Archiv für Februar 2019

Alte Hüte mit ungarisch-österreichischem k.-u.-k. Glanz. Klar schwedische Haltung zu Pauschalvorurteilen. Amerikanisierung eines originellen, skandinavischen Selbstjustizfilmes. Spanisch-französisch-königliche Reminiszenzen. Aus Deutschland: Eine taugliche Kinderanimation, ein fast tauglicher Beziehungskomödienansatz, Fortsetzung eines Mädchen-Pferdefilmes, Reichenkinder in Schweizer Internat. Auf DVD gabs die blutige Geschichte einer norwegischen Black-Metal-Band, im TV eine weitere Folge des längst korrumpierten Formates „Lebenslinien“ und einen Tatort, der nahe legt, die Reihe abzusetzen.

Kino
SUNSET
Kino wie Konditoreieleganz aus k. u. k.-Zeiten.

KOMMISSAR GORDON & BUFFY
Nicht an allem ist der Fuchs schuld!

HARD POWDER
Remake eines originellen Skandinavienfilmes nach der Industrienorm amerikanischen Kinos.

EIN KÖNIGLICHER TAUSCH – L‘ ECHANGE DES PRINCESSES
Spielfilm vom Unterhaltungswert einer Tauschbörse.

MANOU FLIEG
Manu, der Mauersegler wächst nicht im falschen Körper, aber bei der falschen Familie auf.

WIE GUT IST DEINE BEZIEHUNG?
Die Schauspieler sind schon mal gut, das Drehbuch hinkt.

OSTWIND – ARIS ANKUNFT
Was Ari alles kann, das ist kaum zu glauben, zudem ist sie schwer erziehbar.

DIE SCHULE AUF DEM ZAUBERBERG
Der Gout des Superreichtums.

DVD
LORDS OF CHAOS
Chaos heißt hier zuletzt: blutiger Machtkampf.

TV
LEBENSLINIEN: SEPP MAIER – DEN SCHALK IM NACKEN
Nicht mal den Titel können diese Dünnflusslebenslinien erfüllen.

FRANKEN-TATORT – EIN TAG WIE JEDER ANDERE
Bis man weiß, worum es geht, ist der Film aus.

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Mordkoomplott auf Kaltenbach.

Dieses Mal ist es nicht das böse, reiche Nachbarsgestüt, das Kaltenbach übernehmen will. Diesmal erfolgt der Versuch der feindlichen Übernahme von Innen heraus. Aber das ist nicht die Hauptgeschichte.

Die handelt von Ari (Luna Palano). Sie ist schwererziehbar und wenn ihr ein Gegenüber – egal welchen Geschlechts, Alter oder welcher gesellschaftlichen Position – zu nahe tritt, landet Ari ihren blitzschnellen Punch mitten auf der Nase des Gegenübers, die gleich blutet, so sehr, dass die Leinwand einen Moment schwarz wird.

Sonst verfügt das phänomenalde Kind mit den zwei großen Zahnschaufeln vorne oben in der Mitte über meisterliche Bogenschießkunst – trifft einen Apfel im Flug oder nagelt eine Gegnerin mit dem Hemdsärmel an eine Wand. Und, magisch, sie ist eine Pferdeflüsterin, eine Seelenverwandte zu Ostwind.

Außerdem schminkt sie sich, wenn sie sich auf den Kriegspfad begibt, wie ein Indianer.

schließlich und endlich lächelt sie gerne, was zeigt, dass ihr das Drehen Spaß macht. Dies aber dürfte mit der mangelnden Menschenführungs- und Regiekunst von Therese von Eltz (Vier Könige), die das Buch von Lea Schmidbaur zur Vorlage hat, zuzuschreiben zu sein.

Von Eltz scheint ihr Handwerk vom Kopf her anzugehen. Insofern sind die Vorgänge gut nachvollziehbar, wenn auch nicht immer zur Freude des Cineasten. Dem Zielpublikum von Mädchen an der Schwelle zur Pubertät dürfte das aber genügen.

Ari gerät durch einige ausgewalzte Drehbucheinfälle an Zufällen, Unfällen und Widerborstigkeiten in Zusammenhang mit ihrer Unterbringung in einer Pflegefamilie in die Gemengelage von Gestüt Kaltenberg.

