Gibt es einen guten Kapitalismus?

Kürzlich ging ein Schweizer Dokumentarfilm mit drei Beispielen auf das Thema ein: Fair Traders. Im letzten Jahr gab es den Spielfilm A Fabrica de Nada, einen kapitalismusphilosophischen Film aus Portugal. Auch dort ging es um die Schließung einer Fabrik.

Dieses Themas hat sich jetzt – Zeit der gelben Jacken in Frankreich – Stéphane Brizé (Ein Leben) fiktional angenommen.

In Agen soll ein Werk des deutschen Konzerns Dimken wegen Unrentabilität geschlossen werden. Es ist ein Autozulieferer, der in Frankreich noch ein zweites Werk betreibt. 1100 Arbeitsplätze werden in der vernachlässigten Region verloren gehen.

Das Problem ist, dass Dimken damit eine Verabredung mit den Gewerkschaften bricht. Vor zwei Jahren stand es schon kritisch um den Standort. Die Arbeiter machen enorme Konzessionen, arbeiten 5 Stunden die Woche gratis, um die Arbeitsplätze zu retten.

In der Konzerleitung in Deutschland ist man aber von der aktuellen Rendite von 3 Prozent nicht begeistert, 7 Prozent sind angestrebt. Der Grund für die Schließung ist also ultrakapitalistisch.

Stephan Brizé berichtet eng getaktet über die Entwicklung der Dinge, die Arbeitsniederlegungen, die Forderung, mit dem CEO Martin Hauser von Dimken persönlich zu sprechen. Die faulen Ausreden, warum er nicht kann. Den Versuch mit dem Präsidenten von Frankreich zu sprechen. Immerhin stoßen sie bis zum Sozialberater des Elysée vor.

Es gibt einen negativen Gerichtsentscheid. Durchhalteparolen mit der Arbeitsniederlegung. Versuch der Firma mittels Abfindungen einzelne Arbeiter zu ködern. Bis endlich, nach Monaten, Herr Hauser auftaucht und die Dinge aus dem Ruder laufen.

Stéphane Brizé erzählt diese Geschichte wie ein Schlachtengemälde, die Leinwand immer voll mit dicht gedrängten Arbeitern, Ordnungskräften, den Funktionären und Vertretern von Staats- und Unternehmermacht, wobei die einzelnen Vertreter differenzierte Positionen beziehen.

Unter dem Gemälde brodelt kaum zähmbare Emotion. Diese gibt der Gewerkschaftler Laurent Amédéo (Vincent Lindon) vor. Auf der Tonspur wird das von einem antreibenden Sound wie in Rückkoppelung unterstützt. Und da es sich um einen Film handelt, hat Brizé sich ein dramatisches Ende ausgedacht.

Dem Film voran stellt Brizé den Brechtsatz: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren“. Der Originaltitel ist kämpferischer als die deutsche Version: „Im Krieg“, heißt er.

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