Das titelgebende Green Book steht für einen Reiseführer, der zu Zeiten der Rassentrennung Afroamerikanern in den USA das Reisen ohne Erniedrigung ermöglichen sollte.

Der Film spielt 1962. In den amerikanischen Südstaaten wird peinlich genau zwischen weißer und schwarzer Hautfarbe sortiert.

Der schwarze Ausnahmepianist Dr. Don Shirley (Mahershala Ali) residiert in einem prunkvoll ausgestatteten Appartement direkt über der Carnegie-Hall in New York. Es ist sein Wunsch, mit seinem Trio eine zweimonatige Konzertreise durch die Südstaaten zu machen. Dafür sucht er einen persönlichen Chauffeur und Butler. Ihm wird Tony Lip (Viggo Mortensen) empfohlen. Der hätte auch Zeit, da der Nachtclub, in dem er als Türsteher arbeitet, wegen Renovierungsarbeiten für einige Monate geschlossen bleibt. Aber er müsste dafür seine Familie so lange verlassen.

Diese Reise soll es tatsächlich gegeben haben und es ist zu erwarten, dass auch in der „true story“, die dem Drehbuch zugrunde liegt, die beiden Freunde geworden sind. Die Drehbuchautoren Nick Vallelonga, Brian Hayes Currie und Peter Farrelly, der auch die Regie besorgte, haben den Stoff zu einer gut nachvollziehbaren Morallektion wie für den Ehtikunterricht entwickelt.

Sie haben nicht versucht ein Biopic mit menschlichen Konflikten und Entwicklungen zu zeigen. Sie waren fokussiert auf den Gegensatz Schwarz-Weiß und haben diesen modellhaft mit umgekehrten Vorzeichen auf seine Absurdität oder Köstlichkeit (gerne auch zum Kichern, denn der Zuschauer muss nie seine moralische Komfortzone verlassen) reduziert.

Der Schwarze ist jetzt der Herr, der hinten im Fond der Limousine sitzt. Er ist derjenige, der gepflegtes Amerikanisch spricht, der Anstand und Höflichkeit hat. Der Weiße spielt den schwarzen Underdog. Er sitzt am Steuer, guckt nicht immer auf die Straße, raucht ständig, zeigt den Stinkefinger oder teilt einem Polizisten einen Schlag aus, ist unbeherrscht und auf Eskalation gepolt. Viggo Mortensen spielt diesen Weißen ausgestellt, plakativ, kommentierend.

Selbstverständlich hat der Weiße das Herz auf dem rechten Fleck. Der Schwarze bringt dem Weißen gute Aussprache bei. Der Weiße bringt dem Schwarzen bei, wie man gebratene Hähnchen mit bloßen Händen verzehrt.

Es wird der Vorurteilsgegensatz Schwarz/Weiß vereinfacht herausgearbeitet. Die Figuren haben keine Geschichte um sich herum, keine emotionalen Konflikte, die die Geschichte weiterbringen würden, sie funktionieren als Pappkameraden im umgedrehten Schwarz-Weiß-Spiel.

Der Zuschauer nimmt erstaunt zur Kenntnis, dass das rabenschwarze Zeiten gewesen sein müssen, in denen ein berühmter Pianist bei einem Empfang in der Villa weißer Herrschaften gebeten wird, als Toilette den Holzverschlag für die Schwarzen zu benutzen und nicht jene im Haus.

Und einfach gestrickte Polizisten, die den Schwarzen selbstverständlich auch festgenommen haben, wie der Weiße einen Polizisten mit einem Schlag erledigt hat, wollen kaum wahrhaben, dass der Schwarze das Recht zum Telefonieren habe. Daraufhin zeigt sich, dass der Schwarze Beziehungen hat bis in die Höchsten Kreise und der Gouverneur selbst am Telefon die Deppen-Polizisten zusammenscheißt und die Freilassung der Gefangenen befiehlt. Das begreift nun jedes Kind und darf sich moralisch auf der richtigen Seite fühlen, denn er hätte selbstverständlich nie so vorurteilshaft gehandelt.

Dieser Film ist nur einer in einer ganzen Reihe neuerer Filme zum Thema Rassentrennung, wie: BlacKkKlansman (hier legt ein schwarzer Cop einen weißen Kukluxklan-Führer raffiniert rein), Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen (hier retten drei schwarze Wissenschaftlerinnen den Ruf Amerikas im Wettbewerb um die erste Mondlandung), Genau so anders wie ich, eine anrührende gemischt-rassige Liebe nach einer wahren Geschichte, Get Out, weißer Rassmus, der zum Horror wird, Loving, hier überwindet eine große Liebe die Rassenschranken und Anfang März folgt „Beale Street“.

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