Wenn ich das richtig verstanden habe, ist dieser Film von Florian Frerichs, der mit Stephan Warnatsch auch das Drehbuch geschrieben hat, ein politisches Statement von speziell auch jüdischen Künstlern in Deutschland (vor allem Schauspieler) im Sinne von, „wir sind wieder da, wir haben uns nicht ausrotten lassen durch die Shoah, wir machen uns vernehmbar, wir wollen nicht vergessen“. Viele der Darsteller stehen in den Credits auch unter den Produzenten, was im Allgemeinen bedeutet, sie haben ohne Gage gearbeitet, also auch ein indealistischer Film, dem es um die Message geht.

Es ist daraus ein würdiger Gedenkfilm geworden, sicher geeignet fürs Holocaust-Museen und für Schulveranstaltungen.

Die Filmleute haben den Tag der Machtergreifung, den 30. Januar 1933, als Zeitpunkt gewählt, als Ort den Familiensitz der jüdischen Familie Glickstein und die Dauer und Handlung betrifft ein Abendessen.

Der Film ist klassisch eingeteilt in einen Prolog über die verschiedenen Gänge bis zum Nachtisch mit nachfolgendem Epilog. Dann folgen Angaben darüber, wie jüdisches Künstlertum mit Deutschland verwoben war und wie inzwischen in Berlin wieder eine große jüdische Gemeinde existiert (wie die sich genau zusammensetzt, steht nicht, wieviele davon östliche Zuwanderer sind) und dass auch etwa 20′ 000 junge Israelis Berlin zum Lebensmittelpunkt gemacht haben.

Zu Tisch wird einerseits ein Vater-Sohn-Konflikt diskutiert, dass der Sohn (Patrick Mölleken) sich anstecken lässt von der Nazi-Idee, sich selbstverständlich als Deutscher sieht, dass seine Schwester und andere das Weite suchen. Der Vater (Bruno Eyron) wiederum hält gar nichts von „Mein Kampf“ und sieht die Dinge, die auf ihn und die Juden zukommen, nicht.

Es geht um Weltverschwörungstheorien. Es ist ein reines Dialogstück und als solches fesselnd und intensiv gespielt und inszeniert mit ruhiger Kamera, fast wie ein Theaterstück und die Schauspieler versuchen verständlich und auf einer Linie zu sprechen, sachlich. Somit auch ein recht sauberes Gedenkstück ohne jene Fundusbedröppeltheit so vieler deutscher, subventionierter Holocaustaufarbeitungsfilme. Direkt erfrischend.

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