Archiv für April 2019

BR-Redakteur Peter Giesecke wirkt hier als Vollstrecker der Drohung seines obersten Chefes, BR Intendant Ulrich Wilhelm (jawohl, der mit dem Kanzlerinnengehalt!), der gedroht hat, die Qualität der Sendungen leide, es würde weniger Drehtage geben, wenn die Politik einer Erhöhung der Zwangsgebühr nach einem Indexmodell nicht zustimme.

Peter Giesecke bestraft hier im Sinne seines Chefes präventiv schon mal den Zuschauer dafür, dass die KEF noch aktiv ist und das indexgebundene Zwangsgebührenmodell noch nicht von den Länderchefs abgenickt wurde. Er bestraft den Zuschauer mit Fernseh-Minderqualität. Ein merkwürdiges Geschäftsgebaren, was der BR hier an den Tag legt. Damit soll die Politik zum indexbasierten Zwangsgebührenmodell erpresst werden.

Nicht zu erwarten ist nach dieser bescheidenen Life-Style-Privatgeplapper-Sendung zum Thema Berge, dass im Lande ein Aufstand erwächst, der sagt, wir wollen die Zwangsgebühr erhöhen, damit uns solche Sendungen erspart bleiben, wir wollen die Zwangsgebühr erhöhen, damit solches Billig-Jakob-Format künftig da hinkommt, wo es auch hingehört: in die sozialen Netzwerke und nicht ins öffentlich-rechtliche Fernsehen, denn dazu fehlt schlicht die Qualität, zu schweigen von den unbeholfenen Drohnenversuchen.

Das kann ja jeder, ein Bergtürchen mit einem bekannten Photographen, ein Mountain-Bike Trip mit Girls, Trailrunning mit Girl, Besuch auf der Alm bei Hobbysennen, Werbung für einen Bekannten oder Freund, der Berufsphotograph ist (er habe viele Preise gewonnen!) und dann sind der Sendungsmacherin Katharina Kestler offenbar die Protagonisten ausgegangen, dann wird’s rein privatistisch, dann wird die eigene Familie ausgewrungen.

So peinlich wie hier dürfte das öffentlich-rechtliche Fernsehen noch kaum den sozialen Medien hinterhergehechelt sein und so deutlich dürfte es bisher kaum bewiesen haben, dass das nicht funktioniert – am A ist finster -, dass sein Auftrag ein anderer ist, als private Bergausflüge mit Zufallsgeplauder in Minderqualität auf Zwangsgebührenzahlerskosten zu finanzieren.

Dazu besoffene Musik.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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„Herzlich Willkommen in Sobibor.“

Sobibor war ein deutsches Vernichtungslager der Nazizeit. Es war das einzige, in welchem den Gefangenen ein großer Ausbruch gelungen ist.

Diese Geschichte erzählt Konstantin Khabenskiy als Regisseur sowie als Protagonist nach dem Drehbuch von Michael Edelstein und Anna Tchernakova. Er spielt den russischen Gefangenen Alexander Pechersky, der den Ausbruch organisiert. Sein Gegenspieler ist Lagerkommandant Karl Frenzel (Christopher Lambert).

Khabenskiy schildert die ganze Perfidie eines solchen Vernichtungslagers, die sich in konkreten Einzelheiten äußert („Ich musste aus Zahngold eine Krawattennadel herstellen“), indem er sich Zeit lässt für die zynische Menschlichkeit, die noch aufrecht erhalten wird als glaubwürdige Perversität und eben nicht als Trash.

Er fängt mit der Ankunft eines Zuges von Juden an. Die kommen im normalen Personenzug, sind in Zivilklamotten, ahnungslos und haben einige Habseligkeiten dabei. Eine Musikkappelle spielt auf. Aus dem Lautsprecher tönt in Endlosschlaufe „Herzlich Willkommen in Sobibor!“.

Den Ankömmlingen wird vorgegaukelt, sie würden hier nur für wenige Tage untergebracht bis zur Umsiedlung. Die Lüge wird auf dem Fuß sichtbar. Die Frauen sind dankbar, dass sie zuerst zum „Duschen“ geschickt werden. Mehr braucht dazu nicht gesagt werden.

