Archiv für 23. April 2019

Gut gemeint.

Verschiedene Fernsehredaktionen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol wollten einen Film machen zum Thema Lokalwährungen und deren stimulierenden Einfluss auf die regionale Wirtschaft am historischen Beispiel von Wörgl aus den frühen 30er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Mit dem Drehbuch haben sie Thomas Reider beauftragt, mit der Regie Urs Egger betreut.

Herausgekommen ist ein Film, der als emotionale Quintessenz zeigt, wie ein mutiger Bürgermeister (Karl Markovics als Michael Unterguggenberger) vom Staat bestraft wird für eine Tat, die seinem Ort den Aufschwung bringt. Bedröppelung über eine ungerechte Staatsmacht. Denn mit den „Arbeitsbestätigungsscheinen“, die eine Erfindung von Stawa (Harald Windisch) sind, beginnt das unter Armut und Elend leidende Wörgl eine plötzliche (Strohfeuer?)-Blüte.

Das Interesse der internationalen Presse verleiht dem Aufschwung zusätzlichen Schub. Von Wien aus wird das misstrauisch beobachtet und mittels eines Gerichtsverfahrens zu Fall gebracht.

Da die Fernsehredaktionen sich dem ökonomischen Bildungshunger der Bürger verpflichtet fühlen, wollen sie dem Publikum auch das Modell von Silvio Gesell („Die natürliche Wirtschaftsordnung“) näherbringen – das erfährt durch neuere ökonomische Studien zum Thema Schwundgeld Aktualität.

Dadurch ist ein Film entstanden, der wohl als Power-Point-Präsentation verständlicher wäre und besser funktionieren würde.

Hier sind um die ökonomischen Fakten herum Menschen konstruiert worden, die die Präsentation illustrieren sollen, keine Menschen mit Konflikten, sondern Präsentationsschablonen. Wobei Markovics mit seiner Routine des Typen, der sich immer zu Unrecht angegriffen fühlt, für einen bestimmten Level an Emotionalität steht. Diese trägt allerdings nichts zum Verständnis der ökonomischen Theorie bei. Gerade mal der Satz, dass Geld eine Verabredung sei, der bleibt vielleicht hängen, wenn der Film zu später Stunde über die Bildschirme dümpelt.

So dürfte der Film zur Folge haben, dass die Fernsehredakteure sich selbstzufrieden auf die Schultern klopfen mit der Behauptung, sie hätten zur Popularisierung der Gesellschen Theorie beigetragen; er dürfte aber nicht ausreichen, um dem Publikum diese plausibel zu vermitteln und damit dem demokratischen Grundauftrag eines zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Fernsehens gerecht zu werden. Zumal die Schauspieler sich mit stereotypen Routinen über die wenig spannenden Texte retten.

Aber sicher: ein Glanzstück fürs Ortsmuseum von Wörgl.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Ein deutscher Kinomeister baut einem brasilianischen Meisterfotografen eine topnotch filmische Vitrine. Siehe Review von stefe.

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