Untertanenkino.

Dass es sich um Untertanenkino handelt, beweist allein schon im Anspann der Kotau vor den Förderern und Fernsehanstalten, die offenbar ihr Teil zu dem Murks beigetragen haben.

Atlas ist hochgegriffen. Es betrifft den Protagonisten Walter (der Familienname „Scholl“ ist auch noch mit Naziwiderstand belastet), Rainer Bock. Der ist ein bestens beschäftiger männlicher TV- und Kinochargendarsteller; hier soll er aber nicht nur die Last des Protagonisten, sondern auch eine gewaltige Schicksalslast tragen, die ihn uns fremd erscheinen lässt und ihn handlungsunfähig macht.

Die Film- und Fernsehbürokratie will diesem treuen Darsteller (faktisch: weisungsgebundener Tagelöhnerschauspieler, der nach Drehtagen bezahlt wird) den Traum von der Kinohauptrolle erfüllen. Der dürfte sich in diesem Falle als Leinwandgift entpuppen. Wer will schon Rainer Bock als handlungsunfähigen Möbelpacker sehen (sollte das Publikum dem Film die Bude einrennen, so muss ich wohl etwas Wesentliches übersehen haben).

Das liegt aber auch am Drehbuch, das der Regisseur David Nawrath mit Paul Salisbury geschrieben hat. Nicht nur ist Walter Umzugsarbeiter – die tragen schon schwer, – noch schwerer wirkt das Schicksal, das er unter Dauerbedröppelungsmusik durch den Film schleppt, so schwer, dass er faktisch handlungsunfähig wird.

Die wenigen Handlungen, die er dann doch tut, wirken grotesk daneben, fern jeglicher menschlicher Erfahrungswelt, wie von weltfremden Drehbuchautoren, die auch noch das Thema Entmietung unterbringen wollen, aus den Fingern gesaugt.

Dieser Walter lebt karg eingerichtet allein. Er hat eine kriminelle Vergangenheit sowie einen Sohn, den er mit vier Jahren verlassen und nie wieder gesehen hat. Den erkennt er bei einer missglückten Zwangsräumungsszene (doppelt missglückt, inszenatorisch wie auch vom Drehbuch her, denn der Mieter hat den Mietrückstand längst bezahlt).

Vergeheimnissung: dem Zuschauer wird vorenthalten, wie Walter glaubt, in Jan Haller (der beflissen spielende Albrecht Schuch) seinen Sohn zu erkennen. Der wiederum hat einen vierjährigen Sohn, also Walters Enkel.

In der Grauzone von Entmietung und Angst vor der Polizei wegen nichtverjährtem Verbrechen, versucht Walter nun höchst linkisch seinem Sohn zu helfen. Er soll, so scheinen es die Autoren erzählen zu wollen, in die hässliche, verbrecherische Stadt Frankfurt einen Hauch Humanität hineintragen („Walter, Du bist der einzige hier, auf den ich mich verlassen kann“, sagt ein Kollege).

Die Dialoge bewegen sich auf der einfältigsten Oberfläche: „Ich geht jetzt kurz mal rein, du bleibst schön hier und hältst dich fest“, könnte die Bitte an den Zuschauer sein.

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