Ein leises, non-aggressives Votum für „eine Postwachstumsökonomie, die Ethik und Nachhaltigkeit ins Erfolgszentrum rückt“, wie es im Regiestatement von Nino Jacusso (Shana – Das Wolfsmädchen), des Autors und Regisseurs heißt, oder wie Ernst Bloch es nannte: die „Konkrete Utopie“.

Jacusso präsentiert unaufdringlich drei Menschen, die unter Kapitalismus nicht Gewinnmaximierung mit allen Mitteln verstehen. Sie setzen ihr Kapital allerdings ein für ihren Produktionsbetrieb und der muss schwarze Zahlen schreiben.

Wie Patrick Hohmann meint, sein Ziel ist ein Gewinn von 2 oder 3 Prozent und nicht von 30 oder 40. In Indien funktionierte das noch nicht richtig, in Tansanien kommt er dem Ziel schon näher. Er baut Biobaumwolle an. Er möchte, dass die Bauern eine Zukunft haben, dass sie ein gewisse Preissicherheit haben. Er hat Großabnehmer in der Schweiz.

Claudia Zimmermann, die Biobäuerin in der Schweiz hat ihr ganzes Erspartes eingesetzt, um ihren Biobauernhof mit Hofladen aufzubauen. Das war und ist nicht einfach. Denn die Ware muss im Laden sein, wenn er öffnet. Das war nicht allen ihren Lieferanten von Anfang an klar. Andere haben mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, dass sie fragt, wieviel Geld sie für die Tomaten brauchen. Und es auch bekommen. Sie lässt von einer Enthusiastin Brot backen. Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen, wenn diese biologischen Erzeugnisse ins Bild rücken.

In Augsburg hat Sina Trinkwalder ihr ganzes Vermögen in die Grüdung eines Textilunternehmens investiert, das heute 150 Angestellte hat. Auch sie möchte die Menschen langfristig beschäftigen. Dank Großkunden wie DM ist ihr Konzept aufgegangen, mit Leuten ohne Chancen auf dem kapitalistischen Arbeitmarkt Taschen aus biologischen Rohstoffen oder recycleten Produkten herzustellen und auch einen Markt dafür zu schaffen. Auch das ist nicht immer leicht. Manche ihrer Arbeiter und Arbeiterinnen, sie spricht von den Ladies, nehmen es mit der Arbeitszeit nicht so genau, sie stempeln zwar, aber dann wird eifrig telefoniert, geraucht oder manche melden sich krank und arbeiten derweil woanders, das ist nicht tolerierbar, da muss eine geharnischte Chefinrede her – die Jacusso diskret über die Tonspur laufen lässt, während er Impressionen aus der Fabrik zeigt.

Kleine, aber ermutigende Beispiele gegen die Auswüchse des Turbokapitalismus. Beispiele, in denen die Qualität des Lebens über die Maximierung des Gewinnes aus dem Kapital gestellt wird. Wobei letztlich die Kunden darüber entscheiden, ob diese Produkte eine Zukunft haben.

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