Kölsche Marke.

Jürgen Zeltinger – ist mit seiner Band (Website) – eine kölsche Marke, ein unverformbares Urgestein, einer, der sich nie hat verbiegen lassen und deshalb eine enorme Glaubwürdigkeit besitzt, einer der seit Jahrzehnten Rock’n Roll Musik macht mit seiner Band (nebst einem Ausrutscher mit einer Solo-Platte), der eine bunte Vergangenheit in besseren und weniger beleumdeten Milieus hat, an dem Geld nicht kleben bleibt, der trinkfest ist, der Aufritte vor großen Arenen mit internationalen Berühmtheiten kennt wie den Auftritt im intimen Club, einer vor dem die anderen Respekt bis Furcht haben, dessen Kindheit mit einem verständnislosen, schlagenden Vater nicht goldig war, der eine Autoschlosserlehre abgebrochen hat, nachdem der Lehrmeister ihm eine Backpfeife gegeben und er ihn darauf ko geschlagen hat, das sei das letzte Mal gewesen, dass er gearbeitet habe, sagt er, dann ging es bald schon los mit der Musik.

In Paris hatte er mit Heiner Lauterbach, einem der Interview-Partner in diesem Film von Oliver Schwabe, in der U-Bahn gespielt, bis sie das Geld für eine Whisky-Flasche zusammen hatten, später brauchten sie zwei. Heute meint Lauterbach, glücklich, wer aus diesem Saufrausch wieder rauskomme.

Zeltinger hat die wilde Saufphase überlebt. Er wohnt in einem flachen Haus mit Garten und Goldfischteich. Sein Nachbar ist der junge Gitarrist Dennis, der ihn pusht, wieder in die Gänge zu kommen, was mit 68 nicht mehr so leicht geht, den er mag und fördert wie ein Vater, eine platonische Beziehung, was bei Zeltinger nicht selbstverständlich ist.

Aus Archivausschnitten, aktuellen Erzählungen, Hinter-der-Bühne-Aufnahmen und aus Statements von seiner Schwester, Lauterbach, Bandmitgliedern und anderen Musikern montiert Schwab einen Dokumentarstreifen, der seine Lebendigkeit aus dem Objekt bezieht und der einen schönen Einblick in diese kölsche Musikkultur gewährt, die ein Faible für das Anarchistische hat, aber Fremdenfeindlichkeit grad gar nicht ertragen kann, die ein Feeling für das Asoziale hat, für die Außenseiter. Zeltinger singt und spricht Kölsch. Dankenswerter Weise wird das zuweilen mit deutschen Untertiteln übersetzt. Sein junger Protégé zeichnet für die Tonspur verantwortlich. Außerdem sind jede Menge Songs von Zeltinger und seiner Band zu hören, wie: „Mein Vater war ein Wandersmann“, „Morgen geh ich zum Sozialamt“, „Asi mit Niwoh“, „Leck mich“, „Wir sind alle kölsche Jungen“, „Tuntensong“.

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