„Herzlich Willkommen in Sobibor.“

Sobibor war ein deutsches Vernichtungslager der Nazizeit. Es war das einzige, in welchem den Gefangenen ein großer Ausbruch gelungen ist.

Diese Geschichte erzählt Konstantin Khabenskiy als Regisseur sowie als Protagonist nach dem Drehbuch von Michael Edelstein und Anna Tchernakova. Er spielt den russischen Gefangenen Alexander Pechersky, der den Ausbruch organisiert. Sein Gegenspieler ist Lagerkommandant Karl Frenzel (Christopher Lambert).

Khabenskiy schildert die ganze Perfidie eines solchen Vernichtungslagers, die sich in konkreten Einzelheiten äußert („Ich musste aus Zahngold eine Krawattennadel herstellen“), indem er sich Zeit lässt für die zynische Menschlichkeit, die noch aufrecht erhalten wird als glaubwürdige Perversität und eben nicht als Trash.

Er fängt mit der Ankunft eines Zuges von Juden an. Die kommen im normalen Personenzug, sind in Zivilklamotten, ahnungslos und haben einige Habseligkeiten dabei. Eine Musikkappelle spielt auf. Aus dem Lautsprecher tönt in Endlosschlaufe „Herzlich Willkommen in Sobibor!“.

Den Ankömmlingen wird vorgegaukelt, sie würden hier nur für wenige Tage untergebracht bis zur Umsiedlung. Die Lüge wird auf dem Fuß sichtbar. Die Frauen sind dankbar, dass sie zuerst zum „Duschen“ geschickt werden. Mehr braucht dazu nicht gesagt werden.

Arbeitsfähige Männer kommen erst davon. Sie werden eingesetzt für Gartenarbeiten oder für das Aussortieren der Kleider und Habseligkeiten der Vergasten und für handwerkliche Arbeiten. Ab und an müssen sie für Offiziersbelustigungen herhalten. Oder bei einem kleinen Delikt wird jeder Zehnte erschossen. Trotzdem bleiben sowohl Täter wie Opfer immer Menschen. Das ist das schwer Ertragbare.

Die Gefangenen trauen sich kaum, auch nur den Gedanken an einen Ausbruch zu artikulieren. Ein misslungener Versuch wird gezeigt. Den Weg dieses Gedankens verfolgt Khabenskiy genau. Und den Widerstand dagegen, denn der Anpassungsdruck in der Situation der Unterdrückten ist enorm.

Schließlich aber und nachdem einige der Gefangenen sich mit dem Gedanken des Totenmüssens gegen das Massentöten vertraut gemacht haben, wendet sich der Film zum befreienden Revenge-Stück, genüsslich im Detail – gerade im richtigen Moment marschiert eine schnatternde Gänseherde an einer Baracke vorbei, in der ein deutscher Offizier schreit, weil er gerade umgebracht wird -, und feiert den Ausbruch als das was es ist, eine seltene Aktion mindestens momentweiser Umkehrung der Machtverhältnisse der perfektionierten Vernichtungsmaschinerie eines KZs („Ausbruch unmöglich“) .

Die Nazis empfinden das als Schande, fühlen sich so verletzt, dass sie den Beweis ihrer Schande, also das Lager, dem Erdboden gleichmachen. Die Schilderung des KZ-Alltages ist sicher nichts für schwache Nerven – aber die Naziverbrechen waren so ungeheuerlich, dass immer wieder daran erinnert werden muss. Im Vergleich zu manchen deutschen Aufarbeitungsfilmen ist das cineastisch exzellent gelungen, die fast zwei Stunden vergehen wie im Fluge.

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