Bungalow triste.

Keine Sonne in dieser novemberlichen Schweiz.

Dabei geht es Meredith (Barbara Auer) und André (Robert Hunger-Bühler) gut. Architekten in der Schweiz. Kinder und Kindeskinder. Swimming Pool. Der ist jahreszeitlich leer. Hier gibt es nur feucht-modriges Laub einzusammeln.

Das Paar ist davor, seinen 35. Hochzeitstag zu feiern. Ordentlichen Sex haben sie immer noch. Sogar mit witziger Anmache. André zieht sich aus dem Zimmer für die Enkel eine aus einem Partyteller gebastelte Schnurrikatermaske über und macht seine im Bett liegende Gattin mit den entsprechenden Lauten auf sein Begehr aufmerksam. Dann geht die Post ab, zumindest im sportlich arbeitsintensiven Sinne.

Du sollst kein Blut spenden.

Meredith wird nach einer Blutspende zum Arzt bestellt. Es sind HIV-Antikörper gefunden worden. Aufgrund dieser Info fängt eine schleichende Erosion der stabil geglaubten Vertrauensbasis des Ehepaares an. Denn bald stellt sich heraus, dass auch André infiziert ist.

Das zeigt Christine Repond (Silberwald), die mit Silvia Wolkan auch das Drehbuch geschrieben hat, zum Gänsehaut bekommen. Der Zuschauer wähnt sich glücklich, dass sie die AIDS-Thematik nur so knapp einführt als Katalysator für den einsetzenden Vertrauensschwund, der die ganze bisherige Ehe in Frage stellt. Ihre beiden Protagonisten spielen das großartig.

Der furchtbare Vorgang gewinnt noch an Stärke durch die lakonische Konstanz der atmosphärischen Novembrigkeit, des Fehlens von Sonnenlicht und auch von Farben.

Dann aber nimmt sich die AIDS-Aufklärung und AIDS-Prävention immer mehr Raum. Das ist vielleicht den fördernden Gremien und Fernsehsendern geschuldet.

Allerdings verwandelt sich die Grauatmosphäre dadurch zusehends in Bedröppelungsatmosphäre und die Frage stellt sich, ob nicht just dagegen plötzlich mehr Licht und auch Farbe hätte gesetzt werden müssen.

Christine Repond arbeitet subtil und präzsie mit ihren Darstellern und gewinnt so hohe Glaubwürdigkeit. Auch sprachlich gelingt ihr dies: Barbara Auer kann problemlos ein leichtes Hochdeutsch sprechen, André mit ihr ein entsprechend deutsch eingefärbtes Schweizerisch und die Schweizer unter sich schalten auf Dialekt um; das wird mit gut lesebaren, deutschen Untertiteln versehen.

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