Die Geschichte vom verlorenen Sohn.

Mit viel Herzblut, bewunderungswürdigem Einsatz und mit brillantem schauspielerischem Können erzählen Julia Roberts als Holly Burns und Lucas Hedges als ihr Sohn Ben diese moderne Variante einer biblischen Geschichte. Auch mit dem emphatischen Engagement, dass der Sohn zurückgewonnen werden kann.

Der Film von Peter Hedges (Das wundersame Leben des Timothy Green) ist emotional durchgetaktet. Wie eine zweite Zündstufe für die dramatische Entwicklung setzt Hedges einen gezielten Vorwurf des spröden Stiefvaters von Ben (Lucas Hedges) Neal (Courtney B. Vance), ein, der den fast gefundenen Frieden mit diesem hochgradig gefährdet. Mit Neal hat Holly noch zwei schulpflichtige Kinder.

Ben ist drogenabhängig geworden. Er ist auf Entzug. Seit 77 Tagen sei er clean.

Das erinnert an den Film von Philipp von Groeningen „Beautiful Boy“, der sich auf eine cleane, stilistische Übung kapriziert. Beide Mal wird aber gut herausgearbeitet und dramaturgisch effektvoll damit gespielt, dass der Entzug von Drogen immer von Rückfällen bedroht ist.

Bei Hedges geht das Emotionale vor. Das ist eine Rolle für Julia Roberts, die strahlt, die für ihren Buben kämpft – und wenn es sein muss, lügt und lügt. Sie lügt ihren Mann an, sie lügt ihre Tochter Ivy (Kathry Newton) an, wenn sie mit Ben eine nächtliche Tour auf den Spuren seines Drogenlebens absolviert, auf der Suche nach dem allerliebsten Hund, der an Weihnachten verschwunden ist.

Denn es hat sich in dem kleinen Ostküstenort schnell herumgesprochen, dass Ben zurück sei – und es gibt noch offene Rechnungen. Dabei wollte Holly ihren Sohn, denn er hätte gar nicht dableiben dürfen, die 24 Stunden, die sie ihn bei sich aufnahm, nicht eine Sekunde aus den Auge lassen; sie bestimmt strenge Regeln. Selbst beim Pinkeln für den Drogentest steht sie im Bad neben ihm. Zu recht, denn er selbst gesteht ihr, dass er sie nur anlügen würde. Ein verspäteter Weihnachtsfilm, ein Botschaftsfilm.

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