The Sisters Brothers

Die Brüder Eli (John C. Reilly) und Charlie (Joaquin Phoenix) Sisters sind als Killer für den Commodore (Rutger Hauer – viel ist er nicht zu sehen in dem Film, er spielt die antreibende Macht im Hintergrund) 1851 unterwegs in Oregon. Ihr Auftrag ist es, Hermann Kermit Warm (Riz Ahmed) zu töten wegen Geldschulden.

Den Kontakt zu Warm soll Morris (Jake Gyllenhaal) herstellen. Es geht darum, in den Besitz von Warms Rezept zur einfachen Goldgewinnung zu kommen. So weit so schlicht, so westernhaft geradeaus.

Regisseur Jacques Audiard, der mit Thomas Bidegain auch das Drehbuch nach dem Buch von Patrick DeWitt geschrieben hat, kann sich nicht damit abfinden, diesen Stoff rudimentär mit Pappfiguren zu verfilmen. Deshalb entsteht diese spezielle Qualität, die einen zwei Stunden in eine andere Welt entführt.

Jacques Audiard setzt mit diesem Western noch eins drauf auf seine Vorgängerfilme: Ein Prophet, Der Geschmack von Rost und Knochen, Dämonen und Wunder – Dheepan.

Er dreht den Film in Europa. Das gibt schon mal eine ganz besondere, fast nüchterne Atmosphäre. Er wählt sorgfältig seine Schauspieler aus. Sorgfalt auch in der Befassung mit den einzelnen Situationen, individuell und gegen jedes Westernklischee.

Warm ist ein wissenschaftlicher Träumer von einer idealen Welt und Gesellschaft. Er hat eine Methode entwickelt, wie ganz leicht Gold zu schürfen ist (der reale Akt später im Film wird sich zu einem unerwartet dramatischen Höhepunkt entwickeln, wenn wie aus dem Nichts die Gier im Menschen erwacht). Er beurteilt Menschen nicht, ob sie lächeln, sondern ob sie auch noch lächeln, wenn man an ihnen vorbeigegangen ist. Deshalb gefällt ihm Morris, der auf ihn angesetzt ist. Deshalb ist auch die Entwicklung dieser Beziehung nicht planbar, nicht voraussehbar.

Morris wiederum ist ein reflektierter Menschen, ein Poet fast, der Tagebuch führt, ein Beobachter, weit entfernt vom Bild eines Westernhelden. Das sind aber auch die beiden Brüder mit dem Familiennamen Sister nicht. Mei, die machen halt ihren Job. Sie sind auf Gedeih und Verderb aneinander gebunden. Einer hat den Vater umgebracht und der andere hat es nur deshalb nicht getan, weil der eine schneller war. Die Mutter will nichts mehr wissen von den Söhnen. Auch sie sind weit entfernt vom Bild von Westernhelden, nicht eimal besonders malerisch, eine filmisch höchst ungewöhnliche Paarung. Mit versteckten Sehnsüchten und Empfindungen, wie eine Szene zwischen Eli und einer Nutte zeigt. Oder die Geschichte mit der Zahnbürste und dem Zähneputzen. Wie ein in einen Teppich eingewirkter Goldfaden wirkt sie und bereichert den Film um eine wunderbare Farbe.

Audiard lässt sich Zeit für seine Figuren und kommt dabei ganz beiläufig auf tiefere Schichten, erschließt die Menschen als Menschen mit einer Geschichte, mit einem Schicksal innerhalb dessen sie agieren. So ermöglicht er immer wieder unerwartete Wendungen, wobei nichtsdestotrotz Leichen den Weg der beiden Brüder pflastern.

Das macht den Film so groß, dass er anhand von kleinen Dingen die Geschichte von zwei Menschen erzählt, die eine brutalen Job haben und von zwei Menschen, die einen weniger blutigen Job haben.

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