Pädagogisches Kino.

Mark Schlichter ist ein Fernsehregisseur, der in seiner Vita bei IMDb etwa ein Dutzend Fernsehspiele stehen hat und als Regisseur für diverse Episoden von Fernsehserien firmiert.

Jetzt taucht Schlichter im Kino auf mit einer Geschichte nach Motiven der Buchreihe ‚Alfons Zitterbacke – Geschichten eines Pechvogels‘ von Gerhard Holtz-Baumert. Beim Drehbuch haben Anja Flade-Kruse und John Chambers mitgearbeitet.

Herausgekommen ist ein pädagogisch hochkorrektes Kino. Kinder ohne Abgründe, Familien, die von der Theorie her im Zwist, vom Spiel her aber friedlich leben. Die Mutter wohnt im Haus (Alexandra Maria Lara), der Vater (Devid Striesow, dem man die öde Fernsehroutine leider von Mal zu Mal mehr ansieht) schläft im Zelt im Garten.

Sohnemann Alfons (Tilman Döbler, ein fernsehdressierter Jungdarsteller) träumt von der Raumfahrt (diese Szenen, die sind wunderbar einfach und fantasievoll ausgestattet). Sein Zimmer ist voll mit Flugzeugen, Raketen und Raumstationen. Sein Freund ist Benny (der rotlockige Leopold Ferdinand Schill, bei dem nie so richtig klar ist, ob es Teil der Rolle ist, dass er manche Wörter so komisch ausspricht). Der ist nicht zuverlässig.

Alfons‘ Gegner ist Nico (Ron Antony Renzenbrink mit dem Ruhmapplomb der „Wilden Kerle“ und der „Fünf Freunde im Tal der Dinosaurier“). Es gibt komische Szenen im Schwimmbad, die krampfig inszeniert sind, wie Vater und Sohn Zitterbacke auf dem Sprungbrett stehen und ein größerer Mann bedrohlich auf sie zugeht.

Es gibt einen Wettbewerb zum Thema Raumfahrt. Die Schüler sollen Erfindungen präsentieren. Weil es auf der Schule nicht hinhaut mit Alfons, ist erst mal nicht klar, ob er überhaupt teilnehmen darf, das jedenfalls wollen Erwachsenenschauspieler ihm klar machen.

Interessanterweise nimmt Alfons die Zeichnungen für seinen Wettbewerbsbeitrag mit ins Schwimmbad, lässt sie offen rumliegen, so dass es für Gegner Nico und Konsorten ein Leichtes wird, diese zu klauen. Das hat weiter keine Folgen für die Filmhandlung. In diesem Film darf ungeahndet geklaut werden.

Alfons entwickelt einfach ein neues Modell. Seine Mutter arbeitet im Baumarkt, weil der für eine Detektiv-Story herhalten muss, denn Nico hat eine Knallcharge von reichem Großvater, der im Baumarkt eine ganze Drohne kaufen will. … Ach, das ist alles so schlecht erzählt, so umständlich, so herz- und humorlos. Als ob es für alle Beteiligten ein lästige Schulaufgabe gewesen sei, diese politisch hochkorrekte Kino herzustellen und dann die schönen Gagen zu zählen, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk ihnen dafür hinblättert (MDR und ARD).

Bei so viel abtörnender Korrektheit können auch die Filmförderer, obwohl vor allem Fernsehleute mitmachen, nicht Nein sagen: Mitteldeutsche Medienförderung, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Kuratorium Junger Deutscher Film, der Deutsche FilmFörderFonds, die Filmförderungsanstalt.

Ein deutscher Weltraumfahrer mit PR-Inkontinenz, der sich ungebeten überall zum sich aufdrängenden Promi macht, wird mehrfach erwähnt, kommt als heutiger Held ins Bild und skypt aus dem Weltraum.

Oh kleine, kleine Weltraumwelt, die hier ihren Auftritt hat. Und welchen Anlauf Aprilscherze brauchen. Oder will uns der Film Einblick in das kränkelnde Hirn eines Pädagogen geben? Frag nach beim Sigmund Jähn Gymnasium. Und nach etwa einer Filmstunde gibt es einen Hinweis auf den Drehort, Autokennzeichen HAL (Stadt Halle Saale).

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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