Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers

Jedem Teenie-Jahrgang seinen Pferdefilm.

Pubertätstechnisch kann der Umgang mit Pferden und das Reiten für heranwachsende Menschen im Übergang vom Mädchen zur Frau von großer Hilfe sein. Und da das auch mental-kulturell verarbeitet werden will, führt das zu einer regelmäßig erneuerten Nachfrage nach Pferdefilmen.

Das Plotprinzip ist in etwa immer dasselbe: ein schwieriges Pferd (Cagliostro) muss von einem Mädchen, hier ist es Lou (Lela Holtwick), unter Überwindung seiner Angst gefügig gemacht werden mit Methoden des Flüsterns und der Zuneigung und nicht mit Gewalt.

Dieser Komplex ist eingebettet in eine wirtschaftliche Krisensituation des einen Hofes (die Jansens), auf dem die Protagonistin den Sommer verbringt oder wohnt. Es droht der böse Nachbar Mallinckroth (Heiner Lauterbach), der wirtschaftlich besser dasteht, das schwächere Gestüt in den Ruin zu treiben.

Dann müssen noch ein paar hübsche Jungs her, die das Herz der Protagonistin höher schlagen lassen und die in einem Wettstreit um sie stehen, hier sind es Matz (Rafael Gareisen) und Leon (Moritz Bäckerling) aus der Stadt. Auf beiden Höfen gibt es weitere, unterstützende Figuren.

Da Pferdefilme in fast jährlichem Rhythmus auf den Markt kommen – und sie werden wie auch hier ordentlich und konventionell erzählt, im Gegensatz zu vielen deutschen Themenfilmen – geben sie ganz unwillkürlich etwas über den Zeitgeist preis.

Vor kurzem noch war der Gegensatz zwischen den beiden Gestüten krass, lebenslustig arm der eine, hochnäsig bis protzig reich der andere. Die bösen Figuren wurden bis zu Klischees stilisiert und die Guten auch oder es gab auch skurrile Nebenfiguren.

Hier bei Sharon von Wietersheim, die nicht nur als Regisseurin und Drehbuchautoren agiert, sondern auch als Produzentin, kehrt eine wohltuende Nüchternheit ein. Dadurch geht Schwärmerisches und Romantisches verloren. Das wird wiederum kompensiert mit gelegentlichen Aufhellern und Weichmachern in den Gesichtern der jugendlichen Darsteller; das geht bis zum modelhaften Auftritt von Lou, perfekt geschminkt, frisiert und gestylt wie für den Laufsteg. Immer dabei sind schöne Pferdeaufnahmen; Kameradrohnen können laufende Pferde noch schöner begleiten. Und das Pferd als Kunst aus rostigem Eisen am Meer findet seinen monumental-symbolischen Eingang in den Film.

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