Ostwind ist zurück aus Andalusien, ist vom Feuer traumatisiert, verlässt seinen Unterstand nicht und Mika (Hanna Binke, die inzwischen hochgeschossene Protagonistin des Vorgängerfilmes) liegt im Koma. Das scheint eine unauflösliche, parapsychologische Patt-Situation zwischen Pferd und Reiterin.

Ari wird diesen gordischen Knoten lösen – und zwar nicht mit Gewalt wie der berühmte Thordur Thorvaldson (Sabin Tambea, der ebenfalls von der Regie im Stich gelassen worden ist). Wobei es eine zweischneidige Sache ist, die Regie oder die Schauspieler zu tadeln; hätte nicht vielleicht gar das Casting-Department sich vorher über die Regisseurin klug machen müssen und welche Art von Schauspielern also am meisten Sinn zu besetzen machen würde, denn ein Tilo Prückner oder eine Cornelia Froboess kommen ganz famos.

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Crime und Vorurteil.

Um Crime und Vorurteil, allerdings noch weit vorm Cyber-Crime, geht es in dieser entzückenden Animation von Linda Hambäck nach dem Buch von Ulf Nilsson & Gitte Spee.

Diese Lektion ist – bestens nachvollziehbar und konkret illustriert – gedacht für Kinder noch vorm ersten Lesealter.

Die Geschichte spielt in einem kindgerecht illustrierten Waldort der Tiere. Meister Waldemar, ein Eichhörnchen, das gerne mit Wörtern durcheinander kommt, ist es wichtig, dass er nicht im Kindergarten, sondern in der Vorschule unterrichtet. Ihm sind Nüsse aus dem Wintervorrat abhanden gekommen. Und wer ist schuld? Selbstverständlich der böse Fuchs. Den bekommen wir vorerst gar nicht zu sehen, er ist das schleichende Symbol für ein pauschales Vorurteil. Er huscht gerade mal als schwarzer Schatten durch das Bild, schemenhaft, Vorurteilen unendlich Fläche bietend.

Die Krimigeschichte führt die Kröte als Polizist ein. Der ist allerdings schon ziemlich müde im Allgemeinen und amtsmüde im Speziellen und müde sowieso in jedem Moment. Er heißt Gordon. Bald wird er die pfiffige Maus, die eine der Haselnüsse gefunden hat, zu seiner Assistentin machen und sie Buffy nennen. Er ist ihr zu Dank verpflichtet.

Wie Gordon mit überaus vielen (weder hör- noch sichtbaren) Gedanken- und wenig anderer kriminaltechnischer Arbeit vor einem Baum so lange stehen bleibt, bis er unter einer Schneedecke verschwindet, ist Buffy es, die ihn wieder freischaufelt.

Buffy hat sowieso viele Tipps und Ideen nebst der Beherrschung der Selbstverständlichkeiten kriminalistischer Alltagsarbeit, wie dem Dieb auf die Spur zu kommen sei. Es gilt, nicht nur den Nussdiebstahl aufzuklären, auch den Elstern wurde ein Ei geklaut und schließlich sind zwei Kinder verschwunden, das Vorurteil ist sich sicher, dass sie entführt worden sind.

An all dem kann nur der Fuchs schuld sein. Diese Vermutung, also dieses Vorurteil, führt zu einer besonders riskanten Extratour von zwei jungen Eichhörnchen.

Die wahre detektivische Arbeit wird es an den Tag bringen: schuld war vor allem einer nie: der Fuchs. Auch wenn er gefährlich ist, so ist er auf seine Art auch ein Familienmensch, zieht Kinder groß und will diese schützen. Das heißt, mit Pauschalurteilen (die jedem Rassismus zugrunde liegen) ist in so einer engen Gemeinschaft, wie derjenigen im Wald, nicht beizukommen. Das lässt sich auf die ganze Welt übertragen.

Die Figuren sind mit wenigen Strichen fantasievoll entworfen und die Flächen munter koloriert. Unter den Kinderfilmen bestimmt ein Prädikatsfilm, dazu gehört auch die deutsche Sprecherspur.

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Mücke dreht auf.

Das ist der Film von Friedrich Mücke und Julia Koschitz. In diese Richtung kann überzeugende deutsche Komödienschauspielerei gehen.

