Die Goldfische

Die Jagd nach dem Geld

oder: Behinderte sind auch nur normale Katastrophen-Menschen, das sind die Themen dieser teils rabenschwarzen Komödie von Alireza Golafshan.

Oliver (der großartige Tom Schilling) ist Portofolio-Manager, wie er sich nennt. Einer der auf die Art Geld macht wie die Investment-Banker. Einiges davon glaubt er in einem Schweizer Banksafe in Sicherheit. Bevor diese Sicherheit schwindet und er das Geld retten will, kommt ihm seine Ungeduld in einem Stau in die Quere.

Die Jagd nach dem Geld ist von Hindernissen begleitet. Er prescht mit seinem Maserati auf der freien Spur links neben einem Stau vor und baut einen leinwandtauglichen Crash. Aufwachen in der Klinik. Lähmung beinabwärts. Rollstuhl. Reha.

Aber die Jagd nach dem Geld ist eine Sucht, sie geht weiter. Handy-Empfang in der Rehaklinik ist schlecht. Oliver sucht sich Räume, trifft auf die Therapiegruppe „Die Goldfische“, das sind Menschen mit Behinderungen. Die wird ihm bei seiner Jagd nach dem Geld nützlich. Denn das Bankgeheimnis in der Schweiz wackelt. Oliver unternimmt eine vorgebliche Heilungsreise mit der Gruppe in die Schweiz, um das Geld zurückzuschmuggeln. Eine Einkaufsszene in einem Supermarkt liefert ihm den nötigen Geistesblitz.

Die Grundideen des Filmes, die Jagd nach dem Geld sowie die verrückte Reise einer Behindertengruppe – die wird der Höhepunkt des Filmes -, erinnern im Hinblick auf die Jagd des Menschen nach dem Geld an den Film „The Million Pound Note“ (Sein größter Bluff) von 1954 mit Gregory Peck und, was das fröhliche Katastrophengenre anlangt, an „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ von 1980 von Jim Abrahams.

Allerdings befinden wir uns hier nach wie vor im Bereich des subventionierten deutschen Kinos und da traut man sich offenbar immer noch nicht volle Pulle gleich von Anfang an mitten hinein in eine Komödie einzusteigen – also die müsste gleich starten mit dem Beladen des behindertengerechten Buses der Tarnach-Stiftung mit der Betreuerin Laura (Jella Haase), mit der poetischsten Figur mit dem View-Master, Michi (Jan Henrik Stahlberg), mit dem Waschzwang-Typen Rainman (Axel Stein), mit der blinden Schnapsdiebin Magda (Birgit Minichmayr), mit Franzi (Luisa Wöllisch) und dem robusten Pfleger Eddy (Kida Khodr Ramadan).

Bis es hier im Film allerdings so weit ist, ist schon etwa eine Stunde vergangen, in der der Film sich eher wie ein Themenfilm zum Umgang mit Behinderten gibt, versucht, Verständnis für Behinderte zu generieren.

So wird auch das Problem mit dem schwachen Internetempfang der Klinik viel zu breit getreten, wirkt so wahnsinnig politisch korrekt, wirkt wie ein pädagogisches Kino und somit mehr wie ein netter Fernsehfilm, viel zu erklärend.

Bis dahin leidet der Film merklich unter Timing- und Rhythmusproblemen. Erst mit der Fahrt nach Zürich fängt er an, Tempo zu gewinnen, legt in Zürich deutlich zu und gerät bei der Rückfahrt und dem versteckten Geld in ziemliche Raserei, bei der die Frage auftaucht, ob es sich dabei um ein Bild der Menschheit handelt, die nicht recht bei Sinnen scheint und durch die Welt- und Zeitgeschichte rast, mit Totalverlust von Vernunft und Verstand, abgrundtief schwarzhumorig. Idee von Justyna Müsch.

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