Arbeitsfähige Männer kommen erst davon. Sie werden eingesetzt für Gartenarbeiten oder für das Aussortieren der Kleider und Habseligkeiten der Vergasten und für handwerkliche Arbeiten. Ab und an müssen sie für Offiziersbelustigungen herhalten. Oder bei einem kleinen Delikt wird jeder Zehnte erschossen. Trotzdem bleiben sowohl Täter wie Opfer immer Menschen. Das ist das schwer Ertragbare.

Die Gefangenen trauen sich kaum, auch nur den Gedanken an einen Ausbruch zu artikulieren. Ein misslungener Versuch wird gezeigt. Den Weg dieses Gedankens verfolgt Khabenskiy genau. Und den Widerstand dagegen, denn der Anpassungsdruck in der Situation der Unterdrückten ist enorm.

Schließlich aber und nachdem einige der Gefangenen sich mit dem Gedanken des Totenmüssens gegen das Massentöten vertraut gemacht haben, wendet sich der Film zum befreienden Revenge-Stück, genüsslich im Detail – gerade im richtigen Moment marschiert eine schnatternde Gänseherde an einer Baracke vorbei, in der ein deutscher Offizier schreit, weil er gerade umgebracht wird -, und feiert den Ausbruch als das was es ist, eine seltene Aktion mindestens momentweiser Umkehrung der Machtverhältnisse der perfektionierten Vernichtungsmaschinerie eines KZs („Ausbruch unmöglich“) .

Die Nazis empfinden das als Schande, fühlen sich so verletzt, dass sie den Beweis ihrer Schande, also das Lager, dem Erdboden gleichmachen. Die Schilderung des KZ-Alltages ist sicher nichts für schwache Nerven – aber die Naziverbrechen waren so ungeheuerlich, dass immer wieder daran erinnert werden muss. Im Vergleich zu manchen deutschen Aufarbeitungsfilmen ist das cineastisch exzellent gelungen, die fast zwei Stunden vergehen wie im Fluge.

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Zweimal Großartiges aus Großbritannien. Einmal Engagiertes aus Frankreich. Einmal Verzetteltes aus Österreich. Eine schwere Last aus Deutschland. Und schon am Mittwoch startete ein weiterer Marvel-Megabuster. Im TV gab’s einen wenig geglückten Spielfilm über ein historisches, ökonomisches Experiment, eine ebenbürtig verunglückte Doku dazu und eine spitzenmäßige Doku über einen großartigen Fotografen. In der Mediathek von arte geht es TV-bildungskulinarisch zu.

Kino
TEA WITH DAMES
Wenn die vier britischen Grand-Dames auspacken, erschüttert es das Teeporzellan.

EIN LETZTER JOB – KING OF THIEVES
Ist doch ganz alltäglich und banal, so ein letzter Bruch, nicht?

STREIK – EN GUERRE
Über den Gierkapitalismus.

WIE ICH LERNTE, BEI MIR SELBST KIND ZU SEIN
Die Bio eines späteren Zirkusgründers aus Österreich verzettelt sich.

ATLAS
Auf diesen welttragenden Film aus Deutschland hat die Welt gewartet.

AVENGERS: ENDGAME (Kritik 2)
von Comic-Spezialist Harald Witz!

AVENGERS: ENDGAME
Um sagen zu können, „wir haben gewonnen“, bietet Hollywood alles auf, was es nur kann.

TV
DAS WUNDER VON WÖRGL
Stereotyp erfundenes Menschenmaterial erläutert ökonomische Theorie.

DER GELDMACHER
Ausgerechnet mit Spielfilmmaterial, was auf dieser Doku beruht, will die Doku sich selbst plausibilisieren.

DAS SALZ DER ERDE
Exzellenter Filmregisseur porträtiert Weltklassefotografen.

DAS VERMÄCHTNIS DER ZISTERZIENSER – ITALIEN
Ein fliegend-beschwingter Bericht über die Zisterzienser und einige ihrer Architekturperlen in Italien.

