Archiv für April 2019

Schräg an dieser Doku von Thomas Reider, der mit Peter Beringer auch das Buch geschrieben hat, ist, dass sie aus ihrem eigenen Spielfilm zum selben Thema (Das Wunder von Wörgl), Material nehmen und in die Dokumentation einfügen, als ob sie damit die Korrektheit ihrer Recherchen beweisen wollen. Aber es behauptet ja niemand, hier würde wissenschaftlich gearbeitet.

Hier wird typisch TV-gekuddelmuddelt. Da ist Taugliches drin. Da zeigt sich aber auch in seinen Clips der Spielfilm als schaler Abklatsch von Originalaufnahmen. Da zeigt sich, dass Karl Markovics die Rolle des Guggenberg wohl kaum studiert haben dürfte. Denn dieser war ein denkender Mann mit wachen, sinnlich-weichen Augen, ohne jeden Anflug von Ressentiment.

Während Markovics sich für diese Figur seines Erfolgsrezeptes bedient, der Typ, der zum Vornherein sich benachteiligt und ungerecht behandelt fühlt und somit aus Ressentiment heraus agiert; handelt das Original aus geistiger Klarheit heraus.

Das sind die faszinierenden Dinge in dieser Dokumentation: (einmal mehr) die Archivaufnahmen aus den 30ern. Und vor allem die Tochter von Guggenberg, die erzählt. Sie scheint die geistige Klarheit ihres Vater geerbt zu haben und ist authentischer als jede Spielfilm-Szene. Der Dokumentarist derbleckt sich selbst als Spielfilm-Autor mit dieser Dokumentation.

Und sowieso: Was Ökonomen nicht in Tausend Büchern können, nämlich die Wirkweise von Geld schlüssig erklären, kann ein kleiner Fernsehfilm in 90 Minuten (mit Sozialschleim dazwischengemischt) nicht leisten.

Strohfeuer: Erstrundeneffekt.

Thema: komplementäre Währungen und Schwundgeld.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Gut gemeint.

Verschiedene Fernsehredaktionen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol wollten einen Film machen zum Thema Lokalwährungen und deren stimulierenden Einfluss auf die regionale Wirtschaft am historischen Beispiel von Wörgl aus den frühen 30er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Mit dem Drehbuch haben sie Thomas Reider beauftragt, mit der Regie Urs Egger betreut.

Herausgekommen ist ein Film, der als emotionale Quintessenz zeigt, wie ein mutiger Bürgermeister (Karl Markovics als Michael Unterguggenberger) vom Staat bestraft wird für eine Tat, die seinem Ort den Aufschwung bringt. Bedröppelung über eine ungerechte Staatsmacht. Denn mit den „Arbeitsbestätigungsscheinen“, die eine Erfindung von Stawa (Harald Windisch) sind, beginnt das unter Armut und Elend leidende Wörgl eine plötzliche (Strohfeuer?)-Blüte.

Das Interesse der internationalen Presse verleiht dem Aufschwung zusätzlichen Schub. Von Wien aus wird das misstrauisch beobachtet und mittels eines Gerichtsverfahrens zu Fall gebracht.

Da die Fernsehredaktionen sich dem ökonomischen Bildungshunger der Bürger verpflichtet fühlen, wollen sie dem Publikum auch das Modell von Silvio Gesell („Die natürliche Wirtschaftsordnung“) näherbringen – das erfährt durch neuere ökonomische Studien zum Thema Schwundgeld Aktualität.

Dadurch ist ein Film entstanden, der wohl als Power-Point-Präsentation verständlicher wäre und besser funktionieren würde.

Hier sind um die ökonomischen Fakten herum Menschen konstruiert worden, die die Präsentation illustrieren sollen, keine Menschen mit Konflikten, sondern Präsentationsschablonen. Wobei Markovics mit seiner Routine des Typen, der sich immer zu Unrecht angegriffen fühlt, für einen bestimmten Level an Emotionalität steht. Diese trägt allerdings nichts zum Verständnis der ökonomischen Theorie bei. Gerade mal der Satz, dass Geld eine Verabredung sei, der bleibt vielleicht hängen, wenn der Film zu später Stunde über die Bildschirme dümpelt.

