Der unterhaltsame Christo.

Wohlverstanden, das mit dem ‚unterhaltsam‘, dies ist eine Dokumentation von Andrey Paounov und der hat den Christo so eingefangen, wie er sich gibt, wie er vielleicht tatsächlich ist: auf jeden Fall unterhaltsames Futter für die Kamera. Es ist unterhaltsam, wie er die diversen Lebenssituationen bewältigt: direkt, laut, aufgeregt, schimpfend. So gibt es viel Amüsement in diesem Film, einiges zum Schmunzeln und zum Lachen.

Wobei der Titel vorgibt, sich mit dem Projekt „Walking on Water“ oder The Floating Pears zu beschäftigen. Der Film interessiert sich aber nicht, so wie Carlos Saura in seinem Renzo Piano Film (Renzo Piano – Architekt des Lichts) über den Schritt-für-Schritt-Fortschritt des Projektes Santander von den ersten Gesprächen über die Planung bis hin zur Realisierung und zwischendrin Gespräche über Kunst und Inspiration.

Paounov sieht das lockerer, wohl selber als Unterhaltungstrip, war ab und an dabei. Man erfährt immerhin, dass Christo sich mit seiner Lebensgefährtin schon seit 1970 mit dem Projekt beschäftigt habe. Damals war noch Argentinien im Gespräch.

Es ist vor allem die Unsachlichkeit, die heitere Unsachlichkeit, die diesen Film auszeichnet. Wie Christo mit den Tücken des Computers kämpft und sehr laut werden kann bei einer Videokonferenz mit den Herstellern des Kataloges zum Projekt (26 x 26 cm). Es gibt Beifang aus den Schweizer Alpen, wo er friert, bevor er zum italienischen See runterfährt.

Es gibt Beifang aus dem Vatikan, wo Christo Michelangelo bewundert, Beifang aus einer Gemeinderatssitzung in Brescia, bei der er vor allem schläft und das unverständliche, italienische Stimmengewirr in seinem Kopf auf der Tonspur zu hören ist. Der Dokumentarist beliebt zu scherzen.

Es gibt lautstarke Auseinandersetzungen mit seinem Hofmarschall Vladimir vor Ort. Er schimpft über die italienischen Behörden, die den Besucher-Ansturm nicht in den Griff bekommen und droht, die 16-tägige Installation nach zwei Tagen abzubrechen.

Unterhaltsam ist ebenso, wie er auf gesellschaftlichen Veranstaltungen wichtige Leute, Mäzene, Sammler gnadenlos kurz abfertigt und wieder stehenlässt.

Zum Helikopterflug über die Installation am letzten Tag muss er inständig überredet werden.

Am Schluss packt er seinen Koffer in einer Luxussuite seines Hotels und verklebt das verbeulte Aluteil mit sorgfältig präpariertem Klebeband – wetterfest.

Kabarettreif ist auch der Auftritt eines italienischen Funktionärs, der im Showroom von Christo ein Bild aus einer begrenzten Anzahl von Fotografien des Projektes (Preise zwischen wenigen Hundert und 2 Millionen Euro) erstehen will. Dass die mit jedem Tag teurer werden, gibt ihm zu schaffen. Nach mobilen Rücksprachen hält er glücklich das kleinste Bild in Händen, einen echten Christo.

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