Mücke legt als Steve vor und Julia Koschitz hält kongenial dagegen (und der Rest des Ensembles lässt sich auch nicht lumpen, wird angestachelt durch die beiden). Das wird bewusst gefördert von Drehbuchautor und Regisseur Ralf Westhoff (Shoppen, Wir sind die Neuen, Der letzte schöne Herbsttag).

Mücke und Koschitz sind das Paar Steve und Carola. Näher beim Midlife und der entsprechenden Crisis als bei der Jugend. Sie sind nicht verheiratet, aber seit einigen Jahren zusammen. Er ist Softwareentwickler in einem trendigen Laden. Sie kümmert sich um Nachhaltigkeit.

Arbeitskollege Bob (Bastian Reiber) von Steve ist eben von seiner Freundin verlassen worden. Sie wurde ihm von Harald (Michael Wittenborn) weggeschnappt, weil dieser ihre „Schwingungen“ gespürt hat, die Bob ganz offenbar verborgen geblieben sind.

Bob will, dass Steve ihm verstehen hilft. Er soll Harald anonym kennenlernen und herausfinden, was der hat, was ihm abgeht. Das löst eine weitere Kettenreaktion aus, die dazu führt, dass Steve Carola testen möchte. Da sind gute Ansätze von Komödienmechanik dabei. Denn diese Absichten haben ungeahnte Folgen und führen zu neuen Aktionen, aber auch zu Misstrauen und Brüchen.

Eine Nebenhandlung im Büro von Steve sind die Berater, die die Firma umkrempeln wollen. Sie klauen Mücke sein Passwort. Ein Vorgang, der auch das Verhältnis zu Carola belasten wird. Aber der ist schon recht kompliziert gebaut.

Prinzipiell versucht Westhoff von der Beobachtung der Realität dieses gut eingerichteten Teils seiner Generation auszugehen, versucht, auf den Menschen zu schauen und nicht einen typisch deutschen Themenfilm mit erfundenen Menschen zu machen.

Hier hat das Fernsehen mitproduziert (ARD und Degeto). Wie weit die Westhoff dreingeredet haben, kann ich nicht beurteilen. Der Film ist 110 Minuten lang. Seine Schwäche ist das Drehbuch. Es gibt Ansätze von Komödienmechanik; wenn die durchdachter und konsequenter ausgearbeitet worden wären, so hätte so etwas, wie das Fallen einer Reihe von Dominosteinen passieren können, so dass der Zuschauer aus dem Staunen nicht herauskommt.

Aber es scheint, dass es darum ging, möglichst schnell zu drehen, weil Drehbucharbeit mühsam ist, das Eruieren von Folgen der Handlungen aufgrund der Charaktere und ihrer Konflikte oder Widersprüchlichkeit.

Bei einem nächsten Film sollte Westhoff versuchen, den Stoff in 90 Minuten zu erzählen, der Nebenhandlung nicht so viel Gewicht zu verleihen, sich wirklich auf das Problem seine Protagonistenpaares zu konzentrieren.

So wie er das Paar vorstellt, funktioniert das nicht so richtig, so bleibt es Papier. Es wird vorgestellt, indem Carola an ihrem Haar rumschnippelt und gleich die erste Frage von Mücke ist ein ganz schlimmer Drehbuchpatzer, er fragt, was sie denn da mache („Was machst Du denn da?“). Und dann reden sie über Veränderung und wie wichtig solche doch sei.

So wird allenfalls ein Themenfilm eingeleitet, nie aber eine Komödie. Dieser Themenfaden wird erst am Schluss reflektiv aufgenommen und behelfsweise versucht, den Sack zuzuschnüren. Hierbei werden eklatante Drehbuchmängel sichtbar.

Denn hier im Film gelangt das Thema erst durch Bob in den Film und es dauert, bis Steve über seine eigene Beziehung nachzudenken anfängt. Es wäre wohl spannender, wenn die beiden so tun, als seien sie ein Paar ohne Probleme, gleich zu Beginn, sich über einen Fall wie Bob unterhalten und sich auch amüsieren aus hoher Warte der Unbetroffenheit heraus und wie dann der Schicksalsgott Drehbuchautor ganz gemein anfangen kann zurückzuschlagen.

Hier aber wird spreitzbeinig erst Steves mögliche Anfälligkeit für Verletzungen am breit ausgetretenen Beispiel des Passwortklaues bekannt gegeben, ohne direkten Bezug zu Carola. Das sind Dominosteine, die nicht fallen können, weil der Abstand zu groß ist.

