Das Gift des leichten Geschäftes.

Es ist ja nicht so, dass indigene Stämme in den Anden keine Konflikte und keine Ehre gekannt hätten. Deshalb haben sie auch einen tradierten Ehrenkodex. Sie haben Wortboten, wir würden sagen: Unterhändler. Wenn beispielsweise ein junger Mann eine Frau einer anderen Familie heiraten will oder wenn ein junger Mann sich einer jungen Frau ungehörig nähert.

Mit dem Boten wird der Brautpreis oder die Strafe für eine ungehörige Tat ausgehandelt. Die kann in einer Strafarbeit bestehen, hier im Film soll der missratene Leonidas (Greider Meza) bei der Familie von Anibal (Juan Bautista Martínez) zwei Wochen auf den Feldern ackern.

Dass gerade die Ehre im Hinblick auf junge Frauen einen hohen Stellenwert hat, zeigt die einführende Szene. Wie ein Mädchen ein Jahr lang Textilien herstellt, zurückgezogen lebt und von einer älteren Frau unterstützt und vorbereitet wird. Das hebt die Kostbarkeit einer jungen Frau hervor und dass sorgfältig damit umgegangen werden soll, auch dass so eine Frau ihren Preis hat.

Rapayet (José Acosta) möchte diese Frau heiraten. Da er nicht aus einer angemessenen Familie stammt, wird der Preis hoch angesetzt. Auf üblich kulturellem Wege kann er das nie verdienen. Da kommt es ihm zupaß, der Film fängt 1968 an und spielt in Kolumbien, dass ein amerikanisches Friedenscorps sich auf dem Gebiet der Wayuu befindet. Diese friedfertigen jungen Leute, hippimäßig, sind auf den Geschmack von Marihuana gekommen, das in der Gegend gute Anbaubedingungen vorfindet.

Zusammen mit seinem Freund Monocho oder Moises (Jhon Narváez) entdeckt Rapayet diese Geschäftsmöglichkeit, die deutlich einträglicher ist als der herkömmliche Kaffeehandel. So kommt das große Geld zu den Wayuu.

Was es mit diesen Menschen, Familien anrichtet, das besingt Ciro Guerra in Koregie mit Cristina Gallego nach dem Drehbuch von Maria Camil Arias und Jacques Toulemonde Vidal in 5 Liedern in meisterhafter Erzählökonomie und als großes Erzählkino vor der teils kargen Kulisse Kolumbiens von Wüste, aber auch von Dschungel.

Ciro Guerra hat bereits mit Der Schamane und die Schlange einen Aufsehen erregenden Amazonas-Film ins Kino gebracht. Der Naturglauben dieser Menschen wird auf die Probe gestellt. Nebst Rapayet ist vor allem seine Schwiegermutter Ursula (Carmina Martínez) mit ihrem ausgeprägten Geschäftssinn und einer Mütterlichkeit aus Eisen eine faszinierende Figur. Die deutsche Synchro ist diskret und sorgfältig gemacht.

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