverein.

Kino
RAY & LIZ
Die Intensität der sozialen Verwahrlosung führt zu intensiven Bildern.

DAS FAMILIENFOTO
Macht die Großstadt die Menschen unglücklich?

STAN & OLLIE
Nach dem Ruhm in England tingeln.

CARABA LEBENOHNESCHULE
Agitprop für das Recht auf freie Bildung ohne Schulzwang.

VERACHTUNG
Nichts gegen Schwachsinnige, aber fortpflanzen sollen sie sich bittschön nicht.

DAS ENDE DER WAHRHEIT
Nicht allzuviel Wahrheit zum Thema „False Flags“.

NUR EINE FRAU
Wir müssen differenzieren, nicht alle kurdischen Muslime vertreten die Ehrenmordpraxis.

KLEINE GERMANEN
Ehrenhafte Absicht gegen die braune Brühe – wenig hilfreiches Resultat.

MASTER Z: THE IP MAN LEGACY
Legalisierte Triaden und ehrliche Kampfkunst.

ANYTHING
Womit Monsieur Claude in Frankreich kämpft: Lektion gegen Vorurteile.

POKEMON MEISTERDETEKTIV PIKACHU
Der Film beweist, dass Pokémons kein Stoff für Geschichten sind.

GLAM GIRLS: HINREISSEND VERDORBEN
Timingprobleme in der Realisierung eines gut durchdachten Buch.

TV
VON HÖHEN UND TIEFEN – 150 JAHRE DEUTSCHER ALPENVEREIN
Dokubienchen hält seinen Rüssel üerall kurz rein.

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Ein Remake vom Remake. Das Original stammt von 1964: „Zwei erfolgreiche Verführer“ mit Marlon Brando und David Niven, die Frauen verführten und ausnahmen.

Im ersten Remake von 1888 begeisterten Steve Martin und Michael Caine als „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ in der Regie von Frank Oz. Es geht um Betrüger, die Betrügern auf den Leim gehen und die ihren Sex als Verführungsmanöver einsetzen.

Und auch heute steht noch Stanley Shapiro als einer der Drehbuchautoren in den Credits. Regie führt dieses Mal Christ Addison. Die beiden Hauptrollen sind weiblich besetzt. Es sind zweifellos gute Darstellerinnen, Anna Hathaway als vamphafte Josephine und Rebel Wilson als die Filmdicke, die ihre Möpse schüttelt oder sich bei einer Verfolgungsjagd unentdeckbar tarnt, indem sie sich bäuchlings zu schwarzen Müllsäcken legt, von denen sich ihr Kleid nicht unterscheidet. Sie strahlt Herzlichkeit aus. Die beiden Diebinnen lernen sich in einem altvornehmen Luxuszugabteil in einem mondänen Zug in Richtung Côte d‘ Azur kennen.

Josephine ist in Beaumont sur Mere die Herrscherin der Trickbetrüger. Wilson kommt ihr in die Quere. Es kommt zur Zusammenarbeit und so weiter.

Das Buch ist gut durchdacht. In der aktuellen Regie von Chris Addison leiden allerdings Timing, Tempo und Temperament enorm. Es scheint, als hätte er sich die alten Filme vorgenommen, Szene für Szene und im Imitatverfahren gearbeitet mit einigen markanten Modernisierungen und auch Vereinfältigungen, einem doofen Scherz mit einem Keks, der erst ins Klo getunkt wird und den Wilson, die gerade eine Blinde mimt, kosten wird. Oder ein Muschelinhalt, der durch ein Damenkleid auf den Boden rutscht und dann wieder in der Muschel zum Einnehmen präsentiert wird.

Bis auf eine neue Wassersportart wirkt das Setting und die Vornehmheit des Mittelmeer-Reichenortes mit Casino wie Kino aus der Vergangenheit, ohne dessen Begeisterung für die damals moderne Lifestyle-Welt.

