Die Absicht von Regisseur Wolfgang Groos scheint es gewesen zu sein, nach dem Drehbuch von Christof Ritter eine ordentliche Geschichte zu erzählen. Das ist ihm durchaus gelungen. Auch hat er versucht, frisch zu bleiben, auch das ist ihm gelungen.

Groos hat schon viele Kinderfilme gedreh: Robbie Tobt und das Fliewatuet, Rico Oskar und das Herzgebreche, Die Vampirschwestern 2: Fledermäuse im Bauch, Systemfehler, wenn Inge tanzt.

Es ist die Geschichte von Denis (Emilio Sakraya, der in seiner Rolle so wunderbar unterorganisiert wirkt). Er lebt in Neuperlach und macht Kleinganovenzeugs. Wegen Schulden soll er in Österreich für seine Kredit- und Auftraggeber einen sicheren Bruch in die abgelegene Villa des superreichen Raimund (Heiner Lauterbach) machen. Der liege im Spital, habe sein Personal nach Hause geschickt.

Denis, der in Neuperlach bei einer vifen Mutter mit zwei kleinen Geschwistern wohnt: dieses Familienleben versucht Groos mit amerikanischer Verve zu inszenieren. Die Ganoven fahren Denis zu dem verschneiten Anwesen im nahen Österreich.

Denis findet den schlaganfallgelähmten Hausherren auf dem Boden liegend vor. Bald taucht dessen Nichte Charlotte (Sonja Gerhardt) auf. Ihre Mutter hat sie geschickt. Obwohl sie zehn Jahre keinen Kontakt mehr mit dem Opa gehabt haben, soll jemand auf ihn aufpassen, da der Pfleger erst am Tag drauf komme.

Sie überrascht Denis. Diese erste Begegnung verschenkt Groos inszenatorisch. Charlotte ist merkwürdigerwesie auf einer Polizeischule, das ist doch gegen die Lebenserfahrung, dass Abkömmlinge von Superreichen die Polizeischule machen, das ist doch eher ein Beruf für soziale Aufsteiger, also hier fehlt die Plausibilität und es fehlt die Begründung dafür. Nach aller Lebenserfahrung müsste sie intuitiv annehmen, dass Denis der Pfleger ist, der doch zu früh gekommen ist. Sie würde verbissen an ihrem Vorurteil festhalten. Altbekannter Mechanismus, immer wieder leinwandwirkungsvoll. Nicht so bei Groos, weder altbekannt noch wirkungsvoll.

Hier findet eine große Unsicherheit der beiden statt, gegen die Komödienmechanik, aber auch weltfremd, insofern unlustig. Vielleicht konnte sich Groos nicht so richtig entscheiden, ob er eine Komödie drehen will, was aber sonst?
Wenn er realistisch geblieben wäre, dann hätte er Denis ein Kanackendeutsch sprechen lassen; der aber spricht so sauber wie trainiert und die Polizeirekrutin hat sprachfarblich nichts, was auf diese Milieu schließen ließe. Hier fehlt es an Charakterisierungen.

Jedenfalls spielt der Einbrecher Denis – seine Kumpane haben ihm, weil das österreichische Polizeiauto sich dem Anwesen näherte, im Haus sitzen lassen und sind abgehauen – notgedrungen die Pflegerrolle. Das führt zu sogenannt komischen Situationen und Regie und Ensemble bemühen sich, diese auch lustig aussehen zu lassen. Wie Denis Raimund erst statt ihn zu waschen und duschen, einsprayt und wie der Gestank doch heftiger wird, entkommt er der Duschszene nicht.

Einmal ist Denis in ein Zimmer eingesperrt, weil Raimund bei aller Sprachlosigkeit den Wolfshund auf ihn gehetzt hat. Er muss pinkeltn, tut dies zum Fenster raus mit Sichtkontakt zu Charlotte in einem anderen Zimmer; das ergibt einen Eiszapfen mit dem Aroma Natursekt, der auch einer Verwendung zugeführt werden wird. Ok, ist schon sehr breit für einen sehr schmalen Gag erzählt.

Heiner Lauterbach macht es sich – aus Freundlichkeit dem Team und dem Buch gegenüber? – zu einfach. Er ist sprachgelähmt. Stößt kommentierende Laute aus in der Begegnung mit Charlotte und Denis – die später – natürlich – ein Liebespaar werden, auch das nicht ganz so zwingend – statt dass er wirklich versucht „Ja“ oder „Nein“ oder einen kleinen Satz zu sagen, versucht er aus Prinzip unklare Laute hervorzubringen. Das ist für die Spannung und den Unterhaltungswert nicht hilfreich.

Vielleicht meinen sie es hier einfach alle zu nett miteinander, den Förderern und dem Publikum gegenüber, dass sich mir die Frage stellt, wer will denn diesen Film anschauen, was will er uns erzählen, genauso wie das Casting gut gemeint ist. Es fehlt das gewisse Etwas. Dass wir einer deutschen Komödienbemühung zusehen dürfen, die viele nette Ansätze hat, die sich aber nicht traut zu knallen, fast mehr wie eine Schulaufführung unter den Auspizien ders Elternbeirates und der Lehrerschaft. Denn den Culture Clash wie Fuck U Göhte ihn sich getraut hat, das trauen sie sich nicht, den verwischen sie direkt. So dass der Kritiker sich in die Position des wohlwollenden Opas gedrängt sieht, der schon glücklich ist, wenn im deutschen Kino wenigstens der Ansatz einer ordentlichen Story und ein gewisses Vergnügen im Umsetzen da ist.

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