So dürfte der Film zur Folge haben, dass die Fernsehredakteure sich selbstzufrieden auf die Schultern klopfen mit der Behauptung, sie hätten zur Popularisierung der Gesellschen Theorie beigetragen; er dürfte aber nicht ausreichen, um dem Publikum diese plausibel zu vermitteln und damit dem demokratischen Grundauftrag eines zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Fernsehens gerecht zu werden. Zumal die Schauspieler sich mit stereotypen Routinen über die wenig spannenden Texte retten.

Aber sicher: ein Glanzstück fürs Ortsmuseum von Wörgl.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Ein deutscher Kinomeister baut einem brasilianischen Meisterfotografen eine topnotch filmische Vitrine. Siehe Review von stefe.

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Kulinarisches Bildungsfernsehen, das durch den Brand von Notre Dame in Paris unerwartete Aktualität gewinnt hinsichtlich Einblicks in den Werdegang der abendländisch-christlichen Kultur und warum sie für uns von Belang ist, auch wenn wir weder kirchlich noch religiös sind.

Der Film von Alessandro Melazzini pickt sich einige herausragende Beispiele des Klosterbaus der Zisterzienser in Italien heraus, teils in Betrieb, teils Ruinen. Die Drohnenaufnahmen setzen besonders schön die Architektur folgender italienischer Zisterzienserklöster ins Bild, von innen wie von außen:
Chiaravalle Milanese bei Mailand
San Galgano bei Siena
Tre Fontane bei Rom
Kloster Casamari
und Fossanova.

Es gibt Rosetten zu sehen.

Die Dokumentation berichtet von der Gastfreundlichkeit der Zisterzienser, von der Ruhe in den Klöstern, den Oasen des Friedens und vom Prinzip des Arbeitens als auch des Betens, davon, dass die Mönche für den Bau der Klöster gerne Land urbar gemacht haben (und auch in Interaktion mit den Städten traten), wie sich die Strenge der ursprünglichen Zisterzienser in Frankreich in Italien der italienischen Mentalität angepasst habe, bunter geworden sei, auch Gemälde an der Wand duldete.

Bemerkenswerter Satz eines Interviewpartners: „Damals gab es vielleicht mehr Europa als jetzt, wo wir offene Grenzen haben“. Und über die Zisterzienser heißt es, dass sie ein europäisches Netzwerk des Glaubens und der Macht errichtet hätten. Womit wir mitten im heutigen europäischen Disput und damit auch mitten in den Europawahlen wären.

Hier geht’s direkt zum Film.

Zwischen den berauschenden Architekturaufnahmen gibt’s immer wieder angenehm kurze Infos und Erklärungen von Fachleuten, Wissenschaftlern, Kunst- und Kirchenhistorikern.

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Vorösterliche Unaufgeregtheit. Deutsches Märchen für den Weltmarkt. Britisch Sagenhaftes zum Brexit. Deutsches für Deutschland. New Yorker Großkünstler streckt sich nach Van Gogh. Deutsche, die den Ausbruch wagen. Ein Russe, der nach deutschem Filmfördergeld schielt. Und ein Ami, der in einem Swimming-Pool voll heiligen Wassers Horror produziert. Im TV haben sie weiter Zwangsgebührengelder verlümmelt.

Kino
DIE SAGENHAFTEN VIER
Quasi die Bremer Stadtmusikanten, die in eine Kunstraubgeschichte verwickelt werden.

WENN DU KÖNIG WÄRST
dann würdest du dich für die Einheit Britanniens einsetzen und dich an den Ehrenkodex halten.

DER FALL COLLINI
Roman-Verfilmung zum Thema Dreher-Gesetz.

VAN GOGH – AN DER SCHWELLE ZUR EWIGKEIT – AT ETERNITY’S GATE
Erfolg und Kasse in der Kunst sind eine relative und eine Angelegenheit des Zeitraumes.

ZWEI FAMILIEN AUF WELTREISE
Zelte in Deutschland abbrechen, mit Kind und Kegel ein Jahr nach Ostasien. Gleich zwei Familien haben das gemacht und selbst fotografiert.

AYKA
Armes kirgisisches Mädchen ausgebeutet in Moskau.

LLORONAS FLUCH
Der Fluch des dünnen Drehbuchs.

