Was wissen wir über Afrika?

Insgesamt wenig, zu wenig, so lange der Nachschub mit Öl und Bodenschätzen klappt, interessiert uns Afrika generell nicht sonderlich; allenfalls im tourstischen Sinne, soweit es um Strände und Safaris geht.

Eine erkleckliche Wissenlücke schließen nun Raúl de la Fuente und Damian Nenow mit ihrer Verfilmung des Buches „Another Day of Life“ des polnischen Journalisten Ryszard Kapuscinski.

Kapuscinski war vielleicht der wichtigste Berichterstatter im unvorbereiteten, chaotischen Übergang von Angola aus der Kolonialherrschaft Portugals in die Freiheit. Die Machtblöcke Ost und West (für diesen auch Südafrika) waren gierig, sich den Einfluss über das frei werdende Territorium zu sichern. Der Journalist hat die Invasion Südafrikas mit Panzern und allem Drum und Dran im südlichsten Zipfel Angolas mit eigenen Augen gesehen. Und das bekannt gemacht. Er wollte da sein, wo es brennt, auch unter Lebensgefahr.

Kapuscinski hat auf dem Weg dorthin, von dem alle ihn abhalten wollen, Blutiges gesehen, Spuren grauenhafter Massacker. Aber er hat berichtet von vor Ort.

Die Filmemacher haben sich für eine spezielle Methode der Bebilderung dieser extremen Geschichte entschieden: für eine Mischform aus Spielfilm, Animation und Dokumentation.

Einige Helden von damals, die Richard geholfen haben, überhaupt dorthin zu kommen oder die ihn unterstützt haben, kommen im Abstand von Jahrzehnten dokumentarisch zu Wort. Sie ergänzen mit ihren Erinnerungen die Spielhandlung, die nach dem Buch inszeniert ist.

Die Spielhandlungen dagegen wurden mit realen Schauspielern gedreht, jedoch im Nachhinein zu Animationen verfremdet, die die Charaktere der Figuren deutlicher, comichafter hervortreten lassen (Motion Capture).

Ferner ist auch original dokumentarisches Material in die Spielhandlung, die den Weg des Journalisten nachzeichnet, eingeflossen. So entsteht eine einmalige Geschichte, die gerade durch die formalen als auch erzählerischen Eingriffe ein prägnantes Bild des Journalisten Ryszyard Kapuscinski als auch der blutigen Vorgänge in Angola im Übergang vom Kolonialstaat zur Unabhängigkeit bietet.

In seiner graphischen Machart erinnert er an den Film Camp 14: Total Control Zone, der ein äußerst übles Kapitel Nordkoreas mit entsprechenden Distanzierungsmitteln behandelt.

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