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Das Ende einer Reise

Von Harald Witz

Mit „Avengers Endgame“ kommt ein ambitioniertes und einzigartiges Langzeitprojekt zu einem bemerkenswerten Höhepunkt und zu einem vorläufigen Abschluss. Nach elf Jahren, 21 milliardenschweren Blockbustern und zahlreichen TV-Serien triumphiert Kevin Feiges Vision vom Marvel Cinematric Universe, in dem es seine Stars in die schauspielerische Rente schickt  und ihnen endgültig Legendenstatus verschafft. Als direkte Fortsetzung des actiongeladenen „Avengers Infinity Wars“ überrascht der Dreistünder Fans und Neugierige durch eine elegante Strategie der Negierung ihrer Erwartungshaltung. Gleichzeitig setzt das Regie-Duo Anthony und Joe Russo dem gewaltigen Vermächtnis seines Erfinders Stan Lee ein gebührendes Denkmal, wenn es Lees maßgebliche Ur-Erfindung vom menschlichen Superhelden in den Mittelpunkt seiner Erzählung stellt.

Start: 24.04.2019

Nach drei Jahren Vorbereitung startete Kevin Feige 2008 ein überaus kühnes und ehrgeiziges Projekt, wie es zuvor noch kein Filmemacher auch nur angedacht hatte. Er transferierte Stan Lees erfolgreiche Strategie aus dem Comicbereich, die Superhelden und Superschurken aus einzelnen Serien miteinander interagieren zu lassen, sprich: gemeinsame Abenteuer zu erleben, mit Jon Favreaus „Iron Man“ auf die Leinwand. Drei Phasen über die Dauer einer Dekade wurden dafür ausgerufen, Einführung – Etablierung – Finale, und schon vor dem ersten Höhepunkt („Avengers“, 2012) war klar, dass das teure Wagnis ein Riesenerfolg werden würde.

Mit den back-to-back gedrehten „Avengers: Infinity Wars“ (2018) und „Avengers: Endgame“ wird dieses visionäre Großprojekt nun zum Abschluss gebracht. Der Vergleich mit anderen Filmgroßprojekten wie „STAR WARS“, den „Herr der Ringe“- und „Hobbit“-Trilogien oder der „Harry Potter“-Reihe hinkt dabei in vielerlei Hinsicht, und nicht nur, weil hier die Einzelfilme auch für sich selbst stehen können. Wie schwierig der Triumph von „Endgame“ zu bewerkstelligen war, demonstrieren die gescheiterten Bemühungen des Comic-Konkurrenten DC, und kann deshalb nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Bereits nach einer Viertelstunde der dreistündigen Laufzeit des Werkes haben die Russo-Brüder den Zuschauer sämtlicher Hoffnungen beraubt, dass irgendwelche medial gestreuten Gerüchte über die Handlung zutreffen könnten, sämtliche bekannten Trailer-Schnipsel wurden von hier entnommen. Selbst die Kenner der Vorlagen-Trilogie von Jim Starlin, die mit der Einführung von „Captain Marvel“ mit einer gewissen arroganten Vorfreude das Finale herbeisehnten, werden von den Drehbuchautoren Joss Whedon und Zak Penn um ihr hämisches „Ich hab‘s ja schon vorher gewusst“ gebracht.

Nun, dass Thanos obsiegte, die Hälfte des universalen Lebens auslöschte und verschwand, war Gegenstand von „Infinity Wars“. Wie die geschlagenen und die überlebenden Avengers um Tony „Iron-Man“ Stark (Robert Downey jr.) und Steve „Captain America“ Rogers (Chris Evans) damit umgehen – darum geht es in weiten Teilen dieser Exkursion ins Reich der Superhelden. Das übermenschliche Heldentum ist gebrochen und wird von den Machern runtergebrochen auf das Essentielle, den Menschen und seine Emotionen. Das ist reinster Stan Lee. Er kreierte seine Helden als Figuren mit menschlichen Schwächen, die auf das Leben und das Schicksal reagieren wie Menschen es eben tun, und nicht wie ein buchstäblich gottgleicher Übermensch wie ein hölzerner Stählerner der DC-Konkurrenz.

Selbst der hauseigene Gott Thor (Chris Hemsworth) darf sich dem nicht entziehen. Daraus ergibt sich folgerichtig die weitere Handlung, die sich als dramaturgisch fesselnd erweist- aber nicht wegen effekthaschender Action, sondern wegen einer elegant ausbalancierten Mischung aus Drama, Emotion und – typisch Russo-Brüder – viel Humor.