TV
DIE AKTE LANSING (Folgen 4 – 6)
Diesen TV-Menschen ist nicht klar, wo ihre Gage herkommt, dass einkommensschwache Haushalte sie sich teils vom Mund absparen müssen.

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Ein Swimmingpool voll heiligen Wassers.

Fluch um des Fluches willen, um des Fluch-Filmes willen, das scheint das Motto der Drehbuchautoren Mikki Daughtry und Tobias Iaconis und des Regisseurs Michael Chaves gewesen zu sein.

Ein dünne Story prall dicht angereichert mit altbekannten Horrorelementen beginnend mit den Kamerapositionen, dem elektrischen Licht, was einen Wackelkontakt hat, mit einem regelrechten Gespenst, mit Narben am Unterarm, mit einer Vorgeschichte über 300 Jahre vorher, Türen die plötzlich aufgehen, Klopfgeräusche, Exorzismus mit Eiern und vieles mehr aus dem konventionellen Horrorbaukasten.

Das Thema sind von der Mutter verstoßene, ermordete Kinder. Abgelehnte Mutterschaft und dass sich das auf dem Nährboden des Katholizismus ohne Exorzismus über die Jahrhunderte wie ein Virus auf neue Gastgeber überträgt.

Im Film ist es eine Polizeibeamtin aus L.A. die selber zwei Kinder hat. Sie wird zu einem Fall möglicher Kindsmisshandlung gerufen. Die Rabenmutter hat ihre zwei verängstigten Kinder in ein Kämmerchen gesperrt. Sie werden in ein katholisches Heim gebracht. Das schützt sie nicht vor dem Fluch. Am nächsten Morgen sind sie tot.

Und der Fluch springt munter auf die Polizistin mit den zwei Kindern über. Jetzt ist der Pfaff gefragt mit seinen katholischen Künsten.

Und da ich noch nie jemanden über Schauspieler in so einem Horrorfilm habe sagen hören, die Schauspieler seien gut (auch nicht das Gegenteil, generell interessiert die Schauspielerei hier nicht), so braucht man die Namen der verhexten Darsteller ja auch nicht erwähnen, wer weiß, vielleicht lenkt man womöglich noch den Fluch auf sie. Gott bewahre sie davor, eher sollen sie in den Swimming-Pool voll heiligen Wassers springen – aber erst nach dem Kampf mit dem Gespenst, wenn der Pfarrer sein Pulver reingestreut hat. Ein Amulett ist immer gut, kann aber auch Geister anziehen. Und warum sind Kinder in Horrorfilmen so oft im Pyjama?

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Dieser Film von Joe Cornish macht eine interessante – brexitbedingte – Wendung durch.

Er fängt heiß und begeistert von der Artus-Sage zu erzählen an. Die Kamera fiebert mit. König Artus, das Schwert Excalibur, die Ritter der Tafelrunde und die rachsüchtige Halbschwester Morgana, die schönen Magierin, die sich noch melden würde. Ein schönes Warm-up für eine spannende Geschichte.

Dann wendet sich der Film dem heutigen England zu. Sein Protagonist wird der vaterlose Bub Alex (Louis Ashbourne Serkis). Er kommt in der Schule dazu, wie sein Schulwegfreund Bedders (Dean Chaumoo) von den Tonangebern auf dem Schulhof gemobbt wird. Er setzt sich für ihn ein, für ihn setzt das Schürfwunden im Gesicht. Aber er verpfeift die Übeltäter nicht.

Die Schulhofkings wollen Alex weiter bestrafen. Er entkommt ihnen durch eine Plakatwand mit dem Text „Start your Story“. Hinter der Bauwand befindet sich eine Ruine. In einem Stein steckt ein Schwert. Alex kann es herausziehen. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Hexe Morgana ihr Rachecomback vorbereitet. Alex hat seinen Anknüpfpunkt zur Artus-Geschichte gefunden.

Schön führt diese zur Gründung von Alex‘ Tafelrunde, wie er seine stärksten Gegner vom Schulhof einbindet und zu Rittern schlägt; das sind Lance (Tom Taylor) und Kaye (Rhianna Dorris). Als Mittlerfigur zur Sagenwelt fungiert der junge Merlin (Angus Imrie), der mittels einer Hand-und Armpantomime sich in eine Eule verwandeln kann.