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Hier haben wohl die Pokemons die Herrschaft übernommen, obwohl angzeigt wird, dass ein Rob Letterman die Regie geführt habe nach dem Buch von Dan Hernandez, Benji Samit + 11. Vielleicht hat die Koordination nicht richtig funktioniert. Misunderstandings oder fehlende Kommunikaiotn.

Es gibt Versatzstücke aus Geschichtselementen. Ein Junge Jack (Karan Soni) der in der ersten Szene mit einem Freund auf einer Wiese versucht, ein Pokemon zu fangen. Jack spielt weiter im Film keine Rolle. Er wird mehrfach namentlich angesprochen. Sein Mitspieler nicht.

Dieser, das ist der, der den Pokemon fängt, stellt sich später als der Protagonist Tim (Justice Smith) heraus. Der hat Schuldgefühle, weil er nach dem Tod seiner Mutter nicht dem Vater nach Ryme gefolgt ist. Vater war dort bei der Polizei und ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Der Unfall wurde am Anfang gezeigt. Wobei später ein Hologramm die Szene anderes erzählt.

Tim fährt in die Stadt und lernt Pokemon Pikachu kennen. Das sei das Pokemon von seinem Vater.

Die Journalstin Lucy (Kathry Newton) erzählt Tim, er sei in einen Kriminalfall verwickelt, einen ganz großen. Standardsatz. Das hört sich plausibel an – weil es ein Standardsatz ist. So geht es mit ganz vielen Sätzen in diesem Bilderhaufen, der ein Film sein möchte.

Wie von einem Zufallsgenerator gemixt, tauchen darin die Teilelemente und Standardsätze um den grossen Kriminalfall und die Vater-Sohn-Beziehung immer wieder auf. Es gehe um ein Experiment, was sich verselbständigt hat.

Was ist überhaupt ein Pokemon und was hat es für eine Funktion für den Menschen. Ist das so etwas, wie ein Zehennagel, den man sich immer wieder schneiden muss, ein überflüssiger Auswuchs des Menschen, gar etwas wie ein „Pet“, ein Haustier, ein Stofftier? Das wird nicht so klar. Auch sind die sehr verschieden.

Ryme soll eine Stadt sein, in der Pokemons und Menschen friedlich zusammenleben. Es könnte London sein, Linksverkehr und ein Hochaus wie das berühmte Ei von Norman Foster. Wobei nie behauptet worden ist, Pokemons seien die natürlichen Feinde des Menschen.

Die Figuren bleiben so lebendig wie Frottiertücher. Sie scheinen Teile eines nicht richtig durchschaubaren und nicht richtig durchdachten Spieles zu sein. Beziehungen unter ihnen? Denkste.

Der Eindruck des Filmes ist der eines durcheinander geratenen Schaufensters mit vielen Pokemons oder der, dass in einer jener Vitrinen mit Stofftieren zum Angeln, die an Autobahnraststätten aufgestellt sind, ein Erdbeben eine an sich schon nicht vorhandene Ordnung noch durcheinandergebracht hat. Der Film wirkt aufdringlich und anstrengend, laut, nervig, mental verwirrt.

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Hütet Euch vor den Sozialdemokraten!

Für Zwangssterilisation von Schwachsinnigen treten die heutigen Sozialdemokraten in Deutschland zwar nicht ein, aber sie sitzen in einer großen Koalition, die ohne mit der Wimper zu zucken in Zeiten der Nullzinspolitik der EZB, der Aussaugung der Sparer und der Mietpreisexplosion es Hausbesitzern ermöglicht, das Kapital für Haussanierung zu 8 Prozent (sic!) von den Mietern verzinsen zu lassen, Luxuszins für Immobilienbesitzer und gleichzeitig Befeuerung der Mietpreisexplosion. Allein dafür sollten die deutschen Sozialdemokraten vor Scham im Boden versinken.

Ihre Kollegen in Skandinavien haben noch bis in die frühen 60er Jahre eine Zwangssterilisierungspolitik verfolgt nach dem Motto, man sei nicht gegen Schwachsinnige, aber fortpflanzen sollen sie sich bittschön nicht.

