Vom Checken und vom Nicht-Checken.

Gecheckt haben die Produzenten dieses Film aus dem Hause Gernstl, das bestens mit dem Bayerische Rundfunk verbandelt ist, dass sich mit so einem Projekt, trotz total veralteten Formats, immer noch spielend Filmförder- und Fernsehgelder abgreifen lassen.

Das Projekt: Der Fernsehmoderator Tobias Krell, der sich ganz unbescheiden „Checker Tobi“ nennt, will einen Kinofilm machen (ob er dafür geeignet ist, das spielt bei diesen Rahmenbedingungen keine Rolle).

Unterm Vorwand eines Flaschenposträtsels, das ihm beim Dreh zu einem Piratenfilm (wobei Tobi als Kapitän zeigt, dass Schauspielerei nicht seine Stärke ist), zugespielt wird. Zur Lösung der Fragen muss Tobi sich auf Weltreise machen, fällt an exotischen Orten wie Vanuatu ein wie ein Neokolonialist, sagt oft an allen Ecken der Welt (bis auf das Armenviertel von Mumbai) „Wahnsinn“ und produziert im Übrigen Kurzfilme, wie jeder sie heute selbst ins Internet stellen kann, wenn er sich denn die Reise an so exklusive Orte wie Tuvalu, Tasmanien oder in die Arktis leisten kann.

Das Rätsel ist vielleicht etwas knorzig zusammengestellt, und warum es just darum geht, erschließt sich auch nicht gerade. Die Kinder finden die Lösung aber schnell. Gecheckt haben die Produzenten sicher auch, dass der aktive und bis zum Kraterrand begehbare Vulkan auf Vanuatu fürs Kino ergiebig sein kann und auch dass das mit dem achtbeinigen Bärtierchen in Tasmanien etwas Spezielles ist, wegen seiner Überlebensstrategie bei Trockenheit.

Nicht gecheckt hat Regisseur und Drehbuchautor Martin Tischner, dass er bei der Begehung des Vulkans und dem Blick in den Krater ruhig einen Querverweis auf den Empedokles, gar auf Hölderlin sich hätte trauen dürfen, so etwas hätte doch mit Bildung zu tun.

Nicht gechekt haben die Macher, dass Tobi kein Schauspieler ist und dass die ewig gleiche Grinse und die ewig gleichen Ausrufe auf der Leinwand schnell ermüdend wirken.

Nicht geckeckt haben die Macher, dass es fürs Kino nicht genügt, ein ausdauerndes Fernsehformt schnell schnell fürs Kino umzurüsten. Und merke: Weltreise allein bedeutet noch lange nicht: Kino.

Nicht gecheckt haben die Macher, dass sie mit solchem Kino den Kids nicht vermitteln können, was gutes Kino ist – weshalb ich meine Zweifel habe, ob da auch nur ein jugendlicher Zuschauer freiwillig rein geht, wenn nicht Lehrer die Chance nutzen, den Film als Vorwand zum Ausfallen von Schulstunden zu missbrauchen.

Überhaupt nicht gecheckt haben die Macher, dass das heutzutage mit dem Modell der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes mittels einkomensunabhängiger fixer Haushaltzwangsgebühr moralisch nicht mehr zu vertreten ist, solche Reisen rund um die Welt aus solchen Geldern zu bezahlen, umso mehr, als hier die Grenze zum Urlaub oft verwischt wird.

Denn immer mehr Haushalte können sich den Zwangsbeitrag bei stetig steigenden Lebenskosten und kaum steigendem Einkommen kaum mehr leisten. Ob Checker Tobi das checkt, wie sein Weltreise finanziert wird? Da sollte er mal nachfragen. Sonst steht er doch als naives Bürschchen da mit dem Kinotraum von Lieschen Müller.

Auch nicht gecheckt haben die Macher, dass so eine Reise einen gewaltigen, ökologischen Fußabdruck hinterlässt, der genau das Problem, auf das er hinweisen will, nämlich die Klimaerwärmung und die Folgen, weiter beschleunigt. Sollen die Macher nicht behaupten, dass es nicht möglich sei, die Mechanismen der Klimaveränderung mit einer Sendung ohne Reisebudget herzustellen.

Und dann wieder die unsägliche Produktwerbung auf den Taucheranzügen vor Tasmanien, richtig penetrant sind die. Ebensowenig haben die Macher gecheckt, dass eine fette Musikmayonnaise, den Film nicht gehaltvoller oder verdaulicher macht.

Zum Kaputtlachen: der Film wurd mit FBW Prädikat „Besonders wertvoll“ versehen.
was daran besonders wertvoll sein soll, dass ein junger Mann auf Kosten armer Zwangsgebührenzahler um die halbe Welt fliegt bis nach Tasmanien, um da dem Tauchurlaub zu frönen und dabei einen fette ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen, das soll uns die FBW mal erklären. Hier die Liste der Jurymitglieder.

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