Selbst die überschwänglichen Reaktionen der US-Kritiker nach US-Premiere mit ihren begeisternden Jubelrufen führen eigentlich in die Irre. Dieses poppig-bunte Entertainment-Paket spielt eher mit den üblichen Mechanismen solcher Leinwandepen, erfüllt allenfalls ein paar Notwendigkeiten (Action, Kämpfe, Schlachten), gönnt ihnen aber weder Breite noch übersteigernde Bedeutung solcher Serienfinalen (siehe „Schlacht der Fünf Heere“). Die Russo-Brüder konzentrieren sich auf einen Diskurs, der sich um die Definition von Menschlichkeit und Identität bemüht und sich zum Beispiel in mehreren Vater-Sohn-Beziehungen ausdrückt. Eine erstaunlich tiefgründige und berührende Debatte, die lange das Tempo der Erzählung mäßigt, ohne dabei auch nur eine Winzigkeit an Spannung zu verlieren.

Ein Superhelden-Film, der sich mit Trauerarbeit beschäftigt, kann nur mutig genannt werden (ähnlich mutig wie vor zwei Jahren „Logan“). Und dennoch findet es genügend Spielraum für zahlreiche Referenzen und Kommentare auf die neuere amerikanische Geschichte: „Endgame“ liefert, gerade von außen betrachtet, eine positiv konnotierte Zurschaustellung des amerikanischen Optimismus und anderer vermeintlicher Tugenden. Nicht pathetisch propagiert sondern mitfühlend erlebbar gemacht. Offen wie selten treten die Helden für Toleranz, Vertrauen und Dialog ein – und gegen Gier, Isolationismus und Rassismus des Trumpismus unserer Zeit, elegant ausgedrückt in dieser überdeutlichen Geste der Schlussszene, wenn der Schild des Patrioten weitergereicht wird.

„Avengers: Endgame“ verblüfft schließlich als Verneigung der Macher vor seinen Schöpfern: Stan Lee und die Armada an Schauspielstars. Nicht nur, dass der Abgang der Urbesetzung mit ehrenvoller Huldigung zelebriert wird. Auch jene, die immer ein wenig zu kurz kamen (wie z. B. Jeremy Renner), erhalten dieses Mal ausreichend Raum zur Entfaltung. Deshalb stören die nicht immer stimmigen CGI-Effekte und kleinen Anschlussfehler gar nicht. Vielmehr vereinigt diese unterhaltsame Retrospektive des unglaublichen MCU-Projektes noch einmal beinahe alle relevanten Figuren in einem gigantischen Panorama.

„Avengers: Endgame“ ist ein Instant-Meilenstein der Filmgeschichte geworden, der humorig und pathosfrei zweifellos alle Rekorde an den Kinokassen brechen und maßgeblich fürs zukünftige Blockbuster-Kino sein wird. Schließlich widersteht es lange diesem unerträglich gewordenen Leinwand-Gigantismus, in dem es die übliche Helden-Apotheose auf das menschlich Mögliche reduziert.

Der Film ist das erfolgreiche Ende einer langen Reise aber nicht das Ende des MCU. Auch wenn sogar der letztes Jahr verstorbene Stan Lee im Auto sinnig Abschied nimmt, so geht es – wie in den Comics (seit bald 70 Jahren) – immer weiter, immer weiter. Die nächsten Abenteuer, die neue Phase IV des MCU, sind bereits in Arbeit: „Spider-man: Far from Home“ kommt am 4.7. in die Kinos. Und die Sequels „Black Panther 2“, „Guardians of the Galaxy Vol. 3“ und „Doctor Strange 2“ sind bereits in Produktion.

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Heimwerkerkino.

Dieser Film von Anthony und Joe Russo nach dem Drehbuch von Christopher Markus, Stephen McFeely + 3 legt doppelt Zeugnis ab vom ewigen Existenzkampf des Menschen.

Zum einen als die Geschichte von Tony Stark und seiner Avengers-Mannschaft im Kampf gegen das Böse mit dem Ziel am Schluss sagen zu können: wir haben gewonnen.

Aber auch als Schmauchspur des harten Kampfes in Hollywood um die Topposition im Abspann. Hier kommen die wichtigsten Namen nicht zuerst wie üblich, der Film legt seinen Weltstars einen schier orgiastischen Abspannteppich aus mit einem Who-is-Who der Namen Hollywoods, für jeden einen größeren Auftritt, für jeden mehr Spezialerwähnung, dass sich der Kotau schier überschlägt. Aber der Top-Name, also derjenige, der zuletzt kommt, soll hier nicht gespoilert werden.