Dieses beschämende Kapitel aus der skandinavischen Sozialdemokratie hat Jussi Adler-Olsen zum Thema gemacht –
nach Erlösung, Schändung und Erbarmen – seines neuen Falles für das inzwischen eingespielt und routiniert agierende Ermittlerduo Carl Morck (Nikolaj Lie Kaas) und Assad (Fares Fares), dass Drehbuchautor Nikolaij Arcel selbst eine Trennung ins Buch schreibt (und schnell 5 Minuten vor Trennung noch den brisanten Fall reinkommen lässt).

Sie arbeiten in der Abteilung Q, die sich älterer, ungelöster Fälle annimmt. Christoffer Boe inszeniert das fernsehroutiniert flüssig. Allerdings scheint mir, die Autoren wollen zuviel von dem Themenkomplex Zwangssterilisation reinpacken.

Sie fangen bei einem Mädchenheim auf der Insel Sprogo (hier gedeiht auch das Bilsenkraut) in den 60ern an und lassen den Hauptübeltäter Curd Wad bis heute weiterpraktizieren. Jetzt geht es darum, unerwünschte Volksteile, nämlich Migrantinnen zu sterilisieren, wenn sie den Wunsch nach in ihren Kreisen nicht geschätzter Abtreibung äußern. Hat den Vorteil, dass niemand was an die große Glocke hängt, selbst wenn es auffliegt, weil die Themen in den muslimischen Kreisen tabuisiert sind.

Es scheint mir so, dass der Drehbuchautor, da ihm ja inzwischen die Personenkonstellation geläufig ist, es kommt hinzu noch die früher etwas ungschickte Rose (Johanne Louise Schmidt) und dann der Polizeichef, der krimikonventionell den Bremser gibt, dass also der Drehbuchautor versucht, das enorme Material seines Stoffes in dieses Personen- und Storykonzept hineinzuzwängen; da fällt mir der Prokrustes ein. Denn auch Rose muss einen Heldenauftritt bekommen. Und so geschieht es auch.

Das Konstrukt kommt durch die Regie und die doch viele Information, die per Text und nicht per Handlung geliefert wird, als solches deutlich zur Geltung, was zumindest im Kino an der Spannung zehrt. Fürs Fernsehen mag es genügen. Auch der schier unfassbar grausliche Leichenfund gehört dazu (Mumien!) und eine vorerst unauffindbare Täterin. Aufgepumpt wird die vom Drehbuch her fehlende Dramatik mit massiver Schwellmusik. Befund: Fürs Kino ist die ehrenwerte Absicht, einen so enormen Themenkomplex in toto in das Konstrukt einer Krimiserie hineinzupacken, wenig hilfreich.

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Eine vorbehaltlos, einfühlsam evokative Hommage an die beiden großen Stummfilmstars Stan Laurel und Oliver Hardy gestalten hier Regisseur Jon S. Baird (Drecksau) und Drehbuchautor Jeff Pope.

Nicht die Tortenschlachtenstars sehen sie in ihnen, sondern betonen die fast zärtlich-poetische Beziehung der beiden Künstler, die sich bei den Auftritten in schönen Tänzchen (nach Originalaufnahmen) zeigt in ihrem Tourneeleben in England 1953, was den Hauptteil des Filmes ausmacht.

Die Beiden reden auch privat miteinander so, wie man es aus den Filmen kennt, auf ganz unaufgeregt menschlicher Ebene und dieser gewissen Langsamkeit.

1953 war ihre große Zeit vorbei. Nicht jeder kennt sie mehr. Sie verdingen sich wie Tagelöhner mit Vorstellungen, anfangs in nicht besonders renommierten Theatern, die Plätze sind spärlich besetzt. Man möchte fast Mitleid mit ihnen bekommen.

John C. Reilly als Oliver Hardy und Steven Coogan als Stan Laurel machen das wunderbar, eine schier perfekte Maskenkunst trägt das ihre dazu bei.