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Zivilisationskritik.

Ein Höhepunkt der Zivilisation sind die Hüte von Leiter aus Budapest: exquisit, ausladend, exzentrisch. Diese Hüte sind Dreh- und Angelpunkt der zivilisationskritischen Betrachtung, die László Nemes (Son of Saul) als ein Fest an Bild- und Scorekomposition feiert, das vom feinen, edlen bis höfischen Leben von vor etwa 100 Jahren gespeist wird.

Als Führerin durch diese berauschende Bildwelt aus Luxus und menschlicher Armseligkeit, aus Vornehmheit und miserablen Charakteren, aus Zivilisation und den Abgründen dahinter fungiert Írisz Leiter (die wunderbar spröde Juli Jakab mit dem Blick für die Dinge). Sie kehrt aus Triest, wo sie im Schoß ihrer Familie die Ausbildung zur Hutmacherin absolviert hat, zurück zur Firma Leiter in Budapest und möchte dort angestellt werden.

Wieso und weshalb die Leiters nicht mehr ihren eigenen Laden betreiben und nach Triest gezogen sind, das ist nicht das Thema. Der Chef heißt jetzt Oszká Brill (Vlad Ivanov) und seine Obernäherin oder Oberverkäuferin oder Geschäftsführerin ist Zelma (Evelin Lobos).

Der Laden selbst sorgt in der Bildgestaltung von Mátyás Erdély für Augenweide über Augenweide. In diesen Kreisen haben alle Personen Benimm, Pli, Formen und sind entsprechend gut gekleidet, was der Film nicht verhehlt.

Iris ist auf der Suche nach ihrem Bruder Kalman. Der ist in Dinge verwickelt, die man teils nur ahnen kann. Der Film strotz nur so von Geheimnissen. Es gibt im Salon hinter einer Wand einen Raum, der sei, seit Königin Sissi dort eine Haarnadel verloren habe, nie wieder geöffnet worden. Er ist richtiggehend zugebaut und mit Tapeten versehen.

Vielleicht hält Nemes den Zuschauer bewusst auf dem Wissensstand von Iris. Er bleibt immer bei ihr, hinter ihr oder vor ihr oder er beobachtet sie von der Seite; sieht Dinge auch verschwommen von Fall zu Fall.

Brill ist anfänglich nicht begeistert, dass Iris im Geschäft auftaucht (sie habe eine verstörende Ähnlichkeit – mit ihrer Mutter muss wohl dazu gedacht werden). Irgendwie duldet er sie. Und sie entzieht sich immer wieder seiner Beobachtung oder Gängelung.

Es wird kaiserlicher Besuch erwartet – der Film spielt vor dem ersten Weltkrieg. Ein Fest ist ein Fixpunkt im Storytelling, das Öffnen besagten Sissi-Raumes ein anderer. Iris reißt aus und besucht ein Fest auf einem Schloss vor Budapest. Hier passiert ein Massacker und sie kommt anderen dunklen Dingen auf die Spur.

Um eine frühere Hutmacherin von Brill ranken sich düstere Geschichten, sie sollte persönliche Hutmacherin der Kaiserin in Wien werden; das sei eine Ehre; darum, wer sie bekommt, gibt es im wuseligen Laden von Brill einen regelrechten Wettbewerb unter den Hutmacherinnen; aber von Fanni fehlt jede Spur.

Dass es Nemes nicht um ein Biopic der Familie Leiter geht, begründet er mit einer angehängten Szene, die im 1.Weltkriegs-Schützengraben spielt. Insofern erübrigt sich der Einwand, der sich mir zwischenzeitlich aufgedrängt hat, das sei ein Film, zu dem man unbedingt Vorabinformationen mitbringen müsse. Das glaubt nur derjenige, der buchhalterische Biographie-Genauigkeit wünscht. Muss nicht sein, wenn man Größeres im Auge hat.

Nachdenken über den extravaganten Hut – und die Zivilisation: „Der Schrecken der Welt verbirgt sich dahinter“.

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Der Titel des Originalfilmes von Regisseur Hans Petter Moland (Erlösung) hieß auf Deutsch Einer nach dem anderen.