Hollywoodhierarchien. Die bemessen sich nicht an Kunst, die bemessen sich an Einspielergebnissen. Diese wiederum sind eine Folge gnadenlosen Kalküls und ebensolcher Kundenfreundlichkeit. Der Kunde ist der Held. Der Film ist nah am Alltag des gemeinen Mannes. Eine kleine Farm, Landleben, Familie. Die Eskapaden der Avatar sind kompensatorischer Natur.

Die Avengers müssen die Pleite vom letzten Film (die halbe Welt zertört) verdauen, womöglich ungeschehen machen. Sie verstehen sich auf Zeitreisen. Die Kundenfreundlichkeit, die von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit ist, zeigt sich darin, dass die Zeitreisegeräte näher bei Heimwerkermarkt angesiedelt sind als in futuristischen Hightechgefilden (diese kommen trotzdem zur Genüge zur Geltung), dass das richtige Rumpelgeräte sein können – was Anlass zu Spielereiszenen gibt, die wiederum die begrenzte Macht des Menschen über die Maschinen köstlich demonstriert.

Die Zeitreisetechnik ist dem Film eine eigen Flachsszene wert, zu diskutieren, ob es möglich sei, in der Zeit zurückzureisen, um die Zukunft nachträglich noch zu verändern, zu beeinflussen. Wobei der Diskurs sich vor philosphischen Untiefen aus Gründen des Entertainments herummogelt.

In seiner Machart ist der Film vorzüglich verfugt, wie bei sorgfältigem Heimwerk eben, nie wird der Bezug zur kleinen Alltäglichkeit aus den Augen verloren, ob es sich um das Herrichten eines Sandwiches oder um eine bei einer Zeitreise verloren gegangene Unterhose handelt. Auf die Familie als den Urquell menschlichen Glücks, Seins und menschlicher Bestimmung wird regelmäßig verwiesen, sowieso in der Rahmenhandlung. Damit der Kunde andocken kann.

Das Hauptcorpus des Filmes ist gefüllt von Zeitreisen, die die Avengers unternehmen müssen, um Power-Steine (der Macht, der Seele etc. ) zusammenzubringen, die ihnen die Macht zur rückwirkenden Veränderung des Schicksals geben soll; Motto: 6 Steine, 3 Teams, 1 Shot.

Dann geht es auf eine gewaltige, apokalyptische Endschlacht zu, mit dem Ziel, den Satz „we won“ artikulieren zu dürfen. Darnach wird dem Film ganz rührselig und melancholisch, wie er die verschiedenen Handlungsstränge in Richtung Endbild bündelt.

Auch des Kunden Problem mit der Größe wird bedient; dazu kommt das Riesenelement und das Winzlingselement zum Zug – welcher Mensch erlebt es nicht, dass er sich klein vorkommt und dass er gerne ein Riese wäre – oder auch mal umgekehrt. Mit diversen Monstern wird des Menschen Geisterbahnsehnsucht erfüllt und auch der starke Arm spielt eine Rolle. Momente von Folksmusik bedienen – kundenfreundlich – ein volkstümliches Element.

Nah am Alltag. „Let’s go get this sort of a bitch“. „He is an idiot“. „We won“.

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Dieser Film von Rupert Henning nach dem Drehbuch von Uli Brée nach dem Buch von André Heller wirkt wie zwei Filme.

Der erste Film, das ist derjenige, der von Karl Markovics als Roman Silberstein dominiert wird. Er residiert in einem riesigen Schloss mit seiner Frau Emma (Sabine Timoteo) und seinem 12jährigen Buben Paul (Valentin Hagg).

Roman ist ein brutaler Tyrann, so könnte Markovics auch den König Ubu spielen. Der Film fängt im Sommerurlaub mit einer Szene am See an, in der es hart zu und her geht. Paul soll nach den Ferien ins Internat gesteckt werden. Es ist ein starres Knabeninternat mit pervers und schmierig dreinschauenden Patres, Unterdrückung der Knaben wie nur möglich, Schläge inbegriffen.

Paul verliebt sich aus dem Dachfenster heraus in ein Mädchen, das mit roter Jacke auf einem Schimmel auf dem Nachbarsgrundstück reitet. Die Patres haben dem Jungen längst eingebläut, dass Berührungen, Gefühle, Nähe sündig seien.

