Zauberberg (BR, Mittwoch, 20. Februar 2019, 22.45 Uhr)

Nur schönes Wetter und glückliche Gäste.

Dazwischen gestreut werden alte Fotos und Filmaufnahmen vom Traditionsgasthaus Zirmerhof in Südtirol , über den Jens Meurer unter der gähnenden Obhut der Zwangsgebührentreuhänder und BR-Redakteure Matthias Leybrand und Carlos Gerstenhauer dieses eher unbedarfte Werbefilmchen gemacht hat.

Für eine spannende Dokumentation reicht es nicht. Die Werbefotografie auf der Website des Hotels ist deutlich geleckter.

Der dokumentarische Ansatz von Meurer ist für ein öffentlich-rechtliches Fernsehen zu dürftig, wirkt tendenziell laienhaft. Er kennt den Hof von Kindheit an. Und dass er jetzt einen Werbefilm fürs Fernsehen dreht, widerspricht eklatant der im Film verbreiteten Philosophie des alten, 2014 verstorbenen Wirtes, dass der Hof ein ganz spezieller, auch geistiger Ort sein soll.

Dieser Werbefilm zielt auf die Masse, auf den Umsatz, aufs Legendbuilding, auf das Branding. Er wirbt mit der Geschichte des Gasthofes, mit berühmten Gästen, die hier waren, mit einigen Besonderheiten, wie dem gemeinsamen Essen der Gäste.

Dieser Imagefilm ist der letzte Beweis, dass der Hof genau dort gelandet ist, wo er nie hinwollte: im Effizienzdenken, im Anstreben von Bekanntheit und Ruhm und dem Geschäft damit.

Sollte der Film – und das sollte er auf jeden Fall, wenn er für das öffentlich-rechtliche Fernsehen gedreht wird – mehr sein als nur ein reiner Werbefilm, so müsste der Dokumentarist zumindest auch auf die Wechselwirkung des Hofes mit der Talschaft eingehen, sollte wenigstens ein einigermaßen nachvollziehbares Bild des Hofes herstellen; man möchte auch etwas über die Wirtschaftlichkeit erfahren, mehr jedenfalls als nur zu hören, dass im Sommer die Saison ist und dass im Winter und im Frühjahr umgebaut und gewerkelt wird.

Man möchte mehr hören als nur zugeneigte Komplimente und Statements von Gästen, man möchte auch über die Verteilung des Erbes etwas erfahren, wie das Personal untergebracht ist, was mit dem Hornvieh ist.

Man möchte nicht überschüttet werden mit einem wilden, unkontrollierten Mix aus heutigen Statements und einer ewigen Hin- und Herhupferei in der Geschichte der 5 Generationen, die den Hof bis heute führen.

Wenn so ein Film im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt wird gegen Zwangsgebührengeld, so erwarte ich wenigstens einen kompetenten, dokumentarischen Ansatz. Ein solcher ist hier nicht erkennbar. Der Dokumentarist wühlt sich durch sein Material wie ein Kuh durchs Gras auf der Weide. Sind die entscheidenden Redakteure in dem Hof zu Gast gewesen, auf ein Gläschen Wein und haben dann die Gelder für den Dreh freigegeben? Solche Fragen stellen sich inzwischen immer häufiger bei Produktionen des BR, immer häufiger versteckt sich die PR-Attitüde kaum mehr, wird immer unverhohlener.

So richtig nachvollziehbar ist die Entscheidung der Zwangsgebührentreuhänder Matthias Leybrand und Carlos Gerstenhauer nicht, einen solchen Werbefilm für ein privates Hotel aus Zwangsgebührengeldern zu finanzieren. Für ein Hotel, das für die Oberschicht ist, für Professoren, Anwälte, Bundespräsidenten, Autoren. Ein Hotel, das sich die einkommensschwachen Haushalte, die sich die Rundfunkzwangsgebühr vom kleinen Haushaltbudget absparen müssen, nie leisten können. Aber für einen Werbefilm für so ein Hotel sollen sie blechen. Nein, mit solchen Produktionen untergräbt auch der Chef des BR, Ulrich Wilhelm (jawohl, der mit dem Kanzlerinnengehalt!) seine dreiste Forderung nach einer Erhöhung der Zwangsgebühr, die in keiner Weise berechtigt ist. Diese seine Forderung, auch jene nach der automatischen Zwangsgebührenerhöhung nach dem Indexmodell, verliert mit solchen Produktionen das letzte Stück Glaubwürdigkeit. Und mit dem Framing Manual der superteuren Frau Elisabeth Wehling (über 1000 Euro pro Gutachterseite!) lässt sich das auch nicht schönreden; solches ist nicht „unser freier, gemeinsamer Rundfunk“.

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