Gesundheits- und Krankheitspflegende,

sind die Berufe, um die es in dieser knackigen Dokumentation von Nicolas Philibert geht.

In Deutschland sind die Pflegeberuf im Gezerre der Politik in ein schlechtes Bild geraten. Das ist hässlich.

Philibert nötigt dem Zuschauer den höchsten Respekt vor diesen Berufen ab, indem er Auszubildende der Pflegeschule von Croix-Saint-Simon in Montreuil über die Stufen Theorie, Praktikum und Praktikumsnachbesprechung verfolgt. Ohne jeden geschwätzigen Kommentar, ohne dümmliche Statements und mit schonendster Behandlung von ganz wenig Beifang zwischendrin, einmal ein Blick aus einem Zimmer auf die Umgegbung, einmal ein Blick in ein Rollstuhllager. Zur Entspannung. Denn sowohl der Dokumentarist als auch die Auszubildenden sind hoch konzentriert dabei.

Die Ausbildung ist vielfältig und anpsruchsvoll. So dass ab und an vor lauter Konzentration bei einem kleinen Fehler plötzlich Gelächter ausbricht. Sie nehmen es ernst, aber nicht tierisch ernst.

Für die schulische Phase der Ausbildung hat Philibert sich einige typische Situationen herausgepickt. Nebst Theorie müssen sie an Übungspuppen erste Versuche unternehmen im Spritzen- und Infusionenstecken, Verbandabnahme oder Sterilbehandlung, Wundversorgung, Herzmassage oder gar Geburtshilfe. Oder sie lernen, wie man einen Patienten, der an einem Bein lahm ist, aus dem Bett nimmt und in den Rollstuhl setzt.

Sie bekommen ethischen Unterricht, denn gerade diese Anforderungen sind streng, dass sie alle Patienten gleich behandeln müssen ohne Ansehen von Person, Hautfarbe, Geschlecht, Religion, auch ohne Ansehen des gesundheitlichen und ästhetischen Zustandes – die „professionelle Unabhängigkeit“, die auch die Annahme von Bestechung nicht gestattet. Ein Problem kann es werden, das wird in der Nachbearbeitung angesprochen, wenn ein Pfleger vom Patienten nicht akzeptiert wird.

Im Praktikum müssen sich die Auszubildenden auf verschiedenen Stationen bewähren, in der Psychiatrie, in der Chirurgie, Intensiv- oder auch Palliativstation. Man möchte nicht bei jedem Studenten der erste sein, dem Blut abgezapft oder eine Infusion gelegt wird. Diese Versuche zeitigen Bildmaterial aus dem Leben, die Patienten nehmen es unterschiedlich auf, einer bezeichnet sich selbst, als das, was er ist, als Versuchskaninchen.

Der dialoglastigere Teil, aber insofern auch der informativste, ist der dritte Teil mit den Nachbesprechungen zu den Praktika, was war gut, was ist schief gelaufen.

Manche haben Pech und landen in einer Abteilung, in der die Stimmung nicht gut ist oder in welcher die Chefs wenig Verständnis für Praktikanten haben. Andere wiederum möchten noch viel mehr kennenlernen.

Dem Praktikanten aus der Psychiatrie tut der Abschied weh, weil er zu den Patienten ein persönliches Verhältnis aufgebaut hat und sich mies vorkommt, dass er diese jetzt im Stich lässt.

Der Film bietet auch einen präzisen Einblick in die Diversität der französischen Gesellschaft mit einer bunten Vielfalt an religiösen und sprachlichen Hintergründen. So ist es von Vorteil, wenn eine algerienstämmige Französin mit Patienten arabisch sprechen kann, während es vielleicht andere beim Pflegepersonal oder bei den Ärzten nicht können. So ist denn Dolmetschen angesagt und selbstverständlich. Schwierig kann es bei Sinti werden oder wenn einer aus Pakistan kommt. Schwer vorstellbar, dass die deutschen Ressentimentkultur und deren Subventionskino eine so glasklare und spannende Dokumentation über ein so diffiziles Thema und eine gesellschaftliche Wunde zugleich, hervorbringen kann.

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