Er hat alles.

Seine Welt ist die Musik und da hat er alles: Erfolg, Frauen, Kinder, eine Villa mit Swimming-Pool und dem eigenen Tonstudio, Millionen, Handwerk, Talent, Kenntnis, Gefühl, Originalgemälde berühmter Impressionisten, Lebens- und Schaffensfreude noch im hohen Alter: Christian Bruhn.

Lieber hätte er Jazz gemacht oder sich über den Heidedichter Arno Schmidt unterhalten. Damit war kein Geld zu verdienen. Abgesehen davon, dass die leicht Muse einem Ondit gemäß das Schwerste ist, der Schlager, der Gassenhauer, den Millionen nachträllern und mitsingen und das womöglich noch nach Jahrzehnten, wie es mit manchen Titeln des nicht schubladisierbaren Komponisten Christian Bruhn passiert.

Von Bruhn stammt Marmor Stein und Eisen bricht oder „Ein bisschen Spaß muss sein“. Er hat für Mireille Mathieu geschrieben, für Katja Ebstein, für Conny und Roberto Blanco.

Marie Reich stellt dieses Musikgenie in ihrer freundlichen Dokumentation als einen bescheidenen Mann vor, der einen Fiat kaum größer als eine Handtasche oder in Österreich zweiter Klasse Bahn fährt, als Bahn- und Ordnungsfreak, als einen, der überall im Haus – wie humorige, subalterne Bürolisten es gerne tun – Sprüche an Wänden und Türen hängen hat („Der Chef als Krankheitserreger“, „Ich Chef, Du Nix“) oder, der Merkzettel auf den Boden legt, wann eine Besorgung zu machen sei, der aber auch gegen ein immer wieder sich ausbreitendes Chaos im Arbeitszimmer kämpft.

Als einen der begeistert einen Techno-Remix eines Schlagers von ihm selbst zuhören kann. Der überhaupt lieber aus Begeisterung arbeitet als aus Zwang. Er sieht sich als einer, der nicht in die Klatschspalten oder auf die Roten Teppiche muss, der lieber gepfiffen als erkannt wird.

Das ist wiederum vielleicht der Schwachpunkt dieser vereinnahmenden Doku, die auch kameratechnisch mehr will und erreicht als eine durchschnittliche TV-Doku und deshalb ins Kino passt, dsas er zwar in seiner Musik, überaus effektbewusst ist, nicht aber darin, sich selbst showmäßig zu präsentieren. Das hat zur Folge, dass der Film das Gefühl vermittelt, knappe anderthalb Stunden mit einem sehr zufriedenen, glücklichen Menschen verbracht zu haben. Immerhin. Es gibt Unangenehmeres.

Andererseits kann der Film ein Missing Link in der öffentlichen Wahrnehmung von bekannten Melodien herstellen – für den, der es noch nicht wusste.

Im Film kommen Musiker, Komponisten, DJs, Musikproduzenten, ein Sohn, Ex-Ehefrauen zu Wort, die diesen Eindruck bestärken. Interessant vielleicht auch, dass er ein Schulversager und dass der Vater nie mit ihm zufrieden war, auch wie der Erfolg mit den Schlagern sich einstellte und dass er die Musik als etwas den Frauen ebenbürtig Erotisches sieht, wobei die Beziehung zur Musik deutlich konstanter ist, vielleicht eben doch prioritär zu sehen.

Eine andere Seite von ihm: er war auch musikpolitisch, zumindest was die Verwertung an den Rechten betrifft, aktiv, jahrelang als Vorstandsvorsitzender der GEMA und das im Sinne aller Musiker.

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