Sterilisierte Liebe.

Erste Liebe, große Liebe, Entjungferung, das Spiel mit der Liebe, das ist ewiges Thema vielleicht mehr noch aus Frauensicht, da Gefühle für Frauen, wie es heißt, leichter verhandelbar seien als für Männer.

Anna Todd hat zu diesem Liebesthema einen Roman geschrieben, der ein Weltbestseller geworden sei. Susan McMartin hat dazu ein Drehbuch verfassst und Jenny Gage hat es verfilmt. Sie hat sich für eine schnulzige Erzählart entschieden. Sie interessiert sich weniger für die Charaktere und ihre Konflikte. Solche haben auch wenig Auftrittschancen bei diesen ebenmäßigen und stark auf makellos geschminkten Gesichtern.

Jenny Gage interessiert sich für den Weg der Gefühle von Tessa (Josephine Langford). Sie ist unerfahren, rein, liebeshungrig. Sie kleidet sich wie die Unschuld vom Lande, züchtige Blusen, langer blauer Rock, ja nichts Erotisches betonen. Das ist zwar wenig plausibel im Hinblick auf ihre noch stärker auf jugendlich hergerichteten, städtischen Mittelklassmutter Carol (Selma Blair). Was soll’s. Es geht der Regisseurin um Gefühle.

Es geht darum, dass Tessa, nachdem sie der wachsamen Obhut ihrer Mutter ins College entronnen ist, auf dem Campus auf den erstbesten Studenten, Hardin (Hero Fiennes Tiffin), hereinfällt und sich total verliebt. Hardin allerdings betreibt das Spiel nur als eine Wette unter Freunden. Wie es Hardin auch erwischt, ist es zu spät.

Tessa kommt hinter das falsch eingefädelte Spiel mit der Liebe. Das setzt Tränen. Aber es geht hier nicht um ein Drama, um Tiefe, sie unternimmt keinen Selbstmordversuch, das würde zur Schnulze nicht passen.

Tessa kehrt reumütig zurück in Mutters Schoß und zum verlassenen, platonischen Jugendfreund Noah (Dylan Arnold).

Hardin dagegen ist nachdenklich geworden an seinem Lieblingsplatz. Er klärt die Sache künstlerisch. Und so fanden sie sich und wurden glücklich und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch.

Die Zielgruppe von Teenie-Girls in ähnlichen Situationen, dürfte ihren Emotionsnerv getroffen sehen und mitfühlen, sie brauchen ja, wie kleine Kinder, für ihr Thema nicht mehr als eine Art Kasperltheater, Anfängermenschentum, Menschen als Positionsvertreter oder Gefühlsaufhänger.

Die Liebe selbst wirkt steril praktiziert: kein Schweiß, kein Geschnaufe, kein Kraftakt, kein Schmerz, keine Geschlechsteile, kein Blut, keine Sekrete. Der Zuschauergefühlswelt soll nichts Unangenehmes zugemutet werden, schon gar nicht die doch häufig eintretende Komik bei einer Entjungferung.

Die Schauspieler sind bestenfalls Symbole für gewisse Gefühlsinhalte und sollen diese bei den Zuschauern aktivieren. Die deutsche Synchronisation ist so sauber und steril wie der Film. Man könnte ihn sich vorstellen als ein Bonusprodukt beim Kauf einer Kosmetik-Linie eines Drogeriemarktes. Das Mitgefühl mit den Protagonisten soll noch erhöht werden durch die Mitteilung, dass beide das Auseinanderbrechen der Ehen der Eltern zu verkraften haben. Schluchz. Schluchz.

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