Jetzt hat der skandinavische Regisseur seinen eigenen Film international gemacht; das Drehbuch, das sich am Original orientiert, hat Frank Baldwin geschrieben. Statt in Norwegen spielt der Film in den USA, im verschneiten Ort Kehoe bei Denver, Colorado, in den Bergen.

Nels (Liam Neeson) arbeitet bei einer Firma, die Geräte zur Räumung des meterhohen Schnees besitzt und einsetzt. Der Sohn von Nels arbeitet am Flughafen. Er ist in Aktionen involviert, die unter dem Auge des Gesetzes durchlaufen, hilft einen Koffer mit Koks am Zoll vorbeischleusen und in die Arme eines Syndikates. Das kostet ihn bald sein Leben.

Der biedere Vater will nicht an einen Unfall glauben. Er geht dem „Unfall“ auf den Grund und entwickelt sich schnell und konsequent zum Rächer. Er nutzt jede Spur, um an Informationen zu gelangen. Die Informanten wandern umgehend in ein Hühnergittergeflecht gewickelt über einen Wasserfall in einen See. Das Modell hat Nels entwickelt aus der Überlegung heraus, dass die Leichen so von den Fischen gefressen und nicht an die Wasseroberfläche getrieben würden.

Im Original kommen diese Netze, wenn ich mich recht erinnere, nochmal vor. Hier wird dieser Strang nicht weitergesponnen. Dafür baut Moland eine Indiandergeschichte ein, die zusätzlich Dynamik in die Action bringt und ihm Gelegenheit gibt, einen dezenten Hinweis zu lancieren auf Reservate und wie das Indiantertum im Grandhotel Chateau Montclair vermarktet wird („made in China“).

Zwei Probleme stellten sich mir beim Schauen. Dass ich den Film schon mal gesehen hatte und dass insofern die Verwandlung des biederen Schneepflugfahrers in einen systematischen Selbstjustizler und Killer keine Überraschung mehr ist. Dies umso weniger, als Actionheld Liam Neeson die Rolle spielt, was von mir aus der Überraschung den letzten Nerv zieht, da in sein Gesicht schon unzähligen Morde aus anderen Filmen eingefurcht sind und ihm einfach nicht abzunehmen ist, dass er ein dumpf-zuverlässiger Schneepflugfahrer ist, der keinem Menschen etwas zuleide tun könnte.

Die Hollywood-Industrie-Norm bekommt dem skandinavischen Original nicht, es macht zwar vieles massiver und gigantischer – aber auch steriler und vorhersehbarer. Aber ich muss meine Anmerkungen unter Vorbehalt setzen: für Leute, die das skandinavische Vorbild nicht kennen, mag der Film deutlich überraschender wirken.

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Hm. Hirn hirn, warum dieser Film?

Es geht um einen Miniausschnitt aus einem Teil europäischer Geschichte, arrangierte Kinderehen zwischen dem französischen und dem spanischen Königshaus. Praktischerweise wurde hier auch Französisch gesprochen, so dass Regisseur Marc Dugain, der mit Chantal Thomas auch das Drehbuch geschrieben hat, nicht noch die spanische Sprache in den Film einbringen musste.

Der Film beginnt 1721. In Paris herrscht ein Regent nach dem Tod von Louis XIV. Der Knabe Louis XV muss noch warten bis zur Mündigkeit.

Der Grund für die gegenseitigen Zwangsheiraten ist ein politischer. Es geht um die Sicherung der Macht der Königshäuser einerseits (unausgesprochen) und um die Eulenjagd (nach Athen?) und die Wahrung des Friedens in Europa (ausgesprochen).

Auf das heutige Europa lässt sich wenig ablesen aus diesem richtiggehend in den Kostümen und den Innenräumen der Schlösser schwelgenden Film. Denn solche Heiraten haben kaum mehr Einfluss auf die Stabilität Europas und werden so auch nicht mehr ausgerichtet. Ein alter Hut also? Betrachtung alter Zöpfe?

So scheint es, dem Regisseur geht es fast wie bei einem Fetisch um das Sein dieser Figuren in ihren Kostümen und Rollen. Er hat besonders reine Kindergesichter für die jungen bis ganz jungen Adeligen ausgewählt. Im Gegenzug hat er mit den übrigen Hofschranzen auf verlebte, landschaftsreiche Gesichter gesetzt. Das ist ein pikanter Gegensatz.

