Hawaihemdenfilm.

In den 70ern fing die massenhafte Fernreiselust an zu erwachen. Aber noch konnte nicht jeder so schnell mal in die Karibik, nach Acapulco oder Miami jetten und sich am Pool mit Hawaihemd ablichten lassen. Damals war das für viele noch ein Traum; auf diesen Traum haben die Hawaihemdenfilme geantwortet.

Heute trämt man nicht, man besorgt sich das Ticket mit wenigen Klicks im Internet. Dem Genre ist die Traum- und Sehnsuchtsqualität abhanden gekommen. Also bräuchte es ganz besonderen Anreizes, es noch attraktiv fürs Kino zu machen.

Der fehlt dem Film von Rachid Bouchareb allerdings. Er scheint vom Genre begeistert und auch von Miami Vice. Letzteres zitiert er jedenfalls öfter in diesem seinem Film und Hawaihemden hat er auch eine ganze Kollektion auf seine Darsteller verteilt.

Er schafft es bestensfalls, seine Begeisterung für das Genre erahnen zu lassen. Vorm Totalabsturz bewahren ihn seine beiden Protagonisten, auch wenn sie alleingelassen agieren, aber sie sind Profi genug. Omar Sy als der Detective aus dem Pariser Viertel Melville und Luis Guzmán als Ricardo Garcia, Detective in Miami. Er besteht darauf, Detective genannt zu werden; das soll ein Gag sein; wird wiederholt bis zur Ermüdung.

Auch diesem Gespann sieht man bestenfalls Regie- und Drehbuchabsicht an. Gegensätze, die sich anziehen und gleichzeitig streiten. Aber diese Absicht bleibt als solche stehen; kann sich nicht zu Dynamik aus sich heraus entfalten.

Viel zu wenig gearbeitet ist auch die Idee, Sy einen Mutterkomplex zuzuschreiben. Das geht nicht über die Theorie hinaus und wird durch die Knallchargenbesetzung der Mutter unterminiert. Wobei die Idee durchaus passable wäre, dass die Mutter die kriminalistische Spürnase ist. Das kommt aber in der Durchführung nicht prickelnd zur Geltung. Es wird nicht klar, ob das an mangelndem Regiegeschick von Bouchareb, an mangelnder Drehbucherfahrung oder an zu wenig gründlicher Drehbucharbeit liegt.

Unklar auch, was Constantin Film bewogen hat, den Film in sein Verleih-Programm aufzunehmen. Bei einer Kältewelle wie hier im Januar und in einer Provinzstadt mit nur einem Kino, da könnte der Film für zwei Stunden Ablenkung gut sein. Wenn er alternativlos wäre. Aber schon in einem Kino mit zwei Filmen im Programm, ist die Chance groß, dass der andere Film attraktiver, heutiger wäre.

Das Grundkonstrukt ist schlecht gearbeitet, stammt aus der Wühlküste für Routine-Krimis. Der Pariser Cop kommt mit einem großen Fall von Drogenschmuggel in Kontakt. Er muss in Miami ermitteln. Er gefährdet durch seine Alleingänge immer wieder den Ermittlungserfolg. In Miami ist er gezwungen, mit Ricardo zusammenzuarbeiten. Und seine Mutter nimmt er auch noch mit. Das ist ein ziemlich an den Haaren herbeigezogener Gag, vor allem, wie er umgesetzt wird.

Dann macht der Film noch einen Schlenker nach Daloa, erfindet einen Staatstreich und kann dem Zuschauer nicht mal plausibel den Weg der Drogen nachzeichnen. Die deutsche Routine-Synchro hebt den offensichtlich konstruierten Charakter der Geschichte noch hervor.

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