Avengers Endgame (Kritik 2)

Das Ende einer Reise

Von Harald Witz

Mit „Avengers Endgame“ kommt ein ambitioniertes und einzigartiges Langzeitprojekt zu einem bemerkenswerten Höhepunkt und zu einem vorläufigen Abschluss. Nach elf Jahren, 21 milliardenschweren Blockbustern und zahlreichen TV-Serien triumphiert Kevin Feiges Vision vom Marvel Cinematric Universe, in dem es seine Stars in die schauspielerische Rente schickt  und ihnen endgültig Legendenstatus verschafft. Als direkte Fortsetzung des actiongeladenen „Avengers Infinity Wars“ überrascht der Dreistünder Fans und Neugierige durch eine elegante Strategie der Negierung ihrer Erwartungshaltung. Gleichzeitig setzt das Regie-Duo Anthony und Joe Russo dem gewaltigen Vermächtnis seines Erfinders Stan Lee ein gebührendes Denkmal, wenn es Lees maßgebliche Ur-Erfindung vom menschlichen Superhelden in den Mittelpunkt seiner Erzählung stellt.

Start: 24.04.2019

Nach drei Jahren Vorbereitung startete Kevin Feige 2008 ein überaus kühnes und ehrgeiziges Projekt, wie es zuvor noch kein Filmemacher auch nur angedacht hatte. Er transferierte Stan Lees erfolgreiche Strategie aus dem Comicbereich, die Superhelden und Superschurken aus einzelnen Serien miteinander interagieren zu lassen, sprich: gemeinsame Abenteuer zu erleben, mit Jon Favreaus „Iron Man“ auf die Leinwand. Drei Phasen über die Dauer einer Dekade wurden dafür ausgerufen, Einführung – Etablierung – Finale, und schon vor dem ersten Höhepunkt („Avengers“, 2012) war klar, dass das teure Wagnis ein Riesenerfolg werden würde.

Mit den back-to-back gedrehten „Avengers: Infinity Wars“ (2018) und „Avengers: Endgame“ wird dieses visionäre Großprojekt nun zum Abschluss gebracht. Der Vergleich mit anderen Filmgroßprojekten wie „STAR WARS“, den „Herr der Ringe“- und „Hobbit“-Trilogien oder der „Harry Potter“-Reihe hinkt dabei in vielerlei Hinsicht, und nicht nur, weil hier die Einzelfilme auch für sich selbst stehen können. Wie schwierig der Triumph von „Endgame“ zu bewerkstelligen war, demonstrieren die gescheiterten Bemühungen des Comic-Konkurrenten DC, und kann deshalb nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Bereits nach einer Viertelstunde der dreistündigen Laufzeit des Werkes haben die Russo-Brüder den Zuschauer sämtlicher Hoffnungen beraubt, dass irgendwelche medial gestreuten Gerüchte über die Handlung zutreffen könnten, sämtliche bekannten Trailer-Schnipsel wurden von hier entnommen. Selbst die Kenner der Vorlagen-Trilogie von Jim Starlin, die mit der Einführung von „Captain Marvel“ mit einer gewissen arroganten Vorfreude das Finale herbeisehnten, werden von den Drehbuchautoren Joss Whedon und Zak Penn um ihr hämisches „Ich hab‘s ja schon vorher gewusst“ gebracht.

Nun, dass Thanos obsiegte, die Hälfte des universalen Lebens auslöschte und verschwand, war Gegenstand von „Infinity Wars“. Wie die geschlagenen und die überlebenden Avengers um Tony „Iron-Man“ Stark (Robert Downey jr.) und Steve „Captain America“ Rogers (Chris Evans) damit umgehen – darum geht es in weiten Teilen dieser Exkursion ins Reich der Superhelden. Das übermenschliche Heldentum ist gebrochen und wird von den Machern runtergebrochen auf das Essentielle, den Menschen und seine Emotionen. Das ist reinster Stan Lee. Er kreierte seine Helden als Figuren mit menschlichen Schwächen, die auf das Leben und das Schicksal reagieren wie Menschen es eben tun, und nicht wie ein buchstäblich gottgleicher Übermensch wie ein hölzerner Stählerner der DC-Konkurrenz.

Selbst der hauseigene Gott Thor (Chris Hemsworth) darf sich dem nicht entziehen. Daraus ergibt sich folgerichtig die weitere Handlung, die sich als dramaturgisch fesselnd erweist- aber nicht wegen effekthaschender Action, sondern wegen einer elegant ausbalancierten Mischung aus Drama, Emotion und – typisch Russo-Brüder – viel Humor.

Selbst die überschwänglichen Reaktionen der US-Kritiker nach US-Premiere mit ihren begeisternden Jubelrufen führen eigentlich in die Irre. Dieses poppig-bunte Entertainment-Paket spielt eher mit den üblichen Mechanismen solcher Leinwandepen, erfüllt allenfalls ein paar Notwendigkeiten (Action, Kämpfe, Schlachten), gönnt ihnen aber weder Breite noch übersteigernde Bedeutung solcher Serienfinalen (siehe „Schlacht der Fünf Heere“). Die Russo-Brüder konzentrieren sich auf einen Diskurs, der sich um die Definition von Menschlichkeit und Identität bemüht und sich zum Beispiel in mehreren Vater-Sohn-Beziehungen ausdrückt. Eine erstaunlich tiefgründige und berührende Debatte, die lange das Tempo der Erzählung mäßigt, ohne dabei auch nur eine Winzigkeit an Spannung zu verlieren.

Ein Superhelden-Film, der sich mit Trauerarbeit beschäftigt, kann nur mutig genannt werden (ähnlich mutig wie vor zwei Jahren „Logan“). Und dennoch findet es genügend Spielraum für zahlreiche Referenzen und Kommentare auf die neuere amerikanische Geschichte: „Endgame“ liefert, gerade von außen betrachtet, eine positiv konnotierte Zurschaustellung des amerikanischen Optimismus und anderer vermeintlicher Tugenden. Nicht pathetisch propagiert sondern mitfühlend erlebbar gemacht. Offen wie selten treten die Helden für Toleranz, Vertrauen und Dialog ein – und gegen Gier, Isolationismus und Rassismus des Trumpismus unserer Zeit, elegant ausgedrückt in dieser überdeutlichen Geste der Schlussszene, wenn der Schild des Patrioten weitergereicht wird.

„Avengers: Endgame“ verblüfft schließlich als Verneigung der Macher vor seinen Schöpfern: Stan Lee und die Armada an Schauspielstars. Nicht nur, dass der Abgang der Urbesetzung mit ehrenvoller Huldigung zelebriert wird. Auch jene, die immer ein wenig zu kurz kamen (wie z. B. Jeremy Renner), erhalten dieses Mal ausreichend Raum zur Entfaltung. Deshalb stören die nicht immer stimmigen CGI-Effekte und kleinen Anschlussfehler gar nicht. Vielmehr vereinigt diese unterhaltsame Retrospektive des unglaublichen MCU-Projektes noch einmal beinahe alle relevanten Figuren in einem gigantischen Panorama.

„Avengers: Endgame“ ist ein Instant-Meilenstein der Filmgeschichte geworden, der humorig und pathosfrei zweifellos alle Rekorde an den Kinokassen brechen und maßgeblich fürs zukünftige Blockbuster-Kino sein wird. Schließlich widersteht es lange diesem unerträglich gewordenen Leinwand-Gigantismus, in dem es die übliche Helden-Apotheose auf das menschlich Mögliche reduziert.

Der Film ist das erfolgreiche Ende einer langen Reise aber nicht das Ende des MCU. Auch wenn sogar der letztes Jahr verstorbene Stan Lee im Auto sinnig Abschied nimmt, so geht es – wie in den Comics (seit bald 70 Jahren) – immer weiter, immer weiter. Die nächsten Abenteuer, die neue Phase IV des MCU, sind bereits in Arbeit: „Spider-man: Far from Home“ kommt am 4.7. in die Kinos. Und die Sequels „Black Panther 2“, „Guardians of the Galaxy Vol. 3“ und „Doctor Strange 2“ sind bereits in Produktion.

Ein Gedanke zu „Avengers Endgame (Kritik 2)“

  1. Oh mein Gott, was ist das nur für ein Schrottfilm.
    Extrem laaaangatmig, ideenlos, ein verfetteter Thor… Ich wünschte ich könnte in die Vergangenheit reisen und diesen Avenger Teil ungeschehen machen. Eine Verkürzung auf 90 min. hätte das Elend zumindest etwas gemindert.
    Ganz schlimm…

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