Er lässt die Figuren in gestelztem Höfisch sprechen. Die französische Prinzessin, die nach Spanien verpflanzt wird, fällt dort durch Widerborstigkeit auf, lässt sich nicht mal durch ein Inquisitonsspektakel besänftigen, und wie sie sich endlich in den Degeneraten von Thronfolger verliebt, bekommt er die Pocken. Solche Sachen.

Des Regisseurs Lust an der erwachenden Lust der nachwachsenden Jugend kommt wie mit Kassibern daher oder wird sachlich abgehandelt, dass es darum gehe, Nachwuchs zu zeugen.

Dugain setzt auf den gemäldehaften Reiz seiner statischen Arrangements, überproportional oft in Close-Ups, was generell bei historischen Filmen auf ein nicht überbordendes Budget schließen lässt. Offenbar ein Film speziell für Royal-Afficionados. Und wer den Film geschaut hat, ist nachher möglicherweise um den Begriff Eurasthenie reicher.

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Radek Wegrzyn (Sommer auf dem Land) greift hoch mit dem Zauberberg im Titel, Thomas Mann, wau!, und die Schule dazu, die referiert auf die Zauberschule bei Harry Potter, das sind große Latschen, in die der Regisseur hier als Dokumentarist schlüpft.

Sie sind zu groß für ihn und für das von ihm gewählte Thema einer Dokumentation über ein Eliteinstitut in Leysin am Genfer See. Hier lässt das Prozent der Reichsten der Welt ihre Kinder zur Universitätsreife bringen.

Der Regisseur kann aber nur schlecht vestecken, dass der Gout dieses Reichenmilieus ihn anzieht, ihn sabbern lässt und nichts sonst. Wenn es ihm wirklich darum gegangen wäre, dieses Institut dem Zuschauer nahe zu bringen, wie der Titel verspricht, dann hätte der Filmemacher gut daran getan, sich vorher bei Frederick Wiseman kundig zu machen, in welch verbindlicher und aussagekräftiger Art so etwas möglich ist. Hat der Filmemacher aber offenbar nicht.

Er hat sich für die billige und unverbindliche Mäuschenmethode entschieden. Da schimmert penetrant durch, dass bei den Dokumentierten ein Bewusstsein dafür hergestellt wurde, dass jetzt ein Film über sie und ihr Institut gedreht wird. Das wirkt sich hemmend auf den Lehrkörper aus.

Der Filmemacher macht sich gleich eingangs wichtig mit den Anspanninfos über das Institut, und dass es sich bei den Zöglingen um Kinder der Reichsten der Reichen der Welt handle, gar aus Königshäusern und dergleichen, weshalb zum Schutze der Kinder in manchen Fällen die Gesichter mittels Pandabären-Ikons unkenntlich gemacht wurden. Das wirkt billig sensationshascherisch. Wir erleben ein voralpines Institut mit überdurchschnittlich vielen Pandabären.

Der Diktator von Nordkorea soll auch an einem solchen Schweizer Institut einen Teil der Schulzeit verbracht haben. Durch die offenbar aufdringliche Mäuschenpräsenz des Dokumentar-Teams (mindestens mit Regisseur, Kamermann, Tonmann) kristallisierte sich unter den Internatsschülern einer heraus, der wie immun dagegen scheint und seine faulpelzige Wurstigkeit raushängen lässt.

Es ist Berk Dural, Milliardärssohn aus Istanbul. Er ist nicht lernmotiviert, ein in sich ruhender bäriger Typ, der sich nicht stressen will, schon gar nicht mit Lernen (und auch nicht mit Gefilmtwerden), der aber durchaus Ideen für Projekte mit Windkraft und anderer regenerativer Energie hat.

Berk leidet darunter, dass der Vater ihm weder Liebe noch Anerkennung geben kann, dass für ihn nur Leistung zählt und dass er ihm die Kreditkarten sperrt, wenn er in der Schule keine gute Leistung erbringt.

Berk hat überzeugende Auftritte in dem Schulmusical. Der Dokumentarist und sein Team nutzen die Bekanntschaft mit ihm für einen Ausflug ins Superreichen-Milieu nach Istanbul inklusive Bootsfahrt; dazu hat Berk zwei Kommilitonen vom Institut mitgenommen. Ein Ausflug auch weg vom Thema des Filmes.

