Geballte Ladung Westafrik und deutsches Machertum.

Lena Wendt, die mit Ulrich Stirnat ihr eigenes Westafrikaabenteuer auch als Filmabenteuer auffaßen und vermarkten will, ist unbändig in ihrem Tatendrang und durch nichts aus der Fassung zu bringen. Weder, dass eine arme, unschuldige Frau mittels Hexerritual zur Diebin erklärt wird, wobei die Deutschen fahrlässigerweise bares Geld offen im Auto haben rumliegen lassen, als direkte Einladung an mögliche Diebe – aber eine Frau, die es kaum gewesen sein kann, muss unschuldig büßen, noch dass vermutlich ein Krokodil den Hund der Filmemacherin gefressen hat, hier gibt’s immerhin ein paar Krokodilstränen der Protagonistin, noch kümmert es diese groß, dass ihr Freund Ulrich sich für ein paar Wochen vom großen Trip auf Heimaturlaub verabschiedet, da lebt sie erst richtig auf, surft und geht zur Disco, so geht die Försterstochter aus dem Norden unbeirrbar und egoistisch ihren Egotrip-Weg und hat alleweil und grad wieder ihre metallene Lache parat.

So kann nicht so richtig ein cinéma verité entstehen. Ursprünglich sollte der Trip ein halbes Jahr dauern und nach Südafrika gehen. Daraus sind zwei Jahre Westafrika geworden, über ein Dutzend Länder, viele davon wohltuend wenig touristisch, immerhin das.

Das ergibt zwei Stunden Bilderpower (fast möchte man von Bilderpowder reden), denn immer schneiden sie wieder Natur und Tiere dazwischen, Surfwellen, aber auch endlose Regenzeiten und Matsch auf den Pisten, ständig bleibt ihr massiver Jeep mit Zelt auf dem Dach stecken.

Ulrich findet, er komme nicht zur Ruhe, findet nicht, was er sucht und Lena kann nicht genug kriegen. Insofern stimmt der Begriff „ein Traum“ aus dem Titel nicht, ist eine Irreführung.

Gar nichts erfährt man über die Finanzierung, außer dass im Abspann ein Crowdfunding erwähnt wird. Auch nichts über Heimatkontakte während ihrer Reise. Aber viel Gejuchze, wenn sie sich wieder ins Meer stürzen oder das Abenteuerlich-Urlaubshafte deutlich machen wollen.

Es gab vor kurzem den Abenteuerfilm Weit Der Erfolg des Streifens dieses Paares war umwerfend. Sie hatten eine etwas differenziertere und gleichzeitig einfachere und klarere Haltung zu ihrem Abenteuer. Sie wollten einmal ohne Zeitlimit rund um die Welt reisen, einziges Tabu: Flugreisen. Sie hatten der Welt gegenüber eine demütige Haltung, sie haben sich für die Welt interessiert, dadurch hat diese sich ihnen offenbart – und auch dem Publikum.

Bei Wendt Stirnat dominiert die Macherhaltung, scheint die Leitlinie ihres Handelns zumindest gemischt: sie wollen Selbstdarsteller sein, sie wollen ihr Vergnügen haben, sie sind mit großem Gepäck und Jeep oder Landrover losgezogen und die Kinoauswertung schien von Anfang an fester Bestandteil der Ambition.

Während bei „Weit“ der Eindruck vorherrscht, sie haben quasi Tagebuch geführt und dann geschaut, ob das etwas Auswertbares ergibt.

Auch geben Wendt / Stirnat viel zu viele erklärende Kommentare ab und wollen den inneren Wert der Reise deutlich machen und ihre eigene Wandlung. Zudem sollte die Reise für Ulrich eine Heilungsreise von seinem Burnout sein. Das Paar hatte also schon in sich widersprüchliche Haltungen und war insofern auch übermäßig mit sich selber beschäftigt. So dass Lena sozusagen immer wieder das Gegenteil, nämlich den Spaß, behaupten muss – eine wenig ergiebige Show.

Es gibt auch Szenen, die wirken zu intentional inszeniert, zum Beispiel diejenige mit dem Poeten, der von einem verhafteten Freund berichtet. Insofern ist in dem Film von Wendt und Stirna weniger Unmittelbarkeit. Sie scheinen sich gierig auf Kamerafutter gestürzt zu haben. Dies war wichtiger als die Menschen.

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