Die von der britischen Königin zu „Damen“ geadelten Schauspielerinnen Eileen Atkin, Judi Dench, Joan Plowright, Maggie Smith könnten mit ihrem jahrzehntelangen Wirken so manche Hintergrundgeschichte aufdecken, die große Namen in einem anderen Lichte erscheinen ließe. Aber sie sind „Damen“. Und großartige Schauspielerinnen dazu.

Seit Jahren treffen sich die vier geadelten Actricen ganz privat einmal jährlich zum Tee, zum Ratschen, zum Schwatzen und auch ein Gläschen trinken in einem schönen britischen Cottage.

Roger Michell hatte die Idee, dieses Teekränzchen ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, es mit ordentlichem Hinter-den-Kulissen-Aufwand an Kamera, Licht, Ton, Maske inklusive Regieanweisungen und Zwischenfragen dokuzuinszenieren.

Und da die Damen allesamt unübertroffen erstklassige Darstellerinnen sind, erfüllen sie ihm den Wunsch mit Würde und Nonchalence.

Michell lässt sie nach Themen geordnet Anekdoten erinnern und blendet dazu Fotos, Filmausschnitte und Mitschnitte von Theateraufführungen, Talkshows sowie Blitzlichtgewitter, Preisverleihungen oder königliche Ehrung ein.

Ab und an tritt die Maske ins Bild, der Tonmann, der Kameramann, der Regisseur moderiert mit Zwischenfragen und Themenwechsel.

Herausgekommen ist eine herzhaft herzerwärmende Plauderei, die einen so hineinzieht, dass man beim Verlassen des Kinos verwundert feststellt, dass in München eisiges Januarwetter herrscht (am Tag einer der Pressevorführungen im Kino Neues Gabriel, das inzwischen den öffentlichen Spielbetrieb eingestellt hat).

Wobei keiner glauben soll, dieses Kränzchen laufe ohne Kamera genau so ab. Die Damen lassen lediglich ab und an die Schärfe ihrer Denke durchblicken, das Konkurrenzverhalten, das Reden über andere Kollegen (Dame Edi mit den je speziellen Zähnen zum Sprechen und zum Essen!), Glanzrollen, die Zusammenarbeit mit dem Gatten (da fragen fast alle gleichzeitig, „mit welchem?“), oder Maggie Smith deutet ihre Fluchkünste, für die sie bekannt sei, nur an. Man ist ja unter Damen – und diesmal gleichzeitig in (hoffentlich) großer Kinogesellschaft.

Wer den Damen wenig abgewinnen kann, was kaum vorstellbar ist, der wird entschädigt durch die kurzen Ausschnitte aus umfangreichem Archivfootage und wundert sich, wie in den 50er oder 60er Jahren Shakespeare gespielt wurde. Der Film beweist: der Stoff von Theater und Film, das sind Träume.

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