Asche ist reines Weiß

Pulsierendes, chinesisches Kino,

das dürfte die Absicht von Zhangke Jia gewesen sein. Und so fängt er auch an.

Mitten hinein in eine aufregende Busfahrt durch chinesisches Land anno 2001. Es rüttelt und schüttelt. Die Figuren sind erstklassig inszeniert. Sie erwecken den Eindruck von innerem Monolog und dass sie schon lange unterwegs sind. Den Chor zu inszenieren, das gilt als eine der Qualitäten eines guten Regisseurs.

Aber nicht nur das. Auch die hin- und hergerissene Liebe/Nichtliebe seiner beiden Protagonisten, die von Quiao (Tao Zhao) und Bin (Fan Llia). Sie symbolisieren in ihrer schauspielerischen Perfektion den Typus reiner Leinwandstars aus China. Unglaublich wie beherrscht sie spielen. Wobei für Quiao auch die Rolle als Unternehmerin, wenn auch klein und im ländlichen Raume, das anbietet. Während ihr Gegenpart Bin mit der Unterwelt zu tun hat.

In der nächsten Szene ist der Film in Datong gelandet in einer Spelunke, in der Quiao herrscht und Bin ein- und ausgeht; ständig wechseln Bündel von Banknoten die Hand. Wobei der Begriff der Rechtschaffenheit gilt. Wer Schulden macht, muss sie zurückzahlen.

Von Datong aus macht der Film eine doppelte, ja eine dreifache Reise. Das ist überambitioniert und wirkt sich dann doch erschwerend auf die Perzeption aus.

Es wird eine Reise durch China, durch die Jahre bis 2018 und somit auch durch den chinesischen Aufschwung dieser Zeit und ebenso so durch die immer schwebende Liebesbeziehung zwischen Quiao und Bin.

Es gibt Szenen in großartiger, freier Natur. Vor einem nicht brennenden Vulkan gibt es theoretischen Input, der dem Film ein Prise Geist einträufeln soll, über die Asche vom Vulkan wird gesprochen, und dass sie wegen der hohen Temperaturen besonders rein und weiß sei.

Das dürfte der Nachteil dieses Filmes sein, dass er diffus oder überambitioniert ist, dass er zeigen möchte, nicht nur, was China im Kino kann (mich erinnert es an erstklassiges, altes Hollywood-Starkino), sondern auch, wozu China es gebracht hat mit dem Dreischluchten-Staudamm, den Superschnellzügen, modernen Flughäfen, ohne gleichzeitig das Thema neuer Reichtum, Ungleichverteilung und Korruption auszulassen mit Einbezug der ständigen privaten Videodokumentation genau so wie einer Diskussion zwischen moderner westlicher und klassisch chinesischer Medizin und eine moderne Handelskammer kommt auch noch vor und der Filmemacher möchte noch dazu eine schwierige Liebesgeschichte erzählen. Sogar Ufos und ein Ufoforscher schaffen es in diese Gemengelage. Wobei diese ihre Deutung vielleicht als Hinweis zu einer Interpretation der letztlich undurchschaubaren Quiao genommen werden könnte.

So scheint mir der Film mehr eine Absichtserklärung eines neuen chinesischen Kinos zu sein, dem seine „Nouvelle Vague“, seine „Beat-Generation“-Erfahrung oder sein „New Hollywood“ noch bevorstehen. Interessant als Blick über den Tellerrand hinaus allemal. In China tut sich was, auch wenn es im Augenblick noch eine Rundreise von Datong nach Datong ist.

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