Erst am Schluss wird klar, dass es sich beim Film um ein Biopic über den Ausnahmetorhüter Bert Trautmann handeln soll und nicht um einen Naziaufarbeitungsfilm.

Denn obwohl er Titelheld ist, behandelt Marcus H. Rosenmüller, der mit Nicholas J. Schofield auch das Drehbuch zu dieser deutsch-britischen Koproduktion geschrieben hat, den Film über weite Strecken wie einen Themenfilm im Sinne eines Beitrages zur Aufarbeitung der Nazizeit.

Entsprechend schlicht sind die Texte geschrieben und die Figuren konfliktfrei als Infolieferanten und Illustrierende erfunden, ohne Facetten: Export, scheint mir, der deutschen Drehbuchkrankheit nach Brexitannien. So dass für den Transport der Substanz des Filmes ein Kurzfilm dicke genügt hätte: ein Kriegsgefangener bleibt in England, weil er ein Weltklasse-Torhüter ist und wird zum britischen Gentleman.

Trautmann, Nazisoldat mit Eisernem Kreuz, gerät 1945 in Kleve mit seiner Truppe in britische Kriegsgefangenschaft und wird in ein Lager in England verbracht. Trautmann (David Kross kommt wirklich gut in der Rolle – wobei er auf das Trautmann zugeschriebene Gentleman-Attribut weitgehend verzichtet) hat Probleme mit den Engländern. Sie kommendieren ihn zum Latrinendienst ab.

Der Gemüsehändler Jack Friar (John Henshaw) beliefert das Lager und entdeckt das Torhütertalent von Bert. Dem Fußballverein des Händlers droht der Abstieg. Jack engagiert ihn und rettet den Verein.

Der Krieg ist zu Ende. Bert bleibt.

Das Thema für diese Phase des Filmes, auf das sich Rosenmüller konzentriert sind die erwartbaren, üblichen Anfeindungen, was, ein Deutscher im Tor!. Hinzu kommt die Tochter Margaret (Freya Mavor). Schon mit dem ersten Blick zwischen Margaret und Bert macht Rosenmüller klar, welch eindimensionale Klischeeliebesstory zu erwarten ist.

Gegen knapp skizzierte Widerstände (filmisch mit kaum Widerstandskraft) mausert sich Trautmann zum Heldentorhüter von Manchester United.

Durch die dünne Charakterisierung der Figuren und die entsprechenden Texte wirken die Szenen behäbig, spreitzbeinig inszeniert, gewinnt der Film kaum Flow und Tempo.

Auch die Musik von Gerd Baumann schwimmt, ob er jetzt einen Themenfilm, einen Kunstfilm, einen Aufarbeitungsfilm (es gibt ein Trauma von Bert in Rückblenden und das entsprechende Schuldproblem), eine Schmonzette, eine Romanze oder eine Heldenstory zu vertonen hat.

Aufregend sind einmal mehr die Archivaufnahmen von den Fußballspielen: die zeigen, wie dramatisch und spannend so ein Film sein könnte.

Umständlich, belanglose Inszenierung.

Rosenmüller sollte lieber seinem Dachauer Hinterland treu bleiben.

Und als kleiner Geschichtsunterricht muss es auch eine Szene mit dem Umerziehungsprogramm geben.

Es stimmen Dimensionen und Relationen, die Wertigkeiten der Szenen überhaupt nicht. Es wird jede Belanglosigkeit gleichwertig und gleich staatstragend inszeniert wie Essentielles.

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