In seiner ersten Phase wirkt der Film wie eine Aneinanderreihung von knallig inszenierten und mit bärbeißiger Kamera aufgenommenen, knappen, hochgebürsteten Flash-Szenen am Rande des Kabaretts – oder wie Zirkusnummern.

Der Junge beeindruckt durch seine perfekten, schwierig – sozusagen altklug – formulierten Sätzen und dem Ernst, mit dem er sie vorträgt. Inhaltlich geht es um die Autonomie der Person, dass er das tun möchte, was er für richtig hält; dem voraus geht ein Überprüfen der Träume. Diese hält er in einem Buch fest. Es sind Zirkusträume.

Der zweite Film setzt nach dem selbst gewollten Tod des Vaters ein (hier lässt Markovics nochmal so richtig die Schauspielersau raus). Jetzt melden sich seine Brüder, Emigranten aus verschiedenen Ländern und Kontinenten. Paul hat die Freiheit gewonnen.

Es ist merkwürdig zu beobachten, wie der Film plötzlich extensiver wird, als ob er sich verläppert, als ob ihm der Dompteur Markovics fehlt. Jetzt verschwiemeln die Formen. Der Junge, obzwar frei und auch in vielen verschiedenen Kostümierungen zu sehen, wirkt nicht mehr so interessant wie im formal zwingenderen ersten Teil.

Der zweite Teil wirkt wie nachgeschobene Erklärungen zur Familiengeschichte inklusive Holocaust.

Ein nochmal gründliches Durchkämmen des Drehbuches hätte dem Film nur genützt und ihn angenehm gekürzt.
Es dürfte sich um die Bio von André Heller handeln, dem Mitbegründer des Zirkus Roncalli.

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Die von der britischen Königin zu „Damen“ geadelten Schauspielerinnen Eileen Atkin, Judi Dench, Joan Plowright, Maggie Smith könnten mit ihrem jahrzehntelangen Wirken so manche Hintergrundgeschichte aufdecken, die große Namen in einem anderen Lichte erscheinen ließe. Aber sie sind „Damen“. Und großartige Schauspielerinnen dazu.

Seit Jahren treffen sich die vier geadelten Actricen ganz privat einmal jährlich zum Tee, zum Ratschen, zum Schwatzen und auch ein Gläschen trinken in einem schönen britischen Cottage.

Roger Michell hatte die Idee, dieses Teekränzchen ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, es mit ordentlichem Hinter-den-Kulissen-Aufwand an Kamera, Licht, Ton, Maske inklusive Regieanweisungen und Zwischenfragen dokuzuinszenieren.

Und da die Damen allesamt unübertroffen erstklassige Darstellerinnen sind, erfüllen sie ihm den Wunsch mit Würde und Nonchalence.

Michell lässt sie nach Themen geordnet Anekdoten erinnern und blendet dazu Fotos, Filmausschnitte und Mitschnitte von Theateraufführungen, Talkshows sowie Blitzlichtgewitter, Preisverleihungen oder königliche Ehrung ein.

Ab und an tritt die Maske ins Bild, der Tonmann, der Kameramann, der Regisseur moderiert mit Zwischenfragen und Themenwechsel.

Herausgekommen ist eine herzhaft herzerwärmende Plauderei, die einen so hineinzieht, dass man beim Verlassen des Kinos verwundert feststellt, dass in München eisiges Januarwetter herrscht (am Tag einer der Pressevorführungen im Kino Neues Gabriel, das inzwischen den öffentlichen Spielbetrieb eingestellt hat).

Wobei keiner glauben soll, dieses Kränzchen laufe ohne Kamera genau so ab. Die Damen lassen lediglich ab und an die Schärfe ihrer Denke durchblicken, das Konkurrenzverhalten, das Reden über andere Kollegen (Dame Edi mit den je speziellen Zähnen zum Sprechen und zum Essen!), Glanzrollen, die Zusammenarbeit mit dem Gatten (da fragen fast alle gleichzeitig, „mit welchem?“), oder Maggie Smith deutet ihre Fluchkünste, für die sie bekannt sei, nur an. Man ist ja unter Damen – und diesmal gleichzeitig in (hoffentlich) großer Kinogesellschaft.