Rufus Jones spielt den schmierigen Agenten in Reinkultur. Er hat die Idee, zur Belebung des Geschäftes, die beiden Mimen auch Promotions-Auftritte machen zu lassen. Das sieht erbarmungswürdig aus. Aber der Erfolg mit den Bühnenshows stellt sich allmählich ein. So dürfen auch die Frauen der beiden anreisen.

Ein Projekt, das immer im Gespräch ist, ist ein Film mit den beiden über Robin Hood, kommt aber nicht zustande. Im Moment, wo Oliver Hardy gesundheitliche Probleme bekommt, stellt sich für Stan Laurel die Frage, weitermachen mit neuem Partner nach dem Motto, jeder ist ersetzbar – oder nicht?

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Und immer wieder die Fliegen, diese Fliegen. Fliegen in einer Wohnung zeigen an, dass es hier Nahrung gibt für sie. Das heißt, dass hier zum einen Fliegen offenbar nicht getötet werden, also Respekt vor jeglichem Leben, vor der Kreatur, heißt aber auch gleichzeitig, dass nicht ständig sauber gemacht und mit scharfen Putzmitteln die Flächen gewischt werden.

Immer wieder kommen sie vor, die Fliegen, in diesem Erinnerungsfilm von Richard Billingham. Wobei es aus erzählökonomischen Gründen vollkommen reicht, jeweils einer Fliege, die groß im Bild ist, zuzuschauen; ein Film, der seine Substanz aus solch faszinierenden Details bezieht.

Das Bild ist im quadratischen Format gehalten, erinnert an die Hingabe von Super-8-Filmern und eine Fliege wirkt hier gar nicht verloren. Oder nicht weniger verloren, als die Menschen, die mit den Fliegen ihren Lebensraum teilen, eine einfache Wohnung in einem Sozialwohnhochhaus, es sind Menschen und Befindlichkeiten aus der eigenen Kindheit des Regisseurs und Drehbuchautors in den englischen Midlands, keiner besonders exotischen Gegend.

Vater hat seine Abfindung für den Jobverlust in Alkohol investiert, den er im Keller hortet (erst wohnt die Familie noch in einem einfachen Häuschen). Die korpulente Mutter verzettelt sich in Puzzles, Tierliebe kommt dazu, ein Hamster, ein Wellensittich, ein Hund. Die Tiere sollen wohl den Kreaturzustand spiegeln, in dem sich die Eltern, Ray (Patrick Romer) und Liz (Ella Smith), sehen.

Im späteren Zustand der Verwahrlosung führen die Eltern ein Kaninchen in einem Kinderwagen in einem Park spazieren, ihren jüngsten Sohn haben sie da schon aus den Augen verloren, der übernachtet auswärts, wird durchkühlt gefunden, soll in ein Kinderheim. Er ist den Eltern mit dem Kinderwagen im Park begegnet. Die kurze Unterhaltung lässt nicht darauf schließen, dass es sich um eine Familie handelt, sie wirkt wie die zwischen fernen Bekannten. In ihren leeren Tagen in der Hochhauswohnung ist den Eltern der Blick und das Bewusstsein für die Erziehung des Buben abhanden gekommen.

Der Film von Richard Billingham bezieht seine berührende und fesselnde Intensität aus der minutiösen Rekonstruktion der Erinnerung an seine Kindheit. Es sind filmische Miniaturen, die nahen Blicke, die die Details in den engen, vollgestopften Räumen groß machen und so mit jeder Einstellung etwas über das Leben dieser Menschen berichten, wie Ray in seinen alten Tagen das dunkle Selbstgebraute in eine Glas schenkt und es zum Mund führt.

Kinderstreiche, ziemlich heftige, werden auch erinnernd erzählt, was der Untermieter dem wabbligen Onkel für einen Streich spielt und was der Alkohol mit diesem anstellt, da fehlen zum Horror- oder Trashmovie nur wenige Bilder.

