Humanismus und Gewürm.

Dieser Film von Ali Abbasi nach dem Buch „Gräns“ von John Ajvide Lindquist ist ein individuell grotesker Tanz auf Messers Schneide zwischen Humanismus und Zombitum, zwischen modernem Travelmenschen (und insofern Grenzenüberschreiter) und Gewürm und dahinter wartet rousseausche Natur, moosbewachsener Waldboden, Bäume, Elch und Fuchs, Waldsee an Wasserfall, Idylle mit zwei lustvoll nackt Badenden.

Es sind die zwei chromosomenveränderten Protagonisten Tina (Eva Melander) und Vore (Eero Milonoff). Sie lernen sich über die Tätigkeit von Tina als Schnüfflerin vom Zoll (Tull) kennen.

Sie hat eine Begabung, die möglicherweise noch seltener ist als die eines Superrecognisers, sie kann mit hoher Sicherheit Schmuggler und Verbrecher, die mit der Fähre nach Schweden kommen, erschnüffeln. Die Maske trägt das ihre dazu bei, sie zu einer Art fremdem Wesen zu machen, hinzu kommen ihre Augen, die in die Ferne schauen, ihre Oberlippen, die leichte Schnüffelbewegungen machen.

Bei einem Anzugtypen erkennt sie, dass er verbotenes Datenmaterial im Handy versteckt hat. Weil es sich um das sensible Thema Kinderpornographie handelt, wird sie auch zur Observation des mutmaßlichen Verbrechers eingesetzt.

Vore dagegen ist ein zottelhaariger Typ, hat gewisse Ähnlichkeiten mit Tina. Er fällt ihr auf, aber sie wird nicht fündig, in seiner Blechdose hat er Würmer, da er sich fürs Getier interessiert und es brüten lassen will, es ist ein Larvenbrutapparat (auch der könnte eventuell symbolisch für das Thema des Filmes gesehen werden, wo fängt der Mensch, wo die Brut an).

Sie begegnen sich wieder und es entwickelt sich eine rätselhafte Beziehung, die vieles an den Tag bringt, was man so auf Anhieb nicht vermuten würde.

Tina geht gerne in die freie Natur. Sie lebt mit Roland (Jörgen Thorsson) zusammen; der interessiert sich für Hunde, aber ihr Vater hält ihn für einen Schmarotzer. Die Entwicklungen werden dazu führen, dass sie Roland rausschmeißt.

Auch Vater hat ein Geheimnis über sie, das existentiell ist und von dem sie nicht mal ahnt, dass es existiert.

Das Kreatürliche nimmt immer mehr überhand, der Film wandelt sich zusehends zum skandinavischen Zombiefilm und immer lauert die Frage nach der Würde des Menschen, wo fängt der Mensch an, wo ist er Gewürm.

Abbasdi treibt seine Fragestellung ins Extreme, in extreme Abgründe menschlichen Handelns. Sowohl ein „hiisit“ als auch der Wechselbalg spielen dabei eine Rolle.

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