Wer den Damen wenig abgewinnen kann, was kaum vorstellbar ist, der wird entschädigt durch die kurzen Ausschnitte aus umfangreichem Archivfootage und wundert sich, wie in den 50er oder 60er Jahren Shakespeare gespielt wurde. Der Film beweist: der Stoff von Theater und Film, das sind Träume.

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Gibt es einen guten Kapitalismus?

Kürzlich ging ein Schweizer Dokumentarfilm mit drei Beispielen auf das Thema ein: Fair Traders. Im letzten Jahr gab es den Spielfilm A Fabrica de Nada, einen kapitalismusphilosophischen Film aus Portugal. Auch dort ging es um die Schließung einer Fabrik.

Dieses Themas hat sich jetzt – Zeit der gelben Jacken in Frankreich – Stéphane Brizé (Ein Leben) fiktional angenommen.

In Agen soll ein Werk des deutschen Konzerns Dimken wegen Unrentabilität geschlossen werden. Es ist ein Autozulieferer, der in Frankreich noch ein zweites Werk betreibt. 1100 Arbeitsplätze werden in der vernachlässigten Region verloren gehen.

Das Problem ist, dass Dimken damit eine Verabredung mit den Gewerkschaften bricht. Vor zwei Jahren stand es schon kritisch um den Standort. Die Arbeiter machen enorme Konzessionen, arbeiten 5 Stunden die Woche gratis, um die Arbeitsplätze zu retten.

In der Konzerleitung in Deutschland ist man aber von der aktuellen Rendite von 3 Prozent nicht begeistert, 7 Prozent sind angestrebt. Der Grund für die Schließung ist also ultrakapitalistisch.

Stephan Brizé berichtet eng getaktet über die Entwicklung der Dinge, die Arbeitsniederlegungen, die Forderung, mit dem CEO Martin Hauser von Dimken persönlich zu sprechen. Die faulen Ausreden, warum er nicht kann. Den Versuch mit dem Präsidenten von Frankreich zu sprechen. Immerhin stoßen sie bis zum Sozialberater des Elysée vor.

Es gibt einen negativen Gerichtsentscheid. Durchhalteparolen mit der Arbeitsniederlegung. Versuch der Firma mittels Abfindungen einzelne Arbeiter zu ködern. Bis endlich, nach Monaten, Herr Hauser auftaucht und die Dinge aus dem Ruder laufen.

Stéphane Brizé erzählt diese Geschichte wie ein Schlachtengemälde, die Leinwand immer voll mit dicht gedrängten Arbeitern, Ordnungskräften, den Funktionären und Vertretern von Staats- und Unternehmermacht, wobei die einzelnen Vertreter differenzierte Positionen beziehen.

Unter dem Gemälde brodelt kaum zähmbare Emotion. Diese gibt der Gewerkschaftler Laurent Amédéo (Vincent Lindon) vor. Auf der Tonspur wird das von einem antreibenden Sound wie in Rückkoppelung unterstützt. Und da es sich um einen Film handelt, hat Brizé sich ein dramatisches Ende ausgedacht.

Dem Film voran stellt Brizé den Brechtsatz: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren“. Der Originaltitel ist kämpferischer als die deutsche Version: „Im Krieg“, heißt er.

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Der Verzicht auf cineastische Brillanz und die fast dokumentarische Sprödheit und Nähe zu den Figuren führen zu Empathie mit den alten Männern von Tresorräubern und unvermittelt, wie vor einem Abgrund zur Frage: was ist nun mit der Zukunft im Alter?

Der Film von James Marsh (Vor uns das Meer, Die Entdeckung der Unendlichkeit) nach dem Drehbuch von Joe Penhall bezieht sich auf einen Magazin-Artikel von Mark Seal. Dieser berichtet über einen der aufregendsten Tresoreinbrüche in England aus der neuesten Zeit, nämlich von 2015.

Als Kopf Brian Reader der Bande legt Michael Caine ein nicht mehr relativierbares Profitum an den Tag. Ihn unterstützen die Senioren „Billy the Fish Lincoln“, Terry (Jim Broadbent), Danny (Ray Winstone), Kenny (Tom Courtenay) und Carl (Paul Whitehouse).

Der einzig jüngere ist Basil (Charlie Cox), der kennt sich mit Alarmanlagen aus und ist deshalb unentbehrlich. Er ist der einzige, der bis heute nicht bekannt und auch nicht gefasst ist.