Die Kamera entdeckt die Ausstattung als Kunstwerk von eigener Gemäldehaftigkeit, als ein Storyteller erster Güte, die Tapeten, das Bettzeugs, die Bilder an den Wänden (von Naturidylle bis zu Leoparden), die flirrende Beziehung zwischen dem Blumenmuster der Bluse von Liz und den bunten Puzzleteilen vor ihr, der ganz kleine Bruder, wie er auf Klötzchen rumhämmert und nervt.

Der Film wechselt in den Episoden dieses Familienlebens, das kein Familienleben ist, hin und her, geht vor bis zu dem Zeitpunkt, an dem Ray allein in der Hochhauswohnung lebt, Liz hat ihn verlassen, aber der gutmütige Sid (Richard Ashton) versorgt Ray, der sich praktisch nicht mehr aus dem Bett hinausbewegt mit der nötigen Flüssigkeit in Form eines selbstgebrauten dunklen Bieres. Sid sieht aus wie Jesus und holt auch die Stütze für Ray, besorgt die notwendigen Zahlungen.

Die hohe Authentizität verdankt der Film auch einer exzellenten Auswahl von Schauspielern und der präzisen Arbeit des Regisseurs mit ihnen nebst der ureigenen Geschichte, die die Ausstattung über diese Menschen erzählt. Verblüffende Stimmigkeit in der Relation von Story und Bild.

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Dieser Film, der von der ehrenwerten Sandra Maischberger produziert wurde (Drehbuch: Florian Oeller, Regie: Sherry Hormann), ist ein engagiert öffentlich-rechtliches (RBB federführend, NDR, SWR, HR, WDR) Votum gegen die kurdische Ehrenmordpraxis in Deutschland, die, was den vorliegenden Fall betrifft, bei uns noch bis mindestens 2005 ausgeübt wurde.

Dabei handelt es sich nur um eine kurdische Islamvariante, die das fordert. Welche, wird nicht weiter spezifiziert. Es gibt lediglich eine Vertreterin einer anderen, offeneren kurdischen Islamrichtung in Deutschland, das ist Dilber (Idil Üner), eine emanzipierte Frau und Mutter, die einen Reinigungsbetrieb als selbstbewusste Chefin leitet.

Ausgerechnet ihre Tochter Evin (Lara Aylin Winkler) gerät an den Ehrenmörder, den jüngsten Sproß der kinderreichen Täterfamilie (einzige Backgroundinformation: Herkunft aus Ostanatolien), Sinan (Mehmet Atesci), der seine „sündige“ Schwester Aynur (Almila Bagriacik) auf offener Strasse in Berlin niederschießt. Sie hat sich erlaubt, als Schwangere aus der Zwangsheirat in Istanbul auszubrechen, nach Berlin zurückzukehren. Sie wollte bei ihrer Familie bleiben. Die mögen die Schande der Familie nicht bei sich haben.

Aynur entwickelt sich zur selbständigen, jungen Mutter ohne Kopftuch, die mit ihrem Sohn in einer Wohnung lebt, eine Lehre als Elektroinstallateurin macht und das Leben genießt. Trotzdem hängt sie an ihrer Familie und sucht immer wieder den Kontakt trotz ständiger Drohungen und Beschimpfungen durch einige ihrer Brüder.

Sie hat sich schon entschieden, aus Berlin wegzuziehen, aber drei Wochen vorher wird sie getötet. Im Film erzählt sie ihre Geschichte weiter. Der Film selbst schwankt zwischen, bedröppelndem Moralfilm, subjektiver Leidensgeschichte und einem, allerdings flüchtigen, aber spannenden Gerichtsdrama gegen den Schluss hin.

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Das Kino als Bühne für Kampfkunst,

tief moralisch und mit ein Paar Spritzern chinesischen Nationalismus‘ parfümiert. Denn der britische Statthalter der Kronkolonie Hongkong ist eine fiese, dumpfe, durch und durch kriminalisierte Nummer. Das piekst dann doch trotz Brexit den Europäer in einem.

Moralisch sind auch manche Kämpfer und Gangbosse. Der Protagonist Cheung Tin Chi (Max Zhang), der ein Wing-Chun-Meister war, hört auf zu kämpfen, nachdem er gegen IP Man einen Fehler gemacht hat. Er zieht sich zurück in eine wunderbare Filmstudio-Ladenstraße und möchte mit seiner kleinen Bude und seinem Sohn ein ruhiges Leben führen.

Auch die Clanchefin Kwan (Michelle Yeoh) ist eine Geläuterte. Sie will ihren Clan legalisieren – wobei sich die berechtigte Frage stellt, wie die noch Geld verdienen wollen.

Ihr jüngerer Bruder Kit (Kevin Cheng) – und vielleicht deshalb moralisch nicht so gut geraten – bringt die Pläne durcheinander. Er fängt in der hübschen Studioladenstraße an, mit Heroin zu dealen. Das rührt den abgelegten Kampfgeist und das Ehrgefühl in Tin Cheung Tin Chi und führt zu den dramatischen Entwicklungen im Film, die immer wieder neue Kampfsituationen ergeben.

Die Räume sind stets so eingerichtet, dass einiges zu Bruch gehen kann. Die Gegner sehen oft nach physischer Überlegenheit aus oder der gute Kämpfer muss in Eisenfesseln sich wehren. Die Guten wie die Bösen scharen beide Unterstützer um sich. Und dass das Gute siegt und sich diese Moral auch auf den Nachwuchs überträgt, ist weiter nicht verwunderlich, sonst könnte einem beim Verlassen des Kinos unbehaglich werden.

Das Brillante an diesem Film von Woo-Ping Yuen nach dem Drehbuch von Edmond Wong und Chan Tai Lee sind die Kampf-Szenen nach Kung Fu. Sie sind so reell wie möglich inszeniert. Sie erwecken nicht den Eindruck von zarten Händen, die das alles am Computer generieren. Sie sind eine Show, gerne am Rande eines phänomenalen Tanzes, nie besonders blutig, auch wenn mal ein Arm dran glauben muss, aber mit so klarem scharfem Schnitt, dass die Requisite sich nicht weiter um Blutersatz kümmern muss.

Angenehm ist auch, dass nicht mit wilder Wackelkamera versucht wird, Kampfauthentizität herzustellen. Der Gebrauch von Feuerwaffen hält sich in engen Grenzen.

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Unangenehme Brühe.

In der braunen Sauce. Da muss man erst klären, was genau Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger in ihrem Film wie erzählen.

Es gibt den Strang ’nach einer wahren Geschichte‘. Den erzählt Elsa. Sie ist von ihrem Opa, einem strammen SS-ler, schon als kleines Mädchen indoktriniert, „abgerichtet“ worden. Sie hat sich sogar die 88 auf den Unterarm tätowieren lassen. Sie hat Thorsten geheiratet, einen, der Asylanten verprügelt und seine Frau und Kinder grob behandelt. Unglücklicherweise hat das zweite Kind eine Behinderung. Das ist in der rechten Ideologie nicht vorgesehen. Thorsten muss in den Knast. In der Zwischenzeit bringt Elsa die Familie über die Runden mit einem – ideologisch nicht erkennbaren – Hofladen.

Wie Thor zurückkommt, eskalieren die Auseinandersetzungen (das Mädchen hat Klaviertalent und spielt Mendelssohn, einen jüdischen Komponisten). Daraufhin setzt sich die Mutter mit den Kindern ab. Fortan wird sie verfolgt von ihrem Ex und seinen Kumpanen. Ständig muss sie Wohnort und Identität wechseln. Aber die Sozialversicherungsnummer ist verräterisch.

Es ist ein Drama, das ab 1974 erzählt wird bis in unsere Zeit hinein. Die Filmemacher verwenden dazu das Motion Capture Verfahren. Reale Schauspieler spielen die Szenen. Diese werden mit Kolorierung und Übermalung verfremdet und darüber werden noch professionell-routinierte Sprecherstimmen gelegt.

Die Verfremdung wird weiter getrieben durch eine nervöse und farblich wenig ansprechende Übermalung. Anfangs gibt es – das ist immer das Spannendste – Archivfootage von Elsa als Kind mit ihrem Opa.

In diese Originalgeschichte hineingeflochten sind eine ganze Menge Statements von Forschern, Fachleuten, Vertretern einer Aussteigerorganisation, Aussteigern, rechten Aktivisten wie Journalisten, Verlegern. Die rechten Aktivisten – die Regisseure wenden auch hier ein leicht verfremdendes Verfahren an, indem sie zu den Interviewstimmen abwechselnd die Sprecher nur ruhig sitzend und dann wieder direkt sprechend zeigen – diese rechten Aktivisten stellen die Punkte ihrer Ideologie heraus, die problemlos Zustimmung finden können, Werte wie Treue, Aufrichtigkeit, Haltung, Rückgrat, der christliche Rahmen.

Dadurch wird es vor allem ein Statement-Film, irgendwie unappetitlich, vermutlich am ehesten geeignet als Grundlage für anschließende Diskussionen in Schulen, politischen Gruppen etc. Wobei bei mir das Gefühl der unangenehmen Brühe stärker ist als der Impuls, mich mit dem Thema zu beschäftigen, gar neue Erkenntnisse zu gewinnen. Vor allem weil der Hauptübeltäter Thor, so ungebildet wirkt, so dumm, nur hasserfüllt.

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Wie der Titel sagt,
ein Familienfoto, mehr noch: eine Familienaufstellung.

Familie kann ein verzweigtes Ding sein. Und nicht nur glücklich. Glücklich waren die drei Geschwister Gabrielle (Vanessa Paradis), Elsa (Camille Cottin) und Mao (Pierre Deladonchamps), wenn sie im Sommer bei Oma in St. Justin auf dem Lande waren. Vielleicht also auch ein Stadt-Land-Film und die Verkommentheit, Kaputtheit von Familie in der Stadt.

Heute ist Oma senil und möchte in St. Justin sterben. Pierre (Jean-Pierre Bacri), der war kein vorbildlicher Vater der drei Kinder. Mit seiner neuen Geliebten erwartet er wieder ein Kind. Enkel Solal (Jean Aviat) möchte lieber beim Vater leben als bei Mutter Gabrielle, die er nicht ernstnehmen kann, denn sie lebt davon, als immobile, golden bemalte und gekleidete Mariannen-Skulptur, also als Straßenkünstlerin, ihr Geld zu verdienen.

Sohn Mao ist nicht glücklich, geht regelmäßig zur Psychiatrin, macht den Vater verantwortlich, lebt mit dem Kollegen Stéphane (Mar Ruchmann) zusammen, der alsbald Gabrielle verführen wird, wie sie nämlich, um wiederum ihren Sohn für sich zu gewinnen, sich überreden lässt, in der Firma ihres Bruders Mao als Telefonistin zu arbeiten.

Mao hat sich selbst früh schon als derjenige gesehen, der unter die Räder kam in dieser Familie. Er ist ein Internet-Freak, ziemlich gut gezeichnet, dieser beziehungsschwierige Mensch, der bei der Entwicklung von Computerspielen ein Star ist.

Schwester Elsa mit der etwas spitzeren Nase, gerne auch „Drache“ genannt, hat die nervigsten Jobs, harkt mit Immigranten im Garten. Sie ist mit Tom zusammen (Laurent Capelluto), der aussieht wie Mr. Bean.

Für die Familie stellt sich das Problem mit Oma, wo sie unterbringen. Irgendwie ist das für alle Kinder schwierig.

Cécilia Rouaud stellt in ihrem Film einen dichten, bunten Fleckerlteppich ganz nah am Leben dieser Familie her; vermittelt lebhaft den Eindruck dieser Unbehaustheit einerseits, des Aufeinanderangwiesenseins andererseits; auch dass sie das Glück der Kindheit nicht ganz vergessen haben.

Und man kann in diesem Film etwas über das Baryzentrum lernen, was es in der Psychologie zu suchen hat.

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