Im Laufe der Dokumentation hat sich Berk als Protagonist herauskristallisiert, das war nicht das Thema des Filmes. Wegrzyn war dann allerdings nicht mutig genug, den Film in der Postproduktion zum Berk-Film zu machen, insofern hat er erneut das Thema verfehlt oder er hat den Titel aus reißerischen Gründen gelassen.

Dafür hat er viel Schülerbeifang im Film, andere sagen ihren Namen und woher sie kommen, aber sie bleiben Staffage, auch das ist ein Manko. Mit kindisch-kindlichen Zwischentiteln von Monatsnamen versucht der Filmemacher seinem wenig geordneten, nur bescheiden informativen Film ein Gerüst zu verleihen.

Der Film ist blauäugig-unkritisch, reichtumsfaszinationsinfiziert und aussagearm (Berk sei heute glücklich; der Mensch wolle ja nur glücklich und von Vater und Mutter anerkannt sein). Auch Milliardäre und ihre Kinder sind nur Menschen. Der Schuldirektor darf in einem Statement klar machen, dass die Schule ihre Zöglingen zu verantwortungsvollen Milliardären und Königen (und Diktatoren?) heranzieht, egal, ob sie ihr Geld mit Krieg und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verdienen.

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Vor einer Woche im Kino, jetzt schon auf DVD, die blutige Geschichte einer Black- oder Blood-Metal-Band aus Skandinavien. Siehe stefes Review vom 21. Februar.

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Wozu braucht eine so allseits durchgenudelte öffentliche Person wie Sepp Maier noch eine Lebenslinien-Sendung? Steckt der Promi in finanziellen Nöten? Braucht er PR, um seinen Marktwert zu steigern?

Man wird immer skeptischer diesem BR-Format gegenüber. Immer häufiger verkümmert es zur reinen Werbehilfe für Leute, die von ihrem Öffentlichkeitsimage leben, reduziert sich zum Kommerzsubstrat, was in einem mit Zwangsgebührengeldern finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk nichts zu suchen hat, sondern antidemokratisch wirkt, indem es Menschen, die eh schon gut als wandelnde Litfaßsäulen (ihrer selbst oder als Markenbotschafter) leben, das Geld für die an sich irre teure Fernsehwerbung erspart, ja sie sogar dafür vergütet.

Die Zwangsgebührenzahler sind dabei die doppelt Gelackmeierten: erstens über die Zwangsgebühr und zweitens, falls sie von den Protagonisten beworbene Produkte kaufen, müssen sie da nochmal für die Werbung bezahlen. Das ist ein irrer Vorgang, der jedem demokratischen Denken spottet. Abschreckende Beispiele aus jüngster Vergangenheit: Kreuzer trifft Magdalena Neuner oder Lebenslinien: Rosi Mittermaier- Christian Neureuther – Gold in der Kombination.

Solch unbedarft lahme Denkmallecker-Lebenslinien wie diese von Angelika Lizius unter der mümmeligen Redaktion von Christiane von Hahn und Martin Kowalczyk braucht kein Mensch und schon gar nicht mit Kommentaren von Uli Hoeneß, von Oliver Kahn oder ähnlich ausgeleierten Denkmal-Promis.

Wobei die historischen Aufnahmen wie immer ihren Reiz haben.

Und dann noch Werbung für die FC-Bayern-Erlebniswelt und sowieso für die Geldmaschine FC Bayern. Fette Hiscox-Werbung im Sepp seiner Tennishalle in Anzing. Und kein Wort über seine Talk-Show-Auftritte.

Vollends ungenießbar wird die Sendung für die Ohren dank einer Sprecherinnenstimme wie aus dem Sterilraum.

Es ist in keiner Weise nachvollziehbar, was solche belanglosen Sendung noch in einem unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu suchen haben, insbesondere, da dessen Intendanten laut jammern, sie bräuchten mehr Geld: dass sie weiter solche leicht und ohne jeden Schaden für die Demokratie verzichtbaren Sendung produzieren, beweist, dass sie Fehlbesetzungen in ihren gülden vergüteten Jobs sind – in diesem Falle Ulrich Wilhelm (jawohl, der mit dem Kanzlerinnengehalt!). Aber vielleicht hilft ihm ja Formulierungsnanny Wehling mit ihrem Framing Manual sich gegen solche Kritik zu wehren.

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