Nach einigem Vorgeplänkel mit dem Tod von Lynne (Francesca Annis) kommt angesichts drohender Leere im Leben von Brian die Idee mit dem Bruch ins „Hatton Garden Safe Deposit“ auf. Die Verlockung ist zu groß, das Einbrechen zu simpel, als dass die Altherren, die kriminelle Geschichten hinter sich haben, nein sagen könnten.

Zu schmissig-jazzigem Sound erzählt Marsh in prosaischer Alltäglichkeit, aber flott dieses „guilty pleasure“ (oder auch den „Rave“) der Senioren mit ihren Wehwehchen (von Diabetes über Schwerhörigkeit bis zum latenten Einnicken), Planung, Bruch und wie die Probleme mit dem Verteilen der Beute erst richtig beginnen.

Derweil gibt es aufmerksame Fahnder – und teils ganz attraktive! – bei Scotland Yard. Und es gibt einen filmgeschichtlichen Querverweis zu „Das Glück kam über Nacht“ von Charles Crichton mit Alec Guiness von anno 1951.

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Untertanenkino.

Dass es sich um Untertanenkino handelt, beweist allein schon im Anspann der Kotau vor den Förderern und Fernsehanstalten, die offenbar ihr Teil zu dem Murks beigetragen haben.

Atlas ist hochgegriffen. Es betrifft den Protagonisten Walter (der Familienname „Scholl“ ist auch noch mit Naziwiderstand belastet), Rainer Bock. Der ist ein bestens beschäftiger männlicher TV- und Kinochargendarsteller; hier soll er aber nicht nur die Last des Protagonisten, sondern auch eine gewaltige Schicksalslast tragen, die ihn uns fremd erscheinen lässt und ihn handlungsunfähig macht.

Die Film- und Fernsehbürokratie will diesem treuen Darsteller (faktisch: weisungsgebundener Tagelöhnerschauspieler, der nach Drehtagen bezahlt wird) den Traum von der Kinohauptrolle erfüllen. Der dürfte sich in diesem Falle als Leinwandgift entpuppen. Wer will schon Rainer Bock als handlungsunfähigen Möbelpacker sehen (sollte das Publikum dem Film die Bude einrennen, so muss ich wohl etwas Wesentliches übersehen haben).

Das liegt aber auch am Drehbuch, das der Regisseur David Nawrath mit Paul Salisbury geschrieben hat. Nicht nur ist Walter Umzugsarbeiter – die tragen schon schwer, – noch schwerer wirkt das Schicksal, das er unter Dauerbedröppelungsmusik durch den Film schleppt, so schwer, dass er faktisch handlungsunfähig wird.

Die wenigen Handlungen, die er dann doch tut, wirken grotesk daneben, fern jeglicher menschlicher Erfahrungswelt, wie von weltfremden Drehbuchautoren, die auch noch das Thema Entmietung unterbringen wollen, aus den Fingern gesaugt.

Dieser Walter lebt karg eingerichtet allein. Er hat eine kriminelle Vergangenheit sowie einen Sohn, den er mit vier Jahren verlassen und nie wieder gesehen hat. Den erkennt er bei einer missglückten Zwangsräumungsszene (doppelt missglückt, inszenatorisch wie auch vom Drehbuch her, denn der Mieter hat den Mietrückstand längst bezahlt).

Vergeheimnissung: dem Zuschauer wird vorenthalten, wie Walter glaubt, in Jan Haller (der beflissen spielende Albrecht Schuch) seinen Sohn zu erkennen. Der wiederum hat einen vierjährigen Sohn, also Walters Enkel.

In der Grauzone von Entmietung und Angst vor der Polizei wegen nichtverjährtem Verbrechen, versucht Walter nun höchst linkisch seinem Sohn zu helfen. Er soll, so scheinen es die Autoren erzählen zu wollen, in die hässliche, verbrecherische Stadt Frankfurt einen Hauch Humanität hineintragen („Walter, Du bist der einzige hier, auf den ich mich verlassen kann“, sagt ein Kollege).

Die Dialoge bewegen sich auf der einfältigsten Oberfläche: „Ich geht jetzt kurz mal rein, du bleibst schön hier und hältst dich fest“, könnte die Bitte an den Zuschauer sein.

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