Dass die Geschichte übel enden wird, verrät der Ich-Erzähler Euronymous (Rory Culkin) gleich zu Beginn. Er sieht sich als der Erfinder und Gründer des norwegischen Black-Metal. Jonas Akerlund berichtet dessen Geschichte unter Drehbuchmitarbeit von Dennis Magnusson nach dem Roman von Michael Moynihan und Didrik Soderlind.
Der Film ist nicht jugendfrei, sagt der Verleih zum Stream, und basiere auf Wahrheit und Lüge, meint eine Vorbemerkung nach dem Titel.
Fotogen sind die Jungs, ob blond oder schwarz langhaarig alleweil und todessehnsuchtserotisch, satanskultisch so wie die Cover von Rockmusik, von Heavy Metal jugendaufruhrheftig, blutig, Blood-Metal. Und keine Groupies, keine Poser!
Der Titel reklamiert sie als Lords des Chaos. Chaos heißt für die Rockmusiker: die Regeln des bürgerlichen und damit langweiligen Norwegen brechen. Das ist ein häufiges Merkmal von Jugendaufstand: tabuisierte Symbole missbrauchen: Kirchenkreuze, Hakenkreuz, auf Altar pissen, Schweinskopf, Grabschändungen, Blut – wo es nicht hingehört. Ein Kreuz nach unten schwenken beim Auftritt.
Vor allem: sie arbeiten gegen die Macht und deren Symbole. Gleichzeitig bauen sie, nicht weniger systematisch und abgeschirmt ihre eigenen Macht auf. Euronymous hat schnell nach einigen Umbesetzungen und dem Selbstmord des Sängers einen „inneren Circle“ beisammen.
Zuerst sind sie als Band aufgetreten mit diesen todesröchelnden Stimmen und dem Heavy Sound der Gitarren und Bässe und der Drums. Dann hat Euronymus seinen eigenen Plattenladen aufgemacht. Bald stößt Varg, der sich anfangs noch Christian nennt, aus Bergen zu der Osloer Band, die sich in Oslo für weltberühmt hält. Der innere Circle ist komplett.
Mit Christian kommt Konkurrenz auf. Die abseitigen Ziele, das Geheimbundtum entwickelt ungeahnte Dynamik, nachdem er auf eigene Faust eine Kirche angezündet hat. Das ist der Anfang einer immer kühneren Serie von Brandstiftungen, bald auch zu zweit und zu dritt.
Beim ersten Mal wurde noch ein totes Kaninchen vor der Kirchentür deponiert. Kaum anders als im normalen Politikerleben, wo Ehrgeizlinge nach oben drängen, wie beim aktuellen bayerischen Ministerpräsident, muss immer mehr gewagt werden, immer weiter vorgeprescht werden.
Hier im Film geht es bis zum Mord. Aber selbst das reicht nicht. Denn die Täter werden nie ermittelt. Bis einer der Ehrgeizlinge ein Interview gibt. Das verleiht der blutigen Dynamik weiteren Drive. Insofern ein Stück extrem vehementer Jugend-Chaos-Rock-Kultur. Und sie spielen es exzellent.
Ausgangsbasis: „Norway ist ruled by dictatorship“ … „people are brainwashed“ …