Auch die Regeln, an die die Ritter sich zu halten haben, werden ordentlich erklärt. Es folgt die Info von der Sonnenfinsternis. Und schon macht sich die Ritterrunde auf den Weg im Überlandbus zum Kampf mit Morgana nach Stonehege. Und wenn sie erschöpft zurückkehren von dieser Abenteuerreise, so ist der Film noch nicht zu Ende.

Dem aufmerksamen Zuschauer sind gewisse Hinweise auf die aktuelle Situation in England, die von Tag zu Tag dramatischer wird, nicht entgangen. Dem Filmemacher dürfte nach den ersten Kämpfen mit den Reitern der Apokalypse, also diesen Feuerreitern, getagt haben, dass sie doch auch einen Film über den Brexit machen, dass sie die fehlende Einheit anmahnen möchten.

So besinnt sich Joe Cornish darauf, dass auch Legenden immer wieder umgeschrieben werden müssen; heute muss die Social-Media Welt mit hinein. Er lässt den Jungen im angepassten Artus-Buch blättern. Schlägt ein neues Kapitel auf. Denn er hat seine Ritter belogen, das ist gegen den Ehrenkodex der Ritter, und Morgana ist nicht besiegt.

Ab jetzt scheint der Film sich in der Physik von Politik und Alltag zu verfangen. Immer und immer wieder werden die Regeln und die Ritterrunde erklärt, die Einbindung der Gegner zur Einheit. Der Abwehrkampf wird auf die ganze Dunga-Academy ausgedehnt.

Es scheint, als folge der Film selbst einem Fahrplan und wolle diesen abarbeiten. Vielleicht war zu wenig Geld da. Die Computeranimationen von Morgana wirken fahrig, die Kampfvorgänge haben wenig Plausbilität, sind nur flüchtig skizziert, wenig greifbar. So entsteht der Eindruck, dass der Film sich in die Länge zieht. Auf die täglich neuen Entwicklungen beim Brexit kann er sowieso nicht mehr eingehen, da er ja festgefroren ist am Zeitpunkt seiner Fertigstellung.

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Modernes Lebensgefühl – selfmade.

Das kanns doch nicht gewesen sein, Schule, Beruf, Liebe, Familie, Sesshaftigkeit bis zur Rente. Das Leben muss mehr bieten. Leben wir überhaupt?

Solche Erkenntnisse und Fragen lösten bei zwei Paaren den Wunsch aus, ihre Zelte in Deutschland abzubrechen und loszuziehen in die Welt hinaus.

Bei Benedict Durchholz, der zehn Jahre auf einer Bank gearbeitet hat, war es ein Blitzgedanke. Dann zog er mit seiner schwangeren Frau Sandhya los. Die beiden haben von Anfang an ihre Reise auf Youtube dokumentiert und auch mitfinanziert. Nach der Reise ist vor der Reise und Sandhya überlegt, eine Art Community zu gründen.

Hanne Marie und Thor Braarvig haben bereits vier Kinder, teils im Schulalter. Da Thor als Übersetzer arbeitet, muss er nicht unbedingt in Dortmund wohnen. Sie befreien sich vom Ballast, verkaufen das Haus und ziehen los. Ihre Reisewebsite. Zuerst zu den Eltern von Hanne Marie in Norwegen.

Dort in Norwegen werden am Ende der Reise die Durchholzens die Braarvigs besuchen und auf einem Sofa vor einer grau gestrichenen, holzgetäfelten Wand von der Reisen berichten.

Überwiegend läuft über den Erzählungen das Videomaterial, das sie auf den ergebnisoffenen Reisen aufgenommen haben. Das ist richtig schön Selbstdokumaterial im privaten Sinne. Und speziell bei den Durcholzens auch selbstreflektiv, da sie alle zwei Tage einen Clip auf Youtube stellten.

Die beiden Reisen sind unabhängig voneinander zustandegekommen. Nur dadurch, dass sie sich – auf Bali, wenn ich das richtig mitbekommen habe – kennengelernt hatten, gibt es einen Verbindungspunkt.

Gemeinsam ist allerdings beiden Familien die Motivation, der radikale Schnitt zum bisherigen Leben, wobei Thor weiter als Übersetzer arbeitet und sich zwischenzeitlich für einige Tage von der Familie abseilt.

Gemeinsam ist beiden Famiilien auch die Asiensehnsucht und die Sehnsucht nach dem Leben am Meer, unter Palmen, in der Natur, die Sehnsucht nach einem wenig reglementierten Leben und einer Offenheit, am Morgen nicht zu wissen, was am Abend ist. Kein strammer Karrierismus. Etwas Sinnvolles tun.

Und dann die Erkenntnis, dass sich immer eine Lösung findet, dass das Reisen selbst ein Entwicklungsprozess ist, dass man dieses Loslassen, dieses Nichtplanen erst lernen muss und dass Reisen nur den Sehenswürdigkeiten nach schnell ermüdend werden kann, dass es Phasen des längeren Aufenthaltes an einem Ort braucht.

In der Sehnsucht nach dieser Art zu Reisen, nach der Bereitschaft, dabei über sich und das Leben etwas zu lernen, über die Wichtigkeiten, dürften sie prototypisch für einen Teil ihrer Generation stehen. Das hat zumindest schon der enorme Erfolg des Filmes Weit gezeigt.

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Der Niklaus fliegt tief.

Ein unterhaltsamer Kinderkrimi, locker aufgebaut auf den Bremer Stadtmusikanten präsentieren als fröhliche Animation Christoph Lauenstein und Wolfgang Lauenstein (Luis und die Aliens).

Sie haben diesen deutschen Film für den internationalen Markt entwickelt. Die Ortschaft, in der der Kunstraub stattfindet, heißt „Drabville“. auf der Polizeistation steht „Police“ und der internationale Titel lautet „Marnies Welt“. Marnie heißt die Hauptfigur.

Marnie ist die Katze und der Held von Miss Sunshine. Eigentlich ist sie eine Hauskatze, die in Krimiwelten schwelgt und solche Geschichten am Fernsehen schaut. Sie sieht sich als Detektiv.

Wie Bruder Paul von Miss Sunshine zu Besuch kommt, fangen die Abenteuer im richtigen Leben in Drabville an. Paul sitzt im Rollstuhl. Das ist Tarnung. Er ist mit zwei Helfern auf Kunstraub. Die begehrten Bilder stammen von Ottmar Hering.

Eine ganze Reihe von Diebstählen ohne Einbruchsspuren sind schon passiert. Da kommt Marnie dahinter. Jetzt sind ihre detektivischen Fähigkeiten und wichtige Utensilien dazu, wie Periskop oder Ferngläser, gefragt. Und ein Team, das mittut. Dazu gehören der unlustige Wachhund Elvis, der Esel, das Zebra Mango (so hört es sich in der deutschen Aussprache an; aber es heißt wohl Mambo), das vom Zirkus träumt, der eitle Hahn Egbert, von dem die Hühner hoffen, dass er als nächstes im Suppentopf landet, weil dann würden sie einen neuen, hoffentlich weniger schläfrigen Gockel bekommen (das werden sie auch und der ist aus Spanien, olé – denn der Tango spielt sowohl szenisch als auch musikalisch eine Rolle).

Der Film ist ein frischer Mix aus bekannten filmischen Topoi und Genres, von der Detectivestory über die Verfolgungsjagd, die Täuschung, die heimliche Beobachtung und den waghalsigen Flugstunt von Miss Sunshine bis hin zur falschen Verdächtigung, dem abenteuerlichen Flug mit unfähigen Piloten bis zum zirkusreifen Salpstick – letzteren verstehen die Kinder immer noch am besten.

Ein Wermutstropfen ist allerdings in der deutschen Fassung zu beklagen: es ist die deutsche Tonspur, die lieblos und grob erscheint, wie hingerotzt. Und wenn der mdr mitproduziert, so scheint ein Maskottchen wie Axel Prahl a priori im Vertrag verpflichtend drin zu stehen; er ist kein guter Sprecher, die Figur erweckt mit seiner Stimme keinerlei Sympathie und es scheint, als ließe sich das Ensemble von ihm runterziehen auf ein Sprecherniveau, das keinesfalls als positiv für die Gehör- und Sprachentwicklung der Kinder gesehen werden kann.

Viele Frauenstimmen sind zu hart oder es wird chargiert. Es scheint, dass nicht im Ansatz der Versuch gemacht wurde, die sprachliche Charakterisierung der Figuren mit der Stimme zu erfüllen, wodurch auch kein Sprachwitz oder Sprachreiz entstehen kann. Sie schmerzt direkt, die deutsche Tonspur – wenn man mal drauf achtet.

Aber wenn Sie den Satz hören „Der Nikolaus fliegt tief“, dann ist Vorsicht vor Diebstahl im eigenen Heim geboten! Von nicht ganz salonfähiger Poesie ist die sich zur Seifenblase entwickelnde Flatulenz – und das, was mit ihrem Platzen verbunden ist. Das erreicht den Letzten im Saal.

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Das Dreher-Gesetz.
Einführungsgesetz zum Ordnungswidrigkeitsgesetz, kurz EGOWiG.

Das war ein deutsches Bundesgesetz, das 1969 beschlossen wurde. Es sorgte für jede Menge Nazi-Verbrecher für Entlastung, indem Nazimörder nur als Totschläger zu bestrafen waren. Das heißt, dass die Taten nach 20 Jahren verjährten. Juristische Schnellreinigung.

So einen Fall nahm Ferdinand von Schirach zum Anlass für seinen Roman von 2011.

Jetzt haben Robert Gold, Jens-Frederik Otto und Christian Zübert versucht, ein Drehbuch daraus zu schreiben für die Regie von Marco Kreuzpaintner (Coming In). Eine Vorgabe scheint gewesen zu sein, eine Glanzrolle für Elyas M‘ Barak darin zu finden. Das sollte der junge Anwalt, der erst einige Monate praktiziert, Caspar Leinen sein.

Elyas M‘ Barak spielt das fabelhaft und mit Zwischenschattierungen, er macht „bella figura“ in der Robe mit dem weißen Hemd und der weißen Krawatte und seiner ungeteilten Aufmerksamkeit.

Der Fall ist interessant konstruiert. Leinen rutscht zufällig in einen unklaren Mordfall hinein. Der wird in der ersten Szene gezeigt. Manfred Zapatka hat hier einen kurzen Auftritt als Hans Meyer, ein Vorstandsboss in gläsernem Büro in einer oberen Hochhausetage. Er bekommt Besuch und wird umstands- und wortlos ermordet.

Der Mörder ist Fabrizio Collini (Franco Nero). Aber er sagt nichts. Leinen nutzt die Chance, sich als Pflichtverteidiger zu melden. Dann stellt sich heraus, dass der Ermordete so etwas wie sein Ziehvater war. Es ist nicht zu erwarten, dass ein Manfred Zapatka eine Rolle spielt, die nach wenigen Sekunden umgebracht wird. Er taucht in Rückblenden auf in einem glücklichen Familienleben.

Kann ein Anwalt als Protagonist einen deutschen Kinofilm tragen? Das ist die Frage. Anfangs bekommt er die Chance, sich als Frischling gegen die Gerichtsroutine zu profilieren. Er ist in dem Verfahren, für das sich nicht ein Zuschauer interessiert, der einzige der die Robe anzieht. Darauf weist ihn die Schlampermoral der übrigen Beteiligten hin. Der Vorgang ist etwas umständlich konstruiert und reicht vorerst nicht zur Profilierung als Protagonist.

Das nächste Problem vielleicht eher. Dass er den Mörder seines Ziehvaters verteidigen soll. Hier wird Berufsehre gegen Familienehre gesetzt. Der abgebrühte Richard Mattinger (Heiner Lauterbach mit Langhaarperücke) sagt ihm ganz klar, was Vorrang hat. Es ist also auch kein Konflikt, der als Spannungsmacher funktionieren könnte. Denn Leinen akzeptiert das, widmet sich ehrgeizig dem Fall, will einzig der Wahrheitsfindung dienen. Insofern ist das mögliche Konfliktpotential gleich wieder eliminiert. Das wird eher melodramatisch ausgetragen, es gibt Gespräche zwischen ihm und der Enkelin von Meyer, Johanna (Alexandra Maria Lara). Sie versteht es nicht, dass er die Pflichtverteidigung nicht abgibt. Aber das geht gar nicht. Insofern ist diese Spannungsfeder auch nur von kurzer Antriebskraft. Und da er sich entschieden hat und beruflichen Ehrgeiz mitbringt, schafft er es, den Täter zum Sprechen zu bewegen.

Der Mörder fördert Ungeheuerliches zu Tage, was Rückblenden nach Italien kurz nach dem Kriegsende und Untaten von Deutschen in den Film trägt, die ihn wie einen der üblichen Aufarbeitungsfilme erscheinen lassen und dem Anwalt Leinen noch ein paar nette Auftritte, aber weit davon enternt, die Spannung des Filmes zu erhalten, bringen, aber da kann der Schauspieler ausdrücklich nichts dafür. Wobei das Ungeheuerliche aus dem Krieg Ungeheuerliches aus der etwa 20 Jahre alten Bundesrepublik als Nachwirkung zeitigt.

Dass solche doppelten Ungeheurlichkeiten hier im Film nichts zu einer Spanne beitragen, mag auch mit dem deutschen Gerichtssystem zusammenhängen, das nicht, wie das amerikanische schon per se im Film für Spannung sorgt mit seinen Geschworenengerichten. Dazu fällt mir eine Anekdote ein, die mir zu Ohren gekommen ist: ein bekannter deutscher Regisseur hatte in einer Fernsehserie eine Szene mit einem Schauspieler in einer Notarrolle zu drehen. Vorher beugte er sich zu dem an seinem Schreibtisch sitzenden Darsteller des Notars und erklärte ihm, dass er leider zur Anwaltsrolle (sic!) nichts sagen könne, da solche nur im amerikanischen Kino interessant seien. Es scheint mir, als wolle dieser Film Jahrzehnte später beweisen, dass sich daran bis heute nichts geändert hat.

Nachbemerkungen

Anfangs ist die Rede von einem Schwurgericht, im Gericht später gibt es keine Geschworenen.

Die erste Gerichtsszene, ist die zweite Szene mit dem Protagonisten Elyas M‘ Barak. Die erste mit ihm ist lediglich illustrierender Art, man sieht ihn beim Boxtraining. Das Boxen spielt aber weiter im Film keine Rolle. In der ersten Gerichtsszene kommt er etwas zu spät, trägt aber seine schwarze Anwaltsrobe. Die Szene scheint zwei Dinge zu bezwecken, zum einen den Protagonisten als etwas linkischen Anfänger erscheinen zu lassen und zum anderen als eine Art Bashing verfallener Gerichtsarbeitsmoral: denn er wird von Richter und Staatsanwalt blöd angemacht, weil er die Robe trägt. Das sei nicht üblich bei solchen Prozessen, bei denen niemand im Publikum sitzt. Dafür eine ganze Szene; was für einen Thrill soll das wohl in Gang setzen? Wobei mir das unwahrscheinlich erscheint, speziell, wenn es um Strafsachen geht. Eine verlorene Szene, was das Interesse für den Protagonisten betrifft, vielleiht gedacht für jene, die in ihm noch den Fack-Ju-Goehte-Lehrer sehen. Für den Film selber von keinerlei Bedeutung. Hinzukommt, dass das, was Bedeutung haben könnte, weggenuschelt wird, nämlich wer das Mordopfer ist. In dem Moment kann allerdings der Zuschauer die Beziehung zwischen Mordopfer und Jung-Anwalt auch noch nicht kennen. Auch hier wird ein wichtiger Fakt erst mal vergeheimnisst.

Wie denn der Film sein zentrales Thema, die Dreher-Gesetze, bis ganz zum Schluss aufbewahrt. Das scheint die deutsche Drehbuchkultur zu sein: unter Spannung zu verstehen, dass die Essenz des Filmes möglichst lange vergeheimnisst bleibt, dass immer erst im Nachhinein erklärt wird. Mit diesem Rezept erleidet das deutsche Kino ein über‘ s andere Mal Schiffbruch (zuletzt mit Trautmann). Deutsches Drehbuchgeheimnis: den Zuschauer ins Tal der Ahnungslosen schicken.

Was eine Qualität der Regie von Kreuzpaintner ist: er versteht sich bestens auf die Skandalisierung und die Emotionalisierung von Szenen, ja er erreicht bildjournalistische Qualitäten im Sinne der Sensationsberichterstattung, wie er die Erschießungsszene in den letzten Atemzügen des Filmes wie eine sensationsgierige Schlagzeile ausstellt. Als Daueremotionalisierer setzt er die Musik ein, sie ist ein Dauerantreiber, gibt noch der langweiligsten Szene Gewicht. Da zeigt er eindringlich die persönlichen Befindlichkeiten von Barak und der Enkelin des Mordopfers. Nur sind die für die Erzählung kaum von Belang, sie dienen offenbar dem Selbstzweck der Bedröppelung des Zuschauers. Dazu zählt zum Beispiel die Szene in der Pathologie: vom Erzählfaden her bringt sie gar nichts. Sie will den Anwalt als Bedröppelten zeigen. Das ist für einen Protagonisten wenig hilfreich, umso mehr als er sich eh entschieden hat, der Anwaltsehre den Vorrang zu geben und damit der Verteidigung des Mörders seines Gönners und Ziehvaters. Auch die Rückblenden auf die Jugend im gigantischen Schloss und dessen Park des späteren Mordopfers mögen nett sein, bringen aber die Geschichte nicht vorwärts, geben dem Protagonisten kein Futter. Er hat auch kaum Chancen, den Spürhund zu spielen. Die Geschichte mit dem Pistole, gut, die fällt ihm ein, dass im Schloss ebenso eine Pistole ist, wie der Mörder gebraucht hat. Aber wie er zu seiner Italienisch-Dolmetscherin und späteren Kanzleimitarbieterin kommt, das ist schon sehr an den Haaren herbeigezogen: Panne mit dem Mercedes, in die nächste Pizzeria laufen, eine komische Bestellung aufgeben, oh, oh und dann noch die Walther und schon ist die Erkenntnis da, dass im Bundesarchiv in Ludwigsburg etwas zu finden sei.

Das Erzählproblem ist, dass der Zuschauer dem Film quasi immer die Würmer aus der Nase ziehen muss, um zu erfahren, was überhaupt Sache ist und worauf der Film hinaus will. Der Film hätte ja einen Rahmenerzähler einsetzen können, der dem Zuschauer klar macht, er habe hier eine Geschichte, die mit einem unmöglichen, aber immer noch gültigen Gesetz in der Bundesrepublik ursprünglich zu tun habe. Schon wäre man gespannt. Aber dass es um dieses Gesetz geht, das erfährt der Zuschauer wenige Minuten vor Schluss. Und dann geht es weiter im Modus des Sensationsjournalismus und bequem für den Zuschauer: es gibt auch einen Übeltäter und den muss man gar nicht extra ins Gericht laden.

Auch die Beerdigungsszene ist eine überflüssige Bedröppelungsszene, die den Anwalt in einer Gefühlssuppe schwimmen lässst, die aber zum Fortgang der Story nichts beiträgt. Einzig, dass dort der Vater des Anwaltes auftaucht, der in Hamburg einen Buchladen betreibt. Irgendwie verstehen sich die beiden plötzlich. Aber das Drehbuch wird ihn bald brauchen, nämlich dann, wenn plötzlich innert kürzester zeit 1500 Seiten Akten in Ludwigsburg studiert werden müssen.

Erklärend ist auch die Szene mit dem Verkehrsunfall, dem ein Teil der Familie des Ermordeten zum Opfer fällt. Auch das ist nur Hinterherillustrierung, die Infos liefert, die keinen Menschen mehr interessieren, die im Nachhinein erklären, weshalb der Anwalt dort zum Ziehsohn wurde. Was dem Protagonisten allerdings kein Futter für Konflikte gibt.

Die Erzählung in diesem Film ist viel zu kompliziert, sie erweckt den Eindruck, sie sei nur am Nachbessern, weil sie glaubt, das Essentielle dürfe erst am Schluss klar werden, weil von Anfang an mit Unklarheiten gearbeitet wird, die dann pausenlos nachjustiert werden müssen.

Auch die Szene mit Lauterbach und Barak beim Segeln, wozu? Sie dient lediglich dazu, ein gewisses freibeuterisches Anwaltstum zu bashen, das auf Deals aus sei. Denn wenn Lauterbach das nicht betriebe, hätte er nicht die Villa am See (von der man bisher gar nichts wusste und die einen auch weiter nicht interessiert, die keine Rolle für den Fortgang spielt).

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