Auch die Kanadagans ruft Unmut hervor,
aber Künstler sind universell.

Dario Aguirre ist Künstler, Performer, Pantomime, Sänger, Filmemacher. Er sieht die Welt als Künstler. Genau so benutzt er sich und seine Umgebung für die Kunst. Er ist der Autoporträtist dieses Filmes.

Statt dass Aguirre sich auf ein typisch deutsches Themenkino, Thema Immigration, einlässt, nimmt er auch diesen Vorgang her, um ihn in seinen Film zu integrieren, den Vorgang seiner eigenen Einbürgerung.

Aber der ist nur ein Faden für seine künstlerische Selbst- und Weltbetrachtung. Die fing früh an in seiner Heimat Ecuador. Er ist auch ein Künstler, der sich selbst in Frage stellt, der fragend in die Super-8-Kamera guckt, sich wundert über sich und die Welt.

Über eine deutsche Austauschstudentin, Stephanie, kommt er nach Hamburg, lässt seine Eltern und Vaters Grillrestaurant zurück. Er scheint hier schnell als Künstler weitergemacht zu haben.

Für sein Verhalten zum Leben, zur Liebe, für sein Künstlersein gibt es eine bemerkenswerte Aussage seines deutschen Schwiegervaters. Ihm hat eine Badewannenperformance von Dario zu denken gegeben. Denn dabei hat hinter einer von hinten beleuchteten Leinwand seine Freundin am Schreibtisch gearbeitet. Dario hat diese Schattenfigur als Malskizze benutzt. Ausbeutung, Selbstausbeutung, Ausbeutung der Umgebung des Künstlers.

Es gibt einzelne dokumentarische Szenen aus dem Einbürgerungsverfahren, die Fragen, die da gestellt werden, allein die Hochzeitsdaten der Eltern, man wundert sich. An seinem Künstlertum ändert die Einbürgerung nichts. Außer dass die Hamburger Einbürgerungszeremonie mit dem Oberbürgermeister Olaf Scholz (inzwischen Finanzminister) im Prunksaal der Stadt schöne Kinobilder abgibt. So schlachtet er auch diesen Vorgang filmisch aus.

Nach der Einbürgerung ist er erleichtert, nie wieder mit der Ausländerbehörde zu tun haben zu müssen – bis seine Eltern sich zu Besuch anmelden, um das Enkelkind kennenzulernen …

Mit seinem Film schafft Dario Aguirre es, dieses oft mit heftigen Emotionen behandelte Thema Integration/Zuwanderung in seine Schranken zu weisen, weil Künstler universell sind – und sollte so nicht der Mensch auch sein? Kann Menschsein mit nationaler Reduktion ausgefüllt werden